«Glück» hat damit nichts zu tun

Moderatorin Hanna
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Blog der Mutter und Unternehmerin Nathalie Sassine vom 2. September 2015
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«Glück» hat damit nichts zu tun

Wieso ich es nicht mehr hören mag, dass ich mit meinem Mann soviel «Glück» habe.

Es passiert immer wieder. Ich treffe Menschen, die mich fragen, was ich tue, wer ich bin. Wenn ich ihnen meine Lebenssituation – also Mutter und Unternehmerin – schildere, fragen sie natürlich immer als Erstes: «Und die Kinder?». Wenn ich dann erwähne, ihr Vater mache Home Office und kümmere sich, höre ich sehr oft die Worte «hast du ein Glück mit deinem Mann!». Wieso? «Na, wenn du nicht da bist, hütet er die Kinder, bekocht sie und macht den Haushalt.» Ach so. Er macht «meine» Arbeit, meint ihr? Tut er nicht! Er macht SEINE Arbeit.

Schliesslich haben wir uns gemeinsam dazu entschlossen, Kinder zu haben UND grosszuziehen. Die Kinder sind nicht meine Baustelle und ich kann halt von Glück reden, dass er mir dabei hilft. Er wollte die Kids genauso wie ich und deshalb ist es für ihn auch selbstverständlich, sich um sie zu kümmern. Und um den damit verbundenen Haushalt. Genauso wie für mich. Ganz einfach.

Was mich an dieser Ausdrucksweise stört ist das Wort «Glück». Glück ist per Definition ein Zufall. Dass ich meinen Mann überhaupt je getroffen habe ist Glück. Unsere Ehe aber ist kein Zufall, kein 6-er im Lotto, sie ist eine bewusst getroffene Wahl. Für diesen Menschen, seinen Charakter und für dieses Leben.

Sonst würde das ja bedeuten, dass sich andere Frauen einfach mit ihrer «unglücklichen» Situation abfinden müssten, da sie ja offensichtlich keinen Einfluss darauf haben. Doch sie bezeichnet niemand als «Glück-los», bloss weil ihre Männer die Kinder als «Mami's Job» bezeichnen und wenig bis gar nichts zu Hause tun. Sie sind halt einfach Mütter. Die Väter sind die (angelernten) Hilfsarbeiter, die manchmal auch noch da sind.

Und für alle, die jetzt mit dem Argument kommen, die Mütter liessen Väter oft gar nicht erst helfen: Ja und? Dann müssen die Väter drum kämpfen, immer wieder! Es ist zu einfach zu sagen «sie lässt mich ja nicht». In anderen Gebieten geben die Väter ja auch nicht so schnell auf!

Ausserdem bin nicht ich es, die Glück hat, sondern meine Kinder. Denn die haben sich ihre Eltern nicht ausgesucht. (Ich bin sicher, mein Vorpubertierender wünscht sich manchmal andere...) Aber es sind UNSERE Kinder, nicht meine. Und als Eltern sind wir in der Tat überglücklich, sie zu haben!

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Den Blog findest du online auch unter
http://www.wireltern.ch/artikel/blog-glueck-hat-damit-nichts-zu-tun
KlaraM
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Wahre Worte. Mich nervte immer, wenn jemand fragte: "Isch din Ma am Babysitte?" Nein, Väter sind keine Babysitter für ihre eigenen Kinder, Väter sind Väter.
carola
Dabei seit: 07.01.2002
Beiträge: 643
wir haben als unsere tochter noch klein war über 6 jahre lang 60/50% gearbeitet, um uns möglichst beide gleichviel um sie und den haushalt kümmern zu können. wir waren die exoten mit dieser aufteilung. mein damaliger chef und seine frau fragten mich auch nach jahren immer wieder: "wer schaut denn jetzt auf die kleine? waaaaas? dein mann???? ja hat der das denn im griff???" die konnten das einfach kaum fassen. und für mich war es das normalste der welt, denn wir haben das gemeinsam so und nicht anders geplant und auch durchgezogen. für mich war das die bedingung überhaupt bei der kinderfrage - bei meinem mann habe ich damit aber sowieso offene türen eingerannt...
Blue64
Dabei seit: 20.08.2003
Beiträge: 1456
Unverständnis jenen gegenüber, die es - aus welchen Gründen auch immer - nicht so leben konnten/wollten/durften, zeigt von verdammt wenig Empathie!
Und Vätern, die ein Kind wollten und dann nicht sofort 50% reduzieren, zwischen den Zeilen zu unterstellen, sie würden sich nicht um den Nachwuchs kümmern, ist arrogant!

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 03.09.2015 um 06:33.]

Ich denke, also bin ich hier falsch !
goodie
Dabei seit: 12.11.2011
Beiträge: 3315
Wir haben auch das *klassische* Familienmodell gelebt, trotzdem war mein Mann auch 100% Vater. Da war gar keine Frage ob er auf die Kinder schaut oder ich. Wir haben uns gegenseitig abgesprochen, wann wer einen Termin hat, damit wir nicht gleichzeitig was abgemacht haben. So wie ich auch alleine in die Ferien bin (weil 14 Wo Schulferien vs.5 Wo Urlaub), hat er das auch ein paar mal gemacht.
Habe mich aber deswegen nicht betüpft gefühlt, denn nicht jeder kann Teilzeit arbeiten.

„Es gibt keinen Weg zum Frieden, denn Frieden ist der Weg."

Mahatma Gandhi
fraulein
Dabei seit: 26.10.2003
Beiträge: 1618
Dann streiche das "Glück" und setze "priviligierte Situation* dafür ein.

Man entscheidet sich sicher bewusst dafür, dass man gemeinsam Kinder hat. Man entscheidet sich dafür, wie man die Rollenverteilung lebt. Aber manchmal entscheiden die Berufe darüber, ob man überhaupt eine bestimmte Rollenverteilung leben KANN.

Und wenn man sein Leben strikt nach seinem Gusto gestalten kann, ja, dann hat man meiner Meinung nach durchaus auch etwas Glück.

Ich frage mich eher, wieso man sich so vehement gegen ein wenig "Glück gehabt" wehren muss.
nanny72
Dabei seit: 21.05.2006
Beiträge: 1057
ich denke, es hat schon etwas mit glück zu tun. vielleicht nicht, wenn es darum geht, das sich ein mann / vater der kinder, sich auch um kinder und haushalt kümmert, in eurem fall, sogar mehr als du als mutter. aber es hat mit glück in dem sinne zu tun, das ihr es so leben könnt. denn das ist nicht bei allen möglich. nicht jeder mann kann von zuhause aus arbeiten. nicht jeder mann kann Teilzeit arbeiten und/oder seine Arbeitszeit frei einteilen. und hat somit auch nicht immer die Möglichkeit, sich soviel um kinder und haushalt zu kümmern, wie es eigentlich wünschenswert währe.
und auch wenn jetzt vielleicht der gedanke kommt, dass der mann ganz zuhause bleiben kann und frau 100% arbeiten geht, auch dass ist nicht immer möglich


[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 04.09.2015 um 09:31.]
Scheri
Dabei seit: 22.12.2014
Beiträge: 399
Der Trend, dass viele Frauen während der ersten Hälfte der Familienphase beruflich aktiv bleiben wollen ist noch relativ jung. Was eine Frau um die 30 als das natürlichste und normalste empfindet, hat vielleicht eine Frau um die 50 noch ganz anders erlebt, da der Zeitgeist und die Situation einfach auch anders waren.

Grundsätzlich ist der Trend nur die folgerichtige Konsequenz aus dem jahrzehntealten Bedürfnis vieler Frauen, sich aus der Abhängigkeit vom Mann zu lösen.

Und ich sage es nochmals:
In einer so individualisierten Gesellschaft, in welcher wir heute leben, wünsche ich mir, dass jede Familie sich so einrichten kann, wie es passt.

Meine Partnerin ist die ersten 10 Jahre (bis die Jungs 5, 7 und 10 waren) unserer Familienzeit Zuhause geblieben. Sicher hatte das auch damit zu tun, dass sie sich bis dahin noch kein interassentes berufliches Fundament aufgebaut hatte, welches zu verlieren schade gewesen wäre.



[Dieser Beitrag wurde 2mal bearbeitet, zuletzt am 04.09.2015 um 13:30.]
KlaraM
Dabei seit: 01.03.2013
Beiträge: 1770
"nanny72" schrieb:

denn das ist nicht bei allen möglich. nicht jeder mann kann von zuhause aus arbeiten. nicht jeder mann kann Teilzeit arbeiten und/oder seine Arbeitszeit frei einteilen. und hat somit auch nicht immer die Möglichkeit, sich soviel um kinder und haushalt zu kümmern, wie es eigentlich wünschenswert währe.


Warum unterscheidest du in dieser Frage Männer von Frauen? Machen die Männer ihren Job irgendwie anders als Frauen?

Klar, es gibt vielleicht tatsächlich Berufe oder berufliche Situationen, wo es schwieriger ist, aber das gilt für Frauen wie für Männer. Hand aufs Herz: Viele Männer wollen einfach nicht. Wieviele haben sich denn wirklich konkret darum bemüht und entsprechende Gespräche geführt? Genau, viele winken einfach von vornherein ab. Und was machen Frauen, wenn sie ihr erstes Kind bekommen und auf Teilzeit wechseln? Genau, wenn es in der alten Firma nicht geht, suchen sie sich einen neuen Job, wo Teilzeit möglich ist. Männer könnten das auch.
Blue64
Dabei seit: 20.08.2003
Beiträge: 1456
Ich find's schlicht und ergreifend frech und grenzwertig, dass es Menschen gibt, die die Familienmodelle werten! Was geht es andere an, welches Familienmodell ich lebe und wer gibt denen das Recht, das auch noch zu werten???

Es hat jede Form, Familie zu leben, seine Vor- und Nachteile! Und es wäre schön, jedem ein wenig Respekt und Akzeptanz entgegen zu bringen!

Ich denke, also bin ich hier falsch !