Den Schritt zum Alleinsein wagen

Nette
ThemenerstellerIn
Dabei seit: 06.11.2002
Beiträge: 30
hallo zusammen

Letzte Woche musste ich für eine sehr liebe freundin von mir die ambulanz rufen, sie war mit ihren seelischen und körperlichen kräften am ende. Schon seit geraumer zeit will sie sich vom ehemann trennen,...nur ist das nicht so einfach, wenn man 1. keine schweizerin ist und dein ausbildung hier nicht anerkannt wird, du 2. drei kinder hast, wovon die grösste in den kiga geht, die kleinen sind 2.5 jahre alt, du 3. selber kein geld hast, also arbeiten gehen musst, und die Kinder abgeben musst, das jedoch kostet auch wieder geld, usw. Ihr versteht, im moment ist sie in dieser Spirale drin und sieht kein Lichtblick. Ich sage ihr dann immer, dass sie nicht die erste mami ist, sie sich ohne geld vom mann trennt, und dass es sicherlich mit hilfe vom sozialamt erst mal klappen wird. Lieber ohne geld alleine glücklich, als mit ehemann so weitermachen. Es ist nicht so, dass er soviel verdient, er bezahlt noch schulden von früher ab, und hat noch ein kind für das er alimente zahlt.

Wie habt ihr diesen ersten Schritt gemacht, wer hat euch geholfen, würdet ihr es wieder machen? Geht ihr mittlerweile arbeiten?

Vielen Dank für eure antworten, ich möchte meiner kollegin gerne mut machen und ihr rat geben. Den schritt machen kann jedoch nur sie.

Gruss Jeanette
fraulein
Dabei seit: 26.10.2003
Beiträge: 1596
Dann würde ich diese Kollegin nehmen und mit ihr die Abklärungen bei den Aemtern machen.

Es wird ihr keinen Mut machen, wenn sie hört, dass andere es auch geschafft haben. Weil das interessiert sie im Moment nicht, weil es ja nicht um andere geht.

Unwissenheit macht Angst. Deshalb ist wissen, was genau auf einen zukommt, wichtig. Und da nicht jeder Kanton gleich ist und nicht jede Gemeinde gleich, und kleine Kinder haben nicht automatisch heisst, dass sie nicht arbeiten muss, bleibt nur die individuelle Abklärung.

Partner, 4 Kinder mit teilweise Schwiegerkindern, aktuell 2 Enkel :-)
Stricken, Lesen und immer wieder an meinem Lieblingsplatz sitzen und den Bäumen zuhören.
Ultramarin
Dabei seit: 30.03.2009
Beiträge: 1425
hallo

Ich sehe es wie fraulein: "Wissen ist Macht".

Ist sicher nicht so leicht, ich weiss ja nicht aus welchem Land deine Freundin kommt, aber es ist nicht überall wie in der Schweiz wo der Staat diese Frauen "auffängt".

Alles Gute!

We stopped checking for monsters under our bed, when we realized they were inside us
Nette
ThemenerstellerIn
Dabei seit: 06.11.2002
Beiträge: 30
Danke ihr zwei, für eure antworten.

ja, es ist sicherlich nicht leicht, zumal ja man wirklich nicht weiss, was auf einem zukommt. Was, wenn der mann sagt, ich wil nicht aus der wohnung raus, was machst du dann, rausschmeissen? Ihm die koffer packen, rausstellen und die schlösser auswechseln. Und dann bekommen die kinder mit, wie der papa auf der anderen seite an der türe steht und zetert. Ein schlechter vater ist er nämlich nicht, nur ein lausiger ehemann.

Meine kollegin stammt aus kenia. Sie sprecht perfekt deutsch, aber eben, arbeit finden ist sogar für unsereins nicht einfach. Sie hatte vor einem halben jahr bereits kontakt mit dem sozialamt, und die haben ihr gesagt, dass sie den mietzins bis 1'300 übernehmen und die kk, und dazu bekommt sie dan noch sozialhilfe. Finde mal eine wohnung für diesen Preis! Unmöglich.

Aber ja, ich werde sicherlich mit ihr zum amt gehen, mal schauen wie es weiter geht.

Gruss Jeanette
erna
Dabei seit: 03.01.2002
Beiträge: 870
wenn sie jetzt im Spital ist, dann würde ich da den Sozialdienst beanspruchen. Die werden dann die ganze Sache richtig aufgleisen, sodass deine Kollegin weiss, wo sie sich welche Hilfe/Unterstützung holen kann.

Sollte es ein kleines Spital (nicht jeder Spital hat einen Sozialdienst) sein, so würde ich gerade im Kanton SG, die Familienberatungsstelle anfragen, ob ev. eine Sozialarbeiterin in den Spital kommen könnte.
Vilu
Dabei seit: 18.07.2002
Beiträge: 2006
Ich möchte mich nur kurz betreffend Wohnung melden. Es gibt schon so günstige Wohnungen, z.B. in Genossenschaften. Meine Schwiegereltern bezahlen für ihre 4-Zi-Wohnung sicher nicht mehr und die wurde neu renoviert, ist also kein Loch. Und auch auf dem Land gibt es günstige Wohnungen. Wo wohnt sie denn jetzt?

Leben und leben lassen
Nette
ThemenerstellerIn
Dabei seit: 06.11.2002
Beiträge: 30
Sie ist bereits am Freitag wieder entlassen worden, sie hätte ja keine Beschwerden mehr. Der Arzt sei am Morgen noch gekommen, und hätte gefragt, wie es ihr ginge. Sie hat dann gesagt gut (logisch, alles ist besser als halb bewusstlos auf dem Flur liegen und gerade noch mich anrufen können), und da wäre dann der Zeitpunkt dagewesen zum sagen, NEIN, es geht mir beschissen, seelisch und auch körperlich. Ich schlafe seit Jahren nicht mehr, weil ich immer hin und her hirne wegen meiner Situation, usw. aber da war dann irgendwie die Hemmschwelle da, jemandem Fremden, weil sie kannte den Arzt ja nicht, einfach ihre Geschichte zu erzählen. Und so wurde sie entlassen, und obwohl der Mann gesagt hatte, er nimmt ein paar tage frei, hat er dies nicht gemacht, und sie ist wieder alleine.

Für mich hat sie ein beginnender Burn Out, der ja nicht ganz ohne ist. Habe ihr empfohlen, den Hausarzt aufzusuchen, der ja eingentlich eine Vertrauensperson sein soll. Sie hat dies auch gemacht, aber der hat nur gesagt, was wollen sie das ich mache? Ja, woher soll sie das denn wissen? Er hat ihr Tabletten gegeben, damit sie nachts schlafen kann, und das war's dann.

Ja nu, jetzt müssen wir nach vorne schauen, ich werde die nächsten Schritte mit ihr besprechen, ich werde für sie da sein, keine Frage. Aber ich merke, dass sie Bammel vor dem Alleinsein hat, obwohl sie sich dies auch sehnlichst wünscht. wir wohnen übrigens im Kanton SG. Es wird schon klappen!

Gruss Jeanette
busy
Dabei seit: 25.04.2006
Beiträge: 12
Hallo Nette

Ich habe die anderen Antworten nicht gelesen. Ich denke es ist natürlich für alle anders ob sie den Schritt bereuen oder nicht etc.

Bei mir war es so dass ich riesige Unterstützung von meiner Familie und meinem Umfeld hatte. Ohne die hätte ich wohl den Schritt nicht gewagt. Hatte zuvor einen Zusammenbruch und lag 5 Tage im Spital.

Da ich einen eigenes Haus habe und glücklicherweise keinen hohen Zins habe (ich zahle weniger als für eine schöne 3 oder 4-Zimmer Wohnung) arbeite ich seit ich einen Monat getrennt war zu 50% jeweils morgens. Während einem Monat habe ich mich auf anraten einer Bekanten arbeitslos gemeldet. Da ich ja auf Stellensuche war hatte ich das Recht auf ALV! Und ich hatte glücklicherweise nach einem Monat bereits eine Festanstellung. Mir hat man damals gesagt bis das Kind 3 ist kann man eine Mutter nicht zwingen arbeiten zu gehen. Ich wollte jedoch so bald wie möglich auf eigenen Beinen stehen. War mir sehr wichtig. Ich habe nun auch nicht viel Geld zur Verfügung. Und muss jeden Monat rechnen und manchmal auch jeden Rappen drehen aber ich bin trotzdem glücklicher als vorher!

Da ich eine super Familie habe und meine Tochter (bald 4) jeden Morgen wenn ich arbeite zu meinen Eltern darf muss ich auch kein Geld für die Betreuung ausgeben. Gott sei dank habe ich so auch noch Zeit für meine Tochter.

Ich bereue diesen Schritt überhaupt nicht und habe ihn auch noch nie bereut. Obwohl mein Ex und ich uns mitlerweile sehr gut verstehen. Zum Glück. Ich bin sehr glücklich so mit meiner Kleinen. Und ich denke für sie ist es auch.

Ich wünsche Dir und Deiner Freundin alles Gute. Es ist wichtig dass man in dieser Zeit jemand hat der zu einem steht!

geniesse jede Sekunde Deines Lebens!