Überfordert

Manzi
ThemenerstellerIn
Dabei seit: 19.02.2018
Beiträge: 16
Hallo,

ich habe gerade den Artikel über Burnout heir https://www.wireltern.ch/artikel/wann-ist-viel-zu-viel gelesen und frage mich wie vielen es von euch auch so geht?

Ich selbst bin Mama eines 1 Jährigen Sohnes und bin manchmal wirklich überfordert- meinen Sohn erziehen, Essen kochen, nebenbei den Haushalt machen, Freunde treffen... doch ich dachte immer das schaffen die anderen Mütter ja auch, stell dich nicht so an.

Ich fand den Artikel wirklich gut, frage mich aber wie ihr es schafft euch "Freiheiten" zu nehmen. Ich habe das Gefühl ich kann gar nichts abgeben. Was denn? Meine Mutter kann nicht für mich einkaufen gehen...

Wisst ihr was ich meine?
Lausi482
Dabei seit: 13.01.2017
Beiträge: 13
Hallo du,

ich bin auch schon mal froh wenn ich so einen Artikel finde und merke dass man eben nicht alleine ist mit den Gedanken.
Gerade beim ersten Kind (und dann auch noch im ersten Jahr) denkt man schnell, man müsse alles gleich wissen und am besten den fünften Ratgeber noch mal lesen. Mir persönlich hat besonders gefehlt die auch mal wieder in die Rolle der Frau / der Partnerin zu schlüpfen. Ich hatte ein schlechtes Gewissen wenn es daran ging meinen Partner zu vertrösten. Dabei muss man das nicht haben.

Man muss auch nicht immer die Wohnung sauber und ordentlich haben. Laut https://www.oberbergkliniken.de/service-navigation/aktuelles/burn-out-bei-muettern-therapie-hilfe-tipps/ sind " klassische Haushaltsroutinen wie waschen, putzen, bügeln, einkaufen, Kinder zum Arzt bringen, den Kindergeburtstag organisieren und vieles mehr, ist immer noch Müttersache, auch wenn sie berufstätig sind“ Das habe ich gelernt. Das kann ich auch gut abgeben. Da kann sich dein Partner doch ebenso gut drum kümmern!

In dem Artikel stand ja auch dass man einfach für sich entscheiden muss man zu viel ist und dann die Bremse ziehen soll.

Always keep going
Nuvole
Dabei seit: 02.06.2007
Beiträge: 1738
Es ist einfach eine strenge Zeit. Eine mega strenge. Mein Mann und ich machen Job-Sharing. So ist er einen ganzen Tag zuständig. Mich hat das jeweils getröstet, dass auch er an seine Grenzen gestossen ist. Und alles auch nicht einfach mit links gemacht hat.

Mir haben zwei Sachen geholfen:

1. Einmal am Tag hat mein Mann eine Stunde übernommen. Voll und ganz. In dieser Stunde konnte ich etwas für mich machen und ich habe mir manchmal den ganzen Tag lang ausgemalt, was das sein könnte. Am Wochenende dann einen halben Tag. Ich habe das genossen.

2. Ich habe das Glück, in einer Siedlung mit vielen Familien zu wohnen. Da konnte ich jeden Tag auf den Spielplatz - das kann man auch mit ganz kleinen Kindern - und habe dort andere Mütter getroffen. Mit der Zeit spürt man auch, welche einem gut tun und welche nicht, weil sie alles scheinbar mit links machen.

Zudem besuchte ich auch die Angebote unseres Familienzentrums. Es ist wichtig, Orte zu kennen, wo man andere treffen kann - spontan und ohne vorher den Telefonhörer in die Hand zu nehmen.

So langsam kannst du dein Kind auch einbeziehen ins Kochen, Haushalten etc. Glaub mir, mit der Zeit gibt es mehr Luft!

thea
Dabei seit: 28.06.2013
Beiträge: 878
@Manzi
Du hast nicht geschrieben, ob Du einen Partner an Deiner Seite hast, wenn ja, finde ich Nuvoles Vorschlag sehr gut! Auch wenn es bei uns nicht so regelmässig war, nur schon ein entspannendes Bad oder ein längeres Telefonat haben mir gut getan. Gerade wenn Dir das Abgeben schwer fällt, wäre eine Stunde am Feierabend oder zwei am Wochenende ein guter Anfang und wichtig für das Gleichgewicht innerhalb einer jungen Familie! So wird es mit der Zeit einfacher, mal mehrere Stunden oder einen Abend frei zu nehmen, damit Du Deine Hobbys und Freundschaften weiterpflegen kannst!

Sehr geschätzt habe ich, dass unsere Kinder an einem fixen Nachmittag zu den Grosseltern durften, da konnte ich dann im Voraus etwas planen und abmachen und die Zeit richtig ausnützen und geniessen.

Oder die beiden Nachbarsmädchen, die jeweils am Mittwochnachmittag gefragt haben, ob sie mit den Kleinen im Kinderwagen spazieren gehen dürfen.

Zugerli1
Dabei seit: 20.03.2016
Beiträge: 338
Leider hatten wir keine Eltern zur Entlastung in der Nähe. Dafür fand ich ein Angebot wo man die Kinder an einem Nachmittag zum hüten bringen konnte, das gab mir auch ein bisschen Luft. (weiss nicht mehr, ob es sogar von der Kirche
aus war) Ev. gibt es das bei euch auch?
fraulein
Dabei seit: 26.10.2003
Beiträge: 1646
Als erstes die eigenen Ansprüche überdenken:

Wenn ich davon ausgehe, dass du einen Partner hast, der tagsüber ausser Haus ist (oder maximal mittags heim kommt), frage ich mich, wieviel Haushalt täglich gemacht werden muss. Ein Baby und du werden tagsüber kaum extrem viel Dreck machen. Somit reicht es ja wohl, wenn man nicht jeden Tag "Haushalt macht; sprich: staub wischen, staub saugen, Badezimmer putzen, Küche wienern, alle Böden aufnehmen"

Essen kochen: wenn dein Partner jeden Tag heim kommt, bitte ihn doch, zweimal die Woche auswärts zu essen, da braucht es dann mittags keinen grossen Aufwand mehr. Z.B. am Tag zuvor etwas mehr kochen, dass dann nur gewärmt werden muss.

Was braucht ein 1-jähriger den aktuell gross an Erziehung? Er beansprucht Aufmerksamkeit, Zeit, aber lernt auch, sich selbst zu beschäftigen. Aber er schläft auch noch regelmässig, was Zeit für dich wäre, in dieser Stunde/Stunden zu lesen, einem ruhigen Hobby nachzugehen, mit Freunden zu telefonieren etc.

Freunde treffen: z.B. abends? Da ist ja dein Partner da, wenn nicht, lerne, frühzeitig einen auswärtigen Babysitter zu engagieren, damit du abends auch mal weg kannst. Freunde unter Tag treffen (möglicherweise auch mit kleinen Kindern): ist ja wohl auch kein Problem, macht man normalerweise ja auch nicht jede Woche.

Im Grunde siehst du schon ganz genau, wo das Problem liegt: du GLAUBST, dass du nichts abgegeben kannst. Aber das liegt allein in deinem Kopf. Wenn man bereit ist, loszulassen, dann kann man auch umsetzen. Solange du nicht loslassen willst, setzt man auch nicht um. So einfach ist das.

Manzi
ThemenerstellerIn
Dabei seit: 19.02.2018
Beiträge: 16
Halloo...

erstmal DANKE für eure Nachrichten. Wirklich in jedem Beitrag konnte ich etwas anderes entdecken, was mich getröstet und geholfen hat.
Es stimmt: Ich lasse mir selbst nicht besonders viel Rau, um Fehler zu machen. Und den Druck mache ich mir auch selbst, denn mein Partner ist niemand, der mich verurteilt.

Eine Stunde für mich am Tag?! Zu schön, um wahr zu sein. Ich werde das mal vorschlagen. Allein Ruhe wäre wundervoll. Ein langer Spaziergang mit einem Coffee to go.

Ich hadere aber noch mit dem Gefühl: Mir zugestehen, nicht allen Ansprüchen gerecht werden zu müssen. Wie schafft ihr das? Ich meine, ich weiss, dass ich locker lassen muss. Aber das umzusetzen fällt mir noch schwer.

Trotzdem danke für euren Zuspruch!
Nuvole
Dabei seit: 02.06.2007
Beiträge: 1738
Ein Kind - vor allem ein kleines Kind - zu haben, heisst 24 h auf Abruf zu sein. Wenn es nachts kotzt, wenn es Hunger hat etc. etc.

Es gibt keinen Beruf, bei dem man 7 mal in der Woche 24 h auf Abruf da sein muss. Also ist es für eine Person allein auch nicht machbar!!

Und 1 Stunde pro Tag für dich ist kein Luxus, sondern das einzige, um auf die Dauer überleben und gesund bleiben zu können.

Du bist nicht allein mit deiner Erfahrung und hast hier viele Tipps bekommen. Jetzt bist du dran! Es braucht Überwindung, aber du wirst es nicht bereuen!
thea
Dabei seit: 28.06.2013
Beiträge: 878
@Manzi
Einen langen Spaziergang kannst Du auch mit dem Kinderwagen machen, plane ihn so, dass das Kind gegen Ende der Tour müde wird / einschläft, dann kannst Du es zuhause ins Bettchen legen und in Ruhe einen Kaffee geniessen!
Mache die Hausarbeiten dann, wenn das Kind wach und zufrieden ist, es kann Dir dabei zusehen, sich mit Alltagsgegenständen beschäftigen und später auch dem Alter entsprechend behilflich sein.
Möglichst immer gleiche Zeiten für Essen, Spielen und Schlafen können helfen, dem Tag eine Struktur zu geben und deine Tätigkeiten und Ruhephasen entsprechend zu planen.
Kongi
Dabei seit: 17.04.2018
Beiträge: 3
Manchmal ist es so, dass einem alles zu viel wird.
Da muss man sich dann Zeit für sich nehmen.