«Glück» hat damit nichts zu tun

Blue64
Dabei seit: 20.08.2003
Beiträge: 1456
Ich finde den Anspruch des Mannes, Karriere machen zu wollen, legitim.
Ich finde den Anspruch der Frau, Karriere machen zu wollen, legitim.

Aber es ist naiv zu denken, Karriere und Kind gleichzeitig mit 100%igem Einsatz machen zu können.

Wer warum wie lange worauf verzichtet: das ist Arrangement der Paare.

Und wenn die Umstände so liegen, dass Karriere mit Teilzeit nicht möglich ist und es für beide nicht in Frage kommt, zurück zu stecken, dann stellt sich mir sowieso die Frage, ob diese beiden überhaupt Eltern werden sollten. Nicht jeder ist fürs Elternsein gemacht.

Ich denke, also bin ich hier falsch !
KlaraM
Dabei seit: 01.03.2013
Beiträge: 1770
@Dude/Blue

Ich bin grundsätzlich mit euch einig. Ich störe mich bloss daran, wenn es heisst: "Nicht alle Männer können Teilzeit arbeiten" oder ähnlich. Klar ist das so, aber auch nicht alle Frauen können. Viele Frauen tun es am Ende eben doch und sind bereit, die (beruflichen!) Nachteile von diesem Entscheid zu tragen. Das ist nämlich hauptsächlich eine Frage des Wollens und nicht des Könnens. Wahrscheinlich wollen die Frauen im Schnitt einfach mehr. icon_wink.gif

Damit meine ich nicht, dass es verwerflich ist, nicht auf die Karriere verzichten zu wollen (fairerweise aber dann egal ob Mutter oder Vater), aber man soll doch wenigstens ehrlich sein und sich nicht einfach hinter einem "Also in meinem Job geht das nicht" verstecken. Es gibt nicht nur den einen Job auf dieser Welt… It's all about priorities.

Das einzige echte Problem sehe ich darin, dass es in manchen Familien finanziell nicht reicht mit zwei Teilzeitpensen und sie daher lieber bei 1 x 100 Prozent bleiben. Da gibt es auch ein Rezept dagegen: Wir müssen unsere Töchter fördern und gegen Lohnungleichheiten kämpfen.
GabrielaA
Dabei seit: 18.10.2002
Beiträge: 5508
Blue hat es sehr schön formuliert.

Vor der Geburt machte mir mein Chef klar, dass er 1.enttäuscht von mir sei, dass ich schwanger sei, da er hoffte, ich bliebe einige Jahre in der Firma. Einen Teilzeitjob könnne ich eh vergessen.

Auch mein Mann hatte keinen toleranten AG. Unser Kind war 10 Monate alt, als ich wieder mit 40% im Beruf einsteigen konnte. Meine Mutter betreute unseren Sohn. Da ich immer wieder eine oder 2 ganze Woche7n am Stück arbeiten musste, wollte/sollte mein Mann frei nehmen, um auch einen bis 2 Tage das Kind zu betreuen. Jedesmal gab es Probleme in der Firma, da sie zu viel Arbeit hatten, damit er fern bleiben könne. Einmal rief sie sogar abends zu Hause bei uns an und bot an, das Kind ihrer Haushälterin zum Hüten zu bringen. Dies taten wir nicht. Kurz darauf fand er einen neue Stelle.

Wir beide machten oft den Spagat zwischen Familie und Beruf. War das Kind krank, und wir beide mussten arbeiten, kam die Frage, wer blieb zu Hause. Bei beiden gab es Schwierigkeiten, zu Hause zu bleiben. Ich musste oft noch kurz vor Feierabend Arbeiten erledigt haben. Ausgerechnet an solchen Tagen bat mich meine Mutter im voraus, den Kleinen rechtzeitig abzuholen, da sie selber auch einen Termin hatte.

Das zeigt eben, dass auch Glück ist, wenn beide eine Arbeit haben, wo sie teilzeit arbeiten können und auch einen Arbeitgeber haben, der einem frei gibt, wenn das Kind krank ist.

Ich habe übrigens nach der Geburt des 2.Kindes aufgehört zu arbeiten. Habe immer wieder kleine Jobs gehabt, wobei ich da nicht wirklich etwas verdient hatte und meine Kinder immer dabei haben konnte.

Die Zeit mit den Kindern habe ich sehr genossen. Gerade unser Zweitgeborener braucht/e viel Therapien.

Ein Arbeitskollege meines Mannes wollte übrigens vor einer Weile sein Pensum reduzieren, aus familiären Gründen. Wurde abgeleht. Entweder 100% oder kein Job. Tja, und leider stehen die AG auch nicht Schlange und wollen gleich jeden Familien Vater mit nur 50% anstellen.

Als die Kinder in den Kindergarten und Schule kamen, begann ich wieder zu arbeiten. Vorher machte ich nochmals eine Ausbildung und habe seit über 10 Jahren einen Job, wo ich auch mal das Kind mitnehmen konnte und 13 Wochen Ferien habe.

Für uns stimmt es so.
GabrielaA
Dabei seit: 18.10.2002
Beiträge: 5508
Zum Thema: Glück und Ehe: Jede Beziehung, jede Ehe, die auseinander geht, was haben die falsch gemacht, wenn es nicht einfach Glück ist, den/die richtige Partner/in gefunden zu haben?

Manche Leute sind sich gar nicht bewusst, was für ein Glück sie haben. Bestimmt kann man auch am Glück arbeiten. Gerade an einer Beziehung sollte immer gearbeitet werden, aber trotzdem ist es (leider) keine Garantie, dass es ewig hält.

Was ist, wenn der Mann nicht teilzeit berufstätig sein will? Egoismus, der falsche Mann? - wenn es ja nichts mit Glück zu tun hat?

Etwas anderes: Kürzlich traf ich ein Ehepaar, welche beide weit über 80 sind und immer noch top fit. Als ich mich mit ihnen unterhielt, kam für mich das Gefühl rüber, dass das wie selbstverständlich sei, alt und gesund zu sein. Quasi gesunde Lebensweise ermögliche dies. Auch das ist wieder einfach Glück. Gibt Menschen, die lebten immer gesund und starben mit gut 40 an Krebs. Es gibt Kinder, die kommen schon krank zur Welt oder werden in jungen Jahren krank. Schicksal?

Ich finde, ob Glück, Schicksal oder eigenes Verschulden, darüber könnte man philopsophieren.
Vilu
Dabei seit: 18.07.2002
Beiträge: 2006
Das sehe ich auch wie GabrielaA.
Es ist nicht selbstverständlich, dass wir jeden Morgen gesund aufstehen können. Der Mann meiner Cousine war gesund - eines Morgens ist er beim Aufstehen zusammengesackt, war komplett gelähmt. Er war lange in Nottwil, Reha usw. und kann heute wieder ein paar Schritte gehen. Sie wissen nicht genau, was die Lähmung hervorgerufen hat. Die ist ja nur ein Beispiel. Es kann so vieles passieren. Unfälle, Krankheit... Daher sollten wir wirklich dankbar sein, wenn es uns und unseren Liebsten gut geht. Vielleicht lernt man der erst richtig schätzen, wenn man schon um sein Leben oder das von Nahestehenden bangen musste.

Bös "eingefahren" ist mir letztes Jahr folgende Situation: Ich musste zur Physio und bin dabei am Gebäude eines ehemaligen Arbeitgebers vorbei. Da dachte ich mir so: "Wie geht es wohl x (eine ehemalige Arbeitskollegin)? Ich sollte wirklich wieder mal vorbeischauen." Im Wartezimmer der Physiopraxis habe ich die Zeitung aufgeschlagen und die Todesanzeige von x gesehen... Ich war geschockt und gleichzeitig habe ich bereut, sie nie mehr besucht oder angerufen zu haben.

Anders bei einer lieben Bekannten ("Ersatz-Grosi" seit Geburt), die im Altersheim war. Im Juli sind wir mit ihr Essen gegangen, sie hat sich riesig über ihren ersten "Abend-Ausgang", seit sie im Altersheim ist, gefreut. Und wir haben uns gefreut, dass sie immer noch so "fit" ist für ihre 88 Jahre. Haben schon über 90. Geburtstag geredet. Einige Tage später sind wir in die Ferien gefahren - und während dieser Woche ist sie gestorben. Ich bin so dankbar, haben wir noch diesen schönen Abend mit ihr erlebt. Daher, liebe Leute, nicht immer alles herausschieben. Das Glück kann sich nämlich ganz schnell verabschieden, auch wenn wir nicht damit rechnen, solange es uns gut geht.

Sorry, war jetzt etwas "off Topic" aber es ging mir gerade so durch den Kopf.

Leben und leben lassen
nanny72
Dabei seit: 21.05.2006
Beiträge: 1057
was mich wunder nimmt, wie hättest du (die Bloggerin) reagiert, wenn dein Partner gesagt hätte, das er weiterhin zu 100% auswärts arbeiten geht, wie bisher und nur in der Freizeit, zu den kindern schaut? wenn er nicht bereit gewesen währe, bei seiner arbeit etwas zu ändern, um mehr im haushalt und der kinderbetreuung mithelfen zu können? hättest du dich dann gegen kinder entschieden?
und was mich auch noch interessiert, was nicht so klar rüberkommt beim blogg, wieviel hast du reduziert, um für deine kinder dazusein? du wolltest die kinder auch, oder?