Junge hält sich selber für doof

Gery2000
ThemenerstellerIn
Dabei seit: 04.07.2014
Beiträge: 1
Ich habe folgendes Problem, ich bin mit der Mutter eines 14 jährigen Jungen befreundet, bei welchem ich die Ersatzvaterrolle einnehme.

Der Junge ist in der Schule leider ein Einzelgänger und zieht sich auch immer zurück, Freunde hat er nicht wirklich und zuhause bei seiner Mutter ist es ihm immer langweilig.

Vor kurzem war gerade die Schulzeugnis Ausgabe und er ist bis auf Mathe ein guter Schüler. Aber selber hält er sich immer für doof, zu schlank und auch sonst für hässlich. (vom Aussehen ist er für sein Alter ca. 5-6cm grösser als andere Mitschüler und ev. 2-3 Kilo unter dem "Normgewicht" also nichts was bedenkenswert ist.)

Ich versuche ihm zwar immer erneut zu ermutigen und auch in seinem Selbstbewusstsein zu stärken, aber weis langsam einfach nicht mehr weiter.

Was kann ich tun, damit er sich wirklich zufrieden mit sich selber und glücklich fühlt. Welche Möglichkeiten gibt es ev. dass er auch in seinem alter Freunde findet und es ihm nicht jeden Tag zuhause langweilig ist.
dude
Dabei seit: 20.05.2003
Beiträge: 1275
Gibt es keine Sportart die ihn reizen würde? Idealerweise eine Mannschafts Sportart um Kollegen zu finden.

You can judge the character of a person by the way they treat those who can do nothing for them
Franz Josef Neffe
Dabei seit: 17.11.2006
Beiträge: 1040
Gerade bei Problemen dieser Größenordnung fängt Pädagogik m.E. erst an.
Du kannst an dem Beispiel vorzüglich beobachten, wie präzise und unerbittlich AUTOSUGGESTION wirkt.
Vor allem UNBEWUSSTE Autosuggestion.
Die entscheidenden Lebenskräfte, die alle lebenswichtigen Funktionen steuern sind ja eben gerade nicht an unseren BEWUSSTEN Verstand gekoppelt - mit dem hätten wir keine Überlebenschance.
Mit dem bewussten Verstand können wir gerade mal EINEN Gedanken auf einmal denken. Wir bestehen aber aus BILLIONEN Zellen, an die jeden Augenblick gedacht sein muss, und diese Leistung wird für uns in unserem UNBEWUSSTEN vollbracht.
Ist es da nicht seltsam, dass wir immer noch einer Pädagogik folgen, die nur immer zu SDteigereung der bewussten Anstrengungen treibt? Es müsste uns doch langsam auffallen, dass wir damit nur die Anstrengung vermehren.
Unter solchen Vorgaben lernen Kinder nicht, auf ihre entscheidenden Lebenskräfte zu achten und gut mit ihnen umzugehen.
Der Weg der Mühsal und der Misserfolge, auf den wir drängen, erschöpft und lässt ihre Lebenskräfte logischerweise nach Ausflüchten suchen.
Das ändert sich sofrt, wenn ich in der Ich-kann-Schule statt Druck zu machen, mir was einfallen lasse, was ZIEHT.
Wenn jemand etwas nicht kann, behandle ich ihn nie als Nichtkönner sondern höchstens als Noch-nicht-Könner - das ist ein gewaltiger Unterschied.
In unseren Unterrichtsvollzugsanstalten, deren Pädagogik meist zu Hause fortgeführt wird, werden alle nur in STATISTENROLLEN im Leben anderer gedrängt. Dafür ist kein Mensch auf der Welt.
Wir sind alle NUR auf dieser Welt, um schon von Kindheit an DIE HAUPTROLLE UNSERES LEBENS zu spielen.
In dieser Rolle sehe ich mich und jedes Kind und überhaupt jeden Menschen.
In unserer Pädagogik muss man sich immer in vorbereitete SCHABLONEN einfügen.
Das vernichtet die Persönlichkeit.
In der Ich-kann-Schule freue ich mich schon bei der ersten Begegnung, dass jeder über alle Schablonen hinauswachsen wird.
Das ist ein anderes Leben.
Nur wer wächst, wird dem Leben gewachsen.
Wenn sich jemand für doof hält, kann ich ihm lächelnd sagen:
"Ich sehe das anders. Ich spüre Deine Talente. Ich spüre, wie GUT sie sind, wie sie WACHSEN können, ja, wie sie jetzt gerade durch meine Anerkennung schon gewachsen sind. Du spürst es auch. Da führt kein Weg daran vorbei.
Wenn Du deine Kräfte schlecht behandelst und ich behandle sie gut, dann mögen sie mich und folgen mir lieber als Dir.
Das wird lustig! ............"

Wenn Du genau beobachtest, dann siehst Du wie erfolgreich der Junge allen in seiner Umgebung sein Problem unterjubelt. Er STRAHLT es aus, und mit seinen STRAHLEN kommt er überall durch.
Die Leute denken dann bei ihm immer nur an sein Problem und STRAHLEN dann logischerweise auch immer nur PROBLEM ZURÜCK.
Wenn Du deine Rolle als SENDER verstanden hast, kannst Du dein SENDEPROGRAMM bewusst ändern und ihm etwas für seine Entwicklung Günstigeres zurückstrahlen.
Da seine Talente von ihm nichts zu essen bekommen und deshalb verhungern, werden sie sich logischerweise Anerkennung, Bestärkung, Bestätigung usw. von Dir immer reinziehen und dadurch erstarken - und auf Deiner Seite sein.
Wenn Du etwas Erfahrung hast, kannst Du den Einfluss im Experiment vorführen; dann kann sich der Junge überlegen, ob er weiterhin allein Dir den ganzen Einfluss auf seine Talente überlässt oder ob er selber auch einmal die Freuden erleben mag, die Du damit hast.
Coués Autosuggestion ist so ein praktisches Modell, an dem man gut und einfach lernen kann, worauf es ankommt und wie es geht.
Ich freue mich auf Euren Erfolg.

Franz Josef Neffe



"Wenn ich Sie in dem Irrtum lasse, dass ich es bin, der Sie gesund macht, dann mindere ich Ihre Persönlichkeit!" Émile Coué
ondemand
Dabei seit: 31.03.2010
Beiträge: 98
Nur am Rande: Für wirklich doof hält er sich nicht, das tut keiner. Das sind nur Schutzmechanismen. Wenn ich mich für doof halte, komme ich anderen zuvor und minimiere damit in meiner Betrachtung mögliche Doof-Anwürfe von aussen. Es ist eigentlich nur die Angst, von anderen für doof gehalten zu werden.

Dude hat recht. Zusammen mit anderen was machen, regelmässig, baut Selbstbewusstsein auf und regelt viele Dinge von selbst im Laufe der Zeit. Das können verschiedene Dinge sein: Teamsport, wie Dude sagt. Projekte, zusammen mit anderen. Theatergruppen. Was auch immer. Alles, was stoppt, das er zu sehr auf sich selbst, sein Äusseres oder andere "unwichtige" Dinge fokussiert, die für ihn eben im Moment ein riesiges Gewicht haben.
-Mia-
Dabei seit: 29.07.2014
Beiträge: 12
vielleicht findet er ja ein Hobby, welches ihm wirklich gefällt, worin er dann automatisch sich bestätigen kann, da er (wernn er das liebt, was er tut), auch gut darin werden wird...
oder einfach auch nur freude daran hat...

Ich würde mit ihm mal gucken, worauf er Lust hat und welche Möglichkeiten es für ihn so gibt.

VG
Blue64
Dabei seit: 20.08.2003
Beiträge: 1456
"Gery2000" schrieb:

Ich versuche ihm zwar immer erneut zu ermutigen und auch in seinem Selbstbewusstsein zu stärken, aber weis langsam einfach nicht mehr weiter.

Was kann ich tun, damit er sich wirklich zufrieden mit sich selber und glücklich fühlt. Welche Möglichkeiten gibt es ev. dass er auch in seinem alter Freunde findet und es ihm nicht jeden Tag zuhause langweilig ist.


Tja, er wird in den nächsten 2-3 Jahren kaum zufrieden mit sich sein - er ist in der Pubertät!

Was du tun kannst: weiterhin ihm vermitteln, dass du ihn für intelligent hältst. Allerdings versuche, diese Aussagen zu detaillieren - also, genau zu präzisieren, was du an ihm toll findest. Weil er ist nicht dumm, er weiss, dass niemand in allem cool ist.

Freunde muss er wohl oder übel selbst finden, du kannst ihm nur den Background dafür schaffen. Verein (aber er muss selbst erkennen, worauf er Lust hätte), Feriencamps, Jugendtreffs, etc.. Ermutige ihn, erzähl, was du in dem Alter gemacht hast, er soll spüren, dass es Spass macht, unter Gleichaltrigen zu sein. Mach mal mit ihm Brainstorming, welcher Sport ihm Spass machen würde, welche Interessen er gerne vertiefen würde. Oft fängt man klein an: ein 2-Tageskurs für Computer/Informatik, ein Probetraining, ein Wochenendkurs für etwas Handwerkliches. Erwarte nicht gleich die grossen Entscheidungen, aber je öfter er "raus" geht, umso selbstsicherer wird er.

Und die Rückschläge wird es immer wieder geben, denn in der Pubertät wird die eigene Person immer in Frage gestellt!

Viel Geduld, viel Souveränität, wie G'spür wünsch ich dir !


Ich denke, also bin ich hier falsch !
Kaante
Dabei seit: 14.08.2014
Beiträge: 6
Für solche Verhaltensweisen kann er nicht wirklich was! Introvertierte Kinder neigen dazu, sich selber und ihre Umwelt stark zu reflektieren. Ablehnung oder Enttäuschung führen zu Selbstzweifel. Das Kind muss lernen, seine Komfortzone zu verlassen und auch bereit sein, schlechte Erfahrungen, Niederlagen zu erleben. Nur mit Niederlagen lernt man, sich wieder neu zu entdecken und sich anzupassen.
MelK80
Dabei seit: 10.02.2015
Beiträge: 55
Ja, Sport wäre eine Idee, vor allem Kampfsport. Boxen, Judo, Karate, sowas. Da kommt er wenigstens mal mit anderen zusammen. Aber warum diese Minderwertigkeitsgefühle, wenn er doch gut in der Schule ist? Wird er vielleicht sogar gemobbt, hast du das was bemerkt? Ich hoffe ja nicht.

Junge Eltern aus dem schönen Harz in Mitteldeutschland!