Leistungsdruck Schule/Lehre und Kinder als "Vorzeigeobjekt"

Blue64
Dabei seit: 20.08.2003
Beiträge: 1456
"second2" schrieb:


Aus unserer Erfahrung kann ich nur sagen, dass wenn ein Kind/Jugendlicher etwas wirklich will, dann ist er/sie zu seeeehr viel fähig.


Darauf zu vertrauen, das war meine schwerste Übung!!!icon_cool.gif

Aber es stimmt!

Ich denke, also bin ich hier falsch !
RenaW
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Dabei seit: 06.10.2005
Beiträge: 1792
second, ja stimmt schon. Ich muss da auch schauen, das ich meinen Kindern traue. Ich denke aber auch, das die Kinder sich eben selber ganz gut spüren, dass sie nicht noch hundert andere Sachen drauf packen können.
KlaraM
Dabei seit: 01.03.2013
Beiträge: 1770
Worum geht es hier genau? Gegenseitiges Schulterklopfen oder die Frage, ob und wieviel andere Eltern pushen?

Als pushend habe ich mich nie gesehen, aber eins ist in unserer Familie klar: Schule kommt zuerst und Schule ist wichtig. Die Nachricht ist unmissverständlich. Hobbys wählen sie selber aus. Beide haben eins gefunden, das ihnen seit rund 10 Jahren sehr viel Spass macht und in welches sie viel Zeit investieren. Einmal Sport, einmal Pfadi. Ich unterstütze beide und finde das toll. Pushen liegt mir fern, auch beim Sport, und trotzdem sind es 3-4 Trainings pro Woche plus manchmal Match-Wochenenden. Das ist aber nicht mein Ding, und Überredung oder Antrieb braucht's da gar nie.
Für die Schule manchmal schon. Da erwarte ich Einsatz (mit Mass) für die Schulstufe, die sie gewählt haben. Wenn etwas zuviel Einsatz erfordert, ist es die falsche Wahl. Neben dem Hauptjob Schule muss Zeit und Raum bleiben für Erholung/Hobbys.

Kinder als Vorzeigeobjekte? Zumindest müssen sie nichts beweisen, aber stolz bin ich schon, wenn sie etwas gut machen oder etwas erreichen. Ich denke aber, ich hätte wohl Mühe, wenn eins meiner Kinder ein schwacher Schüler wäre. Was sie später daraus machen, dass ihnen Lernen leicht fällt, wird sich noch zeigen.

Ausserdem glaube ich, dass wir unsere Kinder bewusst oder unbewusst in den Bereichen fördern, die uns wichtig sind, also entwickeln sie sich auch entsprechend. Und manchmal kommt eine kleine Überraschung dazu, ganz aus eigenem Antrieb.
RenaW
ThemenerstellerIn
Dabei seit: 06.10.2005
Beiträge: 1792
KlaraM, kannst Du Dir vorstellen, das es hier NICHT um virtuelle Schulterklopfer geht, dass ich das schon gar nicht nötig habe, sondern das mich das Thema tatsächlich beschäftigt?
Du schreibst selber von Dir, das Du Mühe hättest, wären Deine Kinder schlechte Schüler. Glaubst Du das merken Deine Kinder nicht? Das brauchst Du nicht mal so dirket auszusprechen, Kinder haben ein Gespür für solche Dinge.
Sei aber froh, das Deine Kinder "einfach so" gute Schüler sind, es bleibt Dir und vor allem den Kindern was erspart.

Auch meine Kinder wissen, das die Schule/Lehre priorität hat. Auch ich bin stolz, wenn was gut läuft. Nur müssen meine Kindern nicht meine verpassten Träume leben. Trotzdem, wenn ich sehe, wie Kinder in andern Familien gepusht werden oder als Vorzeigeobjekte herhalten müssen, dann frage ich mich eben schon, tue ich zuwenig für mein Kind. Müsste ich mich auch stundenlang mit den beiden hin setzten zum lernen, obschon ich weiss, wie sensibel beide reagieren bei zu viel Druck. Müsste ich ihre "Befindlichkeiten" ausser Acht lassen, nur damit sie doch noch ein Stücken besser sind in der (Berufs-)Schule?Oder läufte es bei uns doch ganz "normal" und pushen ist die Ausnahme?
KlaraM
Dabei seit: 01.03.2013
Beiträge: 1770
Pushen ist die Ausnahme. Die meisten Teenager lassen sich eh nicht mehr pushen. Die Frage ist natürlich, was du unter "Pushen" verstehst. Für mich ist klar, dass HA gemacht und Arbeiten pünktlich abgeliefert werden müssen.

Natürlich wissen meine Kinder, dass mir Schulleistungen wichtig sind, . Warum auch nicht? Sie sind mir ja wichtig. Aber ich will nur, dass sie sich einigermassen anstrengen bzw. es so weit im Griff haben, dass sie auf der sicheren Seite sind. Mehr als das verlange ich nicht. Mit meiner Tochter habe ich praktisch nie lernen müssen; sie hat das immer allein gepackt und macht das auch heute noch locker. In den Ferien z. Bsp. macht sie nie etwas für die Schule. Beim Sohn war das anders: Er brauchte in den ersten zwei Jahren Gymi Unterstützung, jetzt auch nicht mehr, aber eigentlich mehr organisatorische als fachliche. Ich bevorzuge die Variante, wenn ein "Kind" keine Unterstützung braucht, aber manchmal ist es eben anders und dann bin ich selbstverständlich bereit, diese zu geben. Ich spreche hier aber nicht von irgendwelchen Kämpfen und Krämpfen, sondern einfach von Unterstützung. In der Primar brauchten beide null Hilfe bzw. haben praktisch alles in der Schule erledigt.
Globi
Dabei seit: 30.07.2008
Beiträge: 2815
Was ist puschen???

Schon meiner Mutter kam es nicht in den Sinn, uns überall hin zu chauffieren. Ganz einfach, weil sie tagsüber kein Auto hatte. Alles musste mit OeV sein und bezahlbar! Wir wurden aber auch nicht gepuscht was die Schule betrifft. Wir durften mit schlechten Noten IMMER nach Hause kommen, ohne Aerger zu kriegen. Brauchten wir Hilfe, durften wir fragen, aber gepuscht wurden wir nicht.

Meine Kinder habe ich auch nicht überall hin chauffiert! Dazu bin ich schlicht und einfach zu faul icon_wink.gif Sie durften trotz Auto in der Garage nur Sachen machen, die für sie erreichbar waren. Dass dann die Musikstunde in die Nachbargemeine verlegt wurde, ist ein anderes Kapitel - zumindest hab ich jetzt 1 x in der Woche eine anständige Migros zur Verfügung.

Was aber die Schule anbelangt: Da hat schon vor der ersten Klasse meines Aelteren mein Bruder gemeint: "Gell, schaust schon mehr als unsere Eltern". Und ich habs auch anders gemacht. Statt einfach alles so zu nehmen wie es die Kinder grad machen, habe ich von anfang an halt Regeln gesetzt. Und es gab nicht die Diskusion, ob ein Dikatat geübet werden sollte oder nicht - es wurde geübt! Und Franz. oder Englischwörtli wurden abgefragt. Punkt!!! Und ich habe meine Kinder folgendes gesagt:

Für eine Prüfung nicht üben und eine schlechte Note haben ist dämlich! Für eine Prüfung üben und es geht einfach nicht ist pech. Aber dann hast du dein Bestes gegeben. Sie haben so von alleine gemerkt, dass lernen sich auszahlen kann.

Glaub jetzt aber nicht, dass ich Vorzeigekinder habe oder so. Aber sie haben wirklich zumindest schulisch das gemacht, was ging. Hobbymässig hätte sicher noch viel drin gelegen. Aber meine Kinder müssen ja nicht das machen, was ich als Kind nicht konnte oder wollte. Heute haben beide Hobbies und einen gesunden Tagesablauf. Und sie brauchen nicht nonstopp Action. icon_smile.gif Und bisher hat sich keine beklagt, es fehle etwas icon_biggrin.gif Unglücklich scheinen sie auch nicht zu sein.

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 13.11.2015 um 19:02.]
RenaW
ThemenerstellerIn
Dabei seit: 06.10.2005
Beiträge: 1792
Globi, meine Kinder müssen für die (Berufs-)Schule auch arbeiten, das gibts auch keine Diskussionen. Wobei ich zugeben muss, das meine jüngere Tochter diesbezüglich etwas schusslig und vergesslich ist. Nur wenn ich sie jeweils danach frage und sie vergisst einiges, dann muss sie auch nicht bei mir jammern kommen, wenn sie die Konsequenzen zu tragen hat in der Schule. Ich geb die Hoffnung aber noch nicht auf, dass sie es noch lernt etwas zuverlässiger zu arbeiten, (ich denke, der jetztige Klassenlehrer tut ihr grad gut).
Mit pushen meine ich Eltern, die von ihren Kindern grundsätzlich Noten über 5 erwarten, für tiefere Noten wird die Kriese geschoben, am liebsten müssen die Kinder noch in mehrern Hobbys top sein. Normalerweise versuche ich, mich da abzugrenzen, weil mir diese Art nicht liegt und mir wichtig ist, das meine Kinder zwar lernen, beziehungsweise das meine jüngere Tochter eben auch noch lernt zuverlässiger zu lernen, doch sollen sie sich noch wohl fühlen und nicht unter dem Leistungsstress fast zusammenbrechen. Trotzdem komme ich dann eben manchmal ins Grübeln, wenn ich so Geschichten höre, wie es bei gewissen Leuten laufen kann.

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 14.11.2015 um 06:51.]
KlaraM
Dabei seit: 01.03.2013
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@RenaW

Ich finde, du vermischst da zwei Dinge: Zu Leistungen pushen geht gar nicht, und ich denke, das ist auch die Ausnahme, weil es ja eh nicht funktioniert. Gerade aber in der Primar fällt es manchen Kindern so leicht, dass sie dauernd gute Noten machen ohne besondere Anstrengungen. Von Pushen kann da keine Rede sein.

Das andere ist die Organisation. Wenn du schreibst, deine Tochter sei "schusselig und vergesslich", dann bist du in meinen Augen ganz klar gefordert. Wenn sie das nicht selber kann, musst du ihr dabei helfen, Lernstrukturen zu erwerben. Wir sprechen hier nicht von Drill, sondern von Regelmässigkeit und Organisation. Nicht du sollst sie kontrollieren, sondern du sollst ihr dabei behilflich sein, sich selbst zu kontrollieren. Habe ich alles gemacht?

Noten können nicht verlangt werden. Zuverlässigkeit und ein gewisser Einsatz aber schon. Wenn dieser Einsatz regelmässig ist, trägt er Früchte und lässt immer genug Erholungszeit, sei es für Hobby oder draussen spielen oder gamen oder rumhängen. Und natürlich muss dafür Zeit sein, aber dort kommt oft erst dann ein Problem auf, wenn die Aufgabenstrukturen fehlen.

Und ja, das gehört durchaus zu den Elternpflichten, die Kinder dabei zu unterstützen. Einige Kinder brauchen diese Unterstützung nicht (umso besser, und dann soll man sie auch lassen), aber viele eben schon.

@Globi
Ich bin bei meinem Sohn recht oft Mami-Taxi, bei meiner Tochter praktisch nie. Das liegt einfach daran, dass das eine Hobby in der Nähe ist, das andere nicht. Von Pushen kann aber keine Rede sein: das Hobby meines Sohnes war weder meine Idee noch betreibe ich diesen Sport noch habe ich unerfüllte Träume in dieser Richtung oder irgendwas. Auch mein Mann nicht. Ich unterstütze ihn einfach in dem, was ihm wichtig ist, und freue mich für ihn, dass er etwas gefunden hat, was ihm offensichtlich solchen Spass macht. Selber hätte ich es mehr begrüsst, wenn er den Sport mässiger betrieben und daneben ein Instrument gelernt hätte. Wollte er aber nicht und es ist ja sein Hobby, nicht meins. Das Instrument erzwingen, das wäre für mich Pushen gewesen, nicht das Mami-Taxi.

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 14.11.2015 um 09:28.]
RenaW
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KlaraM, da magst Du recht haben mit dem Vermischen. Deshalb hab ich ja auch den Tread eröffnet, weil ich den Austausch gesucht habe, manchmal erreicht man eine andere Sicht der Dinge.
Ich find's einfach für mich manchmal anstrengend, wenn ich sehe, das in anderen Familien scheinbar mühelos (sehr-)gut läuft und bei uns happert es schon bei der Organisation. Ich sehe ja schon, das meine Mädels ihr Bestes geben und erwarte auch nicht mehr als das in ihren Möglichkeiten liegt. Es wär nur einfach einfacher wenn Grundsätzliches gemacht würde.
RenaW
ThemenerstellerIn
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Beiträge: 1792
KlaraM, da es bei uns ja bei schon bei der Organisation happert, obschon ich meine Kleine immer wieder nach den Hausaufgaben usw. frage, da frage ich mich dann eben schon, wie andere Eltern das hin bekommen, ihre Kinder so zu pushen für die Schule und Hobbys. Bei uns würden beide Mädchen ab einem gewissen Punkt auf Stur schalten.