Bloss kein behindertes Kind!

GabrielaA
Dabei seit: 18.10.2002
Beiträge: 5611
Jeder wünscht sich doch ein gesundes Kind, das sich tip top entwickelt. Jeder wünscht sich selber, gesund zu sein.

Leider ist das Leben nicht so. Bestimmt ist es nicht einfach, mit einem behinderten oder kranken Kind zu leben. Aber: Es ist so, und jede Familie stellt sich auf diese Situation ein und macht für sich das beste daraus.

@NYC: Du hast hier schon mehrmals von deinem Sohn berichtet. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es für alle mega anstrengend und belastend ist. Wenn ihr könntet, würdet ihr sicher auch eine andere Situation wählen, aber es gibt kein Wählen.

Ich wünsche euch viel Kraft und eurem Sohn alles Gute.
NYC
Dabei seit: 20.11.2015
Beiträge: 83
@Gabriela

Genau, es gibt kein Wählen, man muss sich mit der jeweiligen Situation, wie sie ist, auseinandersetzen und damit umgehen, damit man selber nicht kaputt geht!

Irgendwie ist es blöd, dass ich die Krankheit meines Kindes immer wieder erwähne - aber es ist eben entscheiden, dass man nie und nimmer und wirklich nie, absehen kann, was das Leben mit einem oder den nahen Angehörigen vorhat. Die Vorstellung dass das eigene Kind schwer krank wird, malt man sich ja selten im voraus aus.

Mich nerven so abschätzige "Na ja"s von Barbarar und da kann ich einfach nicht still bleiben. Solche Aussagen können nur von empathielosen Kreaturen kommen, die keine Ahnung vom Leben haben!
Das macht mich wütend.... Den Eltern eines behinderten Kindes zu suggerieren, sie hätten einen Fehler gemacht und abtreiben sollen um dann noch nachzuschieben: Es sind ja zum Glück nicht mehr viele.
Solche Aussagen können doch nur einen Brechreiz hervorrufen!





kaye
Dabei seit: 25.11.2009
Beiträge: 977
Geht mir genauso. Diese Beiträge von Barabar oder ähnlichen machen mich einfach wütend. banghead.gif
Jeder wünscht sich doch, dass es den Kindern und der Familie möglichst gut geht. Das kann mit oder ohne Behinderung eintreffen oder auch nicht. Meistens ist es ja auch relativ und wechselt mit der Zeit: wir freuen uns über jeden Fortschritt, jede Besserung der Krankheit, oder sind verzweifelt über einen Schicksalsschlag oder ein neues Leiden. Ich wünsche allen, dass sie das Glück erkennen und erleben dürfen, wo auch immer es sich zeigt, ohne bornierte Meinung darüber, was "lebenswert" ist.
Wirbelsturm
Dabei seit: 10.08.2013
Beiträge: 320
Unser erstes Kind kam gesund zur Welt. Bei der zweiten Schwangerschaft kam die Diagnose das unser ungeborenes am Edwards Syndrom leidet.
Wir stellten uns auch die frage abtreiben lassen oder zuwarten ob es eine Todgeburt oder doch für einige Wochen Lebensfähig ist.
Es war eine sehr harte unschöne Zeit viele selbstzweifel streit in der Partnerschaft u.s.w
Wir hatten uns doch entschieden der Natur zu folgen. Wir durften sie noch 9 Tage bis nach der Geburt bei uns haben. Über diese Zeit die wir gemeinsam verbringen konnten, war ich doch sehr dankbar und hätte mich auch nie im nach hinein anders entschieden
Ich hab das Gefühl man bekommt nur die Last aufgebürdet die man auch tragen kann.
Und im nachhinein kommt einem vieles nur noch banal vor über was die Leute alles jammern, was wir früher auch getan hätten aber wir heute nur noch den Kopf schütteln können.
Ich hoffe die, die hier so hart und kalt ver-beurteilen kommen nie in eine solche Lage.


[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 07.11.2016 um 11:19.]

Mir egal ob ich in den Himmel oder in die Hölle komme, ich hab auf beiden Seiten Freunde.

Menschen glauben oft der Mehrheit und nicht der Wahrheit.

Einige Menschen sind nicht Dumm, die haben einfach nur Pech beim Nachdenken
GabrielaA
Dabei seit: 18.10.2002
Beiträge: 5611
@NYC: Also ich finde das ganz natürlich, dass du ab und zu die Krankheit deines Sohnes erwähnst. Ist doch nichts Schlimmes dabei.

Ich gebe euch beiden recht. Solche Aussagen zeigen einfach das Niveau dieser Leute. Schade, wenn jemand so eine Einstellung dem Leben gegenüber hat.
GabrielaA
Dabei seit: 18.10.2002
Beiträge: 5611
Vor 20 Jahren hatte ich eine Bekannte, die im selben Ort lebte, wie ich. Etwa ein Jahr vor mir brachte sie ihr erstes Kind zur Welt. Wir hatten aber privat keinen Kontakt, sondern unterhielten uns, wenn wir uns mal trafen.

So berichtete sie mir freudestrahlend, dass sie mit dem 2. Kind schwanger sei. Sie nannte auch den Geburtstermin, den ich aber nicht mehr genau wusste. Eines Tages, als ich mit meinem Kind spazieren ging, klingelte ich spontan bei ihr. Ich überlegte noch, ob sie ihr Baby wohl schon hat.

Eine fremde Frau öffnete mir die Türe. Als ich nach der Kollegin fragte, ging die Frau, fast unfreundlich rein und rief sie. Das fand ich merkwürdig und spürte, dass etwas nicht stimmte.

Meine Kollegin kam an die Türe. Ihr Gesichtsausdruck verriet, dass etwas passiert sein musste. Mit einem Blick auf ihren Bauch stellte ich fest, dass da kein Baby mehr drinnen war.

Sie hatte Tränen in den Augen und berichtete, dass ihr Baby vor ca, 2 Tagen nach der Geburt gestorben war.

Ich kam mir so daneben vor. Wir waren keine Freundinnen, kannten einander nicht wirklich persönlich, und trete voll ins Fettnäpfli. Selber kamen mir auch die Tränen und ich versicherte ihr, dass es mir von Herzen leid täte. Falls sie jemanden zum Reden brauche, dürfe sie mich anrufen. Eine spontane Einladung lehnte ich ab, weil ich das Gefühl hatte, es wäre nicht richtig.

Ich war total aufgewühlt und rechnete nie und nimmer, dass sie mich anrufen würde. Aber etwa 2 Wochen später rief sie mich an und besuchte mich. Dort erzählte sie mir, dass beim US der Arzt sehr lange immer wieder auf den Bildschirm starrte. Fazit: Eine Untersuchung (genaues weiss ich nicht) wurde angeordnet, express mässig, da die SS eh schon weit vorgeschritten war. Sie wurden in die Praxis bestellt, wo sie erfuhren, dass ihr Kind schwerstens behindert zur Welt kommen würde. Sie erhielten Adressen von Heimen, Selbsthilfe Gruppen, etc.

Der Arzt machte sich etwas Vorwürfe, weil er sie nicht auf eine Vorgeburtliche Untersuchung (ü 35) hinwies. Aber für die Eltern hätte das nichts geändert.

Die Eltern waren am Boden zerstört und wussten wo weder vorne, noch hinten war. Kurz darauf setzten die Wehen ein. Das Kind kam zur Welt, atmete aber glaub gar nicht mehr und war schon tot. Es muss während der Geburt gestorben worden sein.

Hätten sie es schon vorher gewusst, sie hätten trotzdem nicht abgetrieben, erzählte sie mir.

Sie brachte etwa 1.5 Jahre später noch ein gesundes Kind zur Welt. Ob sie dort irgendwelche Tests machten, weiss ich nicht.

Ich verurteile niemanden, der einen Entscheid für eine Abtreibung fällt. Aber ich verurteile Leute, die öffentlich davon reden, als wäre ein behindertes Kind eine Last für die Menschheit.

Meine Mutter war immer sehr aktiv und selbständig. Leider hatte sie mit Ende 50 einen Hirnschlag und ist seither invalid. Sie ist im Rollstuhl, kann nicht mehr sprechen und nur einen Arm bewegen. Trotzallem ist sie eine frohe Frau, die viel mit uns lachen kann. Viele Leute sagen immer wieder, wie furchtbar das doch sei. Aber wenn ich sehe, wie unsere Mutter lachen kann oder sich an Dinge erinnnert, wo ich schon lange vergessen habe, sage ich mir, es ist hart, aber sie hat es akzeptiert.

Im Kopf ist sie total klar, aber sie kann sich nicht mehr ausdrücken. Wie bei einem Computer, wo die Schrift verstellt ist. Wenn man weiss, wovon sie spricht, kann man mit Raten und Aufschreiben herausfinden, was sie meint.

Ganz spannend ist ihr Orientierungssinn: Sie will immer weg gehen - mit dem Auto. Sie kennt Wege, die ich nicht kenne! Sie lotst mich hier durch, über Feldwege, dort durch und kommt IMMER am richtigen Ort an.
lirumlarum122
Dabei seit: 18.09.2013
Beiträge: 205
Das ist schön, was du über deine Mutter schreibst!
Einen Menschen mit Behinderung zu betreuen oder begleiten kann eine riesige Herausforderung sein, aber auch eine grosse Bereicherung, wenn auch nicht im ökonomischen Sinn.
Wer ein möglichst einfaches und sorgenfreies Leben im Wohlstand möchte, hat vielleicht besser gar keine Kinder.
BigMoma
Dabei seit: 03.11.2016
Beiträge: 9
"nanny72" schrieb:

Übrigens, von wegen eindeutiges testresultat. Man hört auch heutzutage immer wieder, das testresultate falsch waren, obwohl sie angeblich eindeutig waren

Ja , das ist auch noch so ein Thema
bnicolic
Dabei seit: 07.12.2016
Beiträge: 32
Sollte eigentlich heute in den industrialisierten Staaten kein Thema mehr sein, weil ja selbst nicht invasive Tests bestehen, die viele Gendefekte erkennen lassen. Leider machen diese nicht alle Schwangeren und dadurch passiert es eben doch immer wieder icon_frown.gif.

NYC
Dabei seit: 20.11.2015
Beiträge: 83
"bnicolic" schrieb:

Sollte eigentlich heute in den industrialisierten Staaten kein Thema mehr sein, weil ja selbst nicht invasive Tests bestehen, die viele Gendefekte erkennen lassen. Leider machen diese nicht alle Schwangeren und dadurch passiert es eben doch immer wieder icon_frown.gif.


Leider gibt es gerade in den industrialisierten Staaten Menschen, die egoistisch, empathielos und unmenschlich agieren. Leider nützen selbst nicht invasive Tests nichts dagegegen und solche Aussagen passieren immer wieder banghead.gifbanghead.gifbanghead.gif

Genau durch solchen primitiven Aussagen, wie Deine, bnicolic, wird die Welt für behinderte, kranke bzw. andersartige Menschen oftmals zur Qual!