Leistungsdruck Schule/Lehre und Kinder als "Vorzeigeobjekt"

KlaraM
Dabei seit: 01.03.2013
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Also erstens mal fällt es einfach nicht allen Kindern gleich leicht, sowohl die Leistung in der Schule als auch die Organisation. Das ist sicher der wichtigste Punkt.

Wenn es den Kindern aber nicht leicht fällt, sind in meinen Augen ganz klar die Eltern gefordert. Also eigentlich wie bei allen anderen Entwicklungsschritten: Die Eltern beobachten ihre Kinder und unterstützen sie dort, wo sie Hilfe brauchen. Weil die Schule wichtig ist, ist die Unterstützung dort auch ganz klar wichtig (wenn nötig). Das ist aber nicht pushen, das ist die nötige elterliche Unterstützung. Wenn du nämlich nicht hilfst bei der Organisation, wird der Stress bloss grösser!

Oft fällt es den Eltern aber auch nicht leicht, diese Unterstützung zu bieten. Irgendwoher haben die Kinder das ja.

Und zu euch. Wenn es so nicht ausreichend funktioniert, müsst ihr etwas ändern. Du kannst dazu auch mal Hilfe von aussen holen, die euch Tipps geben, wie ihr den Alltag nach der Schule besser strukturieren könnt. Ich spreche hier nicht von Drill in der Freizeit, sondern von klaren Strukturen: Wann und wie mache ich die Hausaufgaben, wie kontrolliere ich, ob alles gemacht ist, wie lange reserviere ich mir dafür? Wie lerne ich am besten Voci, wie teile ich mir die HA ein, damit es nicht an einem Tag plötzlich sehr viele sind? Usw. Von aussen lässt sich das nicht beurteilen, aber wenn du selbst das Gefühl hast, es funktioniert nicht zufriedenstellend, dann würde ich an deiner Stelle handeln und nach einer Lösung suchen.
RenaW
ThemenerstellerIn
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KlaraM, natürlich unterstütze ich meine Kinder beim lernen, ich helfe ihnen auch beim Tests lernen. Nur dazu muss ich erst einmal wissen, wenn meine Jüngste einen Test hat. Wenn ich sie schon nach den Hausaufgaben frage, gehört es für mich auch dazu, das sie mir sagt, dass sie den Test überhaupt hat. Es nützt ja nichts, wenn sie es "vergisst" und nach dem Test entäuscht nach Hause kommt. Ständig nachboren, wann sie in welchen Fächern einen Test hat, kommt bei ihr auch nicht gut an, ausserdem sollte sie in der 5 Klasse das im Griff haben mir das von sich aus zu sagen.
GabrielaA
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Es ist bestimmt auch so, wie KlaraM es beschreibt. Manche Kinder schütteln es quasi aus dem Ärmel, während andere stundenlang büffeln müssen.

Bei uns war es so, dass Sohn Nr. 1 immer ein mittelmässiger Schüler war. Er musste zu Hause nicht extrem viel lernen, aber auf Prüfungen etc. schon. In Mathe war es sehr gut, dafür in Sprache mehr Mühe. Er besuchte später die Sekundarschule (2.Niveau), wo er ebenfalls immer so zwischen 4.5 und 5 war. Nach der Schulzeit begann er eine Handwerker Lehre (EFZ). Am ersten Schultag wurde ein Eigungstest durchgeführt, nachdem die Lehrlinge in Leistungs- und normale Klasse aufgeteilt wurden. Er kam in die Leistungsklasse und schreibt fast immer Noten von 5 an aufwärts, mit wenigen Ausnahmen.

Lernen muss er nach eigenen Angaben nicht viel. Er gab sogar kürzlich zu, wenn er noch mehr lernen würde, hätte er wohl noch bessere Noten.

Sohn Nr. 2 war schon als Baby anders als sein Bruder. Schon bald merkten wir, dass er sich nicht standart gemäss entwickelte. Er besuchte den Sprachheilkindergarten, hatte bereits ab 3 Jahren Therapie/en; konnte nicht hier in der Regelschule eingeschult werden. Jetzt ist er 15 und hat den grössten Teil seiner Defizite aufgeholt. Er begreift recht schnell, wenn ihm etwas erklärt wird. Interessiert ihn ein Thema, entwickelt er einen enormen Wissens Durst und hat schon bald ein sehr gutes Fachwissen.

Wir sind oder waren mit einer Familie befreundet, wo das älteste Kind schon immer anders war. Leider war da vorallem der Vater der Meinung, dass mit Strenge viel mehr erreicht wird. So weigerte sich der Vater, dem Kind in der Schule HP-Unterstützung zu kommen zu lassen. so würde es bloss ausgegrenzt und ausgelacht. Nach einigen Jahren Schule mit stunden langen Lernen, vielen ungenügenden Noten, etc. musste es an eine Sonderschule wechseln. Nun steht die Berufswahl, Lehrstellen Suche vor der Türe. Auch hier findet der Vater, dass sein Kind problemlos eine EFZ Lehre absolvieren kann. Einzig die Berufsschule müsse zu Beginn informiert werden, dass das Kind nicht richtig lesen und schreiben könne, daher dürfe es nie schriftliche Aufgaben erhalten noch in einer Art schriftlich geprüft werden.

Es sei auch nicht nötig, vor Antritt der Lehre sich zu entscheiden, ob EBA oder EFZ. Bin ich anderer Meinung, so wird der Vater fast ausfallend und recht wütend. Somit meide ich möglichst mit ihm zu diskutieren - bzw. führe Diskussionen bloss mit der Mutter, wenn wir alleine sind.

Unser jüngerer Sohn wird vermutlich eine EBA Lehre machen. Lieber er fängt etwas weiter unten an, dafür schafft er den Abschluss. Er kann später immer nochmals 2 Jahre anhängen und einen EFZ Abschluss machen.

Was den Wettbewerb unter den Eltern angeht, finde ich es teilweise echt krass! Es beginnt doch schon im Baby Alter: "Was dein Kind kann noch nicht mal krabbeln, meines läuft schon längstens". Und viele andere solche Beispiele. Später das gleiche mit der Schule: Um mich herum hat es sehr viele Eltern (Mütter), die mir immer wieder von den sehr guten Noten ihres Kinder erzählten. Komischerweise mussten einige dieser Kinder später eine Klasse wiederholen oder in der OS das Niveau nach unten wechseln.

Ich muss niemandem etwas vormachen: Auch wenn unser jüngster Sohn in eine Sonderschule geht, das ist halt so. Ich muss mich deswegen nicht schämen.

Ob Kinder, die sehr viel für die Schule arbeiten müssen, so dass fast keine Freizeit mehr bleibt, ihren Eltern später dafür dankbar sind, dass sie z.B. das Gymnasium geschafft haben?


Globi
Dabei seit: 30.07.2008
Beiträge: 2815
RenaW

Tja, wenn das in der 5. noch nicht klappt wirds schwierig. Gibt einfach Kinder, die erzählen nicht alles. Keine Ahnung warum. Denke schon, dass das sehr mühsam sein kann.

Deine Tochter scheint noch nicht gemerkt zu haben, dass wenn sie lernt, es etwas bringt! Ob man sowas anziehen kann oder nicht, weiss ich nicht.

Ich selber habe halt ab der 1. Klasse immer nachgefragt was es an Aufgaben gab und ob eine Prüfung ansteht. Hätte ich bemerkt, dass Prüfungen sozusagen verschwiegen würden, hätte ich wohl wöchentlich das Aufgabenheft angeschaut.

Handelt es sich bei deiner Tochter um das erste Kind? Ich frage nur, weil bei mir das erste wirklich genau das gemacht habe, was ich sagte. Das zweite hat dann halt eben gesehen, dass es etwas bringt, wenn das Mami beim Lernen hilft und hat das so auch angenommen. Will mir nicht ausdenken wie es auch hätte sein können icon_smile.gif

Ich kann dich aber verstehen! Du würdest ja gerne helfen, bzw.mal abfragen, aber wenn der Nachwuchs partout das nicht annehmen will oder kann wirds wirklich mühsam.
KlaraM
Dabei seit: 01.03.2013
Beiträge: 1770
@GabiA

Zu den Vergleichen: Vielleicht sind Eltern (Mütter insbesondere) da auch einfach überempfindlich und empfinden Vergleiche, bei denen ihr eigenes Kind schlechter wegkommt, schnell mal als abwertend. Eigentlich vergleichst du deine zwei Jungs ja auch miteinander, z. Bsp. in deinem Post. Vergleiche sind doch normal und wir müssen die andern, die irgendwo besser sind, auch nicht abwerten, in dem wir ihnen gleich unterstellen, dass sie von Eltern gepusht werden o. ä.

Es gibt nun mal einfach Kinder, die schneller laufen, höher springen, schneller lernen, schöner formulieren als meine. Na und?
Schmetterling03
Dabei seit: 13.11.2003
Beiträge: 937
Genau!
Wenn sie etwas wirklich wollen, geht es!
Beispiel
Ich trainiere 2x die Woche u.a. 6. Klässler. Alle aus dem selben Ort, zwei verschiedene Schulhäuser. Aber selbe Themen, ähnlich viele Vorträge und Hausaufgaben.
Aus einer Klasse habe ich 7 Kinder und aus der andere 5. sicher jede 2. Woche habe ich Abmeldungen mit dem Grund "Schule". Zu viel zu lernen, zu viele Hausaufgaben usw.
Interessant jeweils, dass es die einen drum herum organisieren und die Hausaufgaben halt dann mal um 19:30 uhr machen und die anderen das nicht wollen/dürfen/können.
Unsere Tochter lässt nie ein Sport Training aus und auch wenn ich als Trainerin mal sage, du hast doch noch so vieles zu tun, lass es doch mal sein! Nein, Training ist ihr wichtiger und das schulische wird dann abends gemacht.
Schlussendlich muss es für sie stimmen. Meine Forderung ist halt einfach, sie muss es machen. Gewissenhaft.
Die (extrme!!!) Vergesslichkeit userer älteren Tochter liess mit etwa 13 stark nach und ist nun auf einem "akzeptablen" Stand. Sie brauchte aber lange und viele, viele "Leerblätze".

Versuche es Gelassen zu nehmen und vertrau auf die Kinder und auf das, was du ihnen bis anhin mitgegeben hast. Ich musste es auch lernen- es geht!

Schmetterling03
Dabei seit: 13.11.2003
Beiträge: 937
@Globi
Das Hausaufgabenheft wurde halt in der Schule vergessen oder die Hausaufgaben wurden nicht eingeschrieben. Obwohl der Lehrer es verlangt hätte.
Passierte hier bis sicher Ende 5. Klasse bei beiden Kindern.
Und ja, es ist sehr spät aber sie haben es auch noch gelernt.
Die Vergesslichkeit ist halt eine Eigenschaft (vor allem von der älteren) und daran kann sie ständig arbeiten.

Ich war immer der Meinung, dass man ab der 1.Klasse halt einfach nochmals ins Schulhaus geht und das vergessene Materiel holt. Schulhaus ganz nahe und nette Lehrpersonen, welche ohne was zu sagen die Türe öffnen und gut ist.
Nun hatten wir eine Tochter, die Ende 5. Klasse noch Heulkrämpfe und richtige panikanfälle bekam, wenn sie was vergass. Sie schaffte es auch Ende 5. Klasse nicht, alleine ins Schulhaus zu gehen und das Material zu holen. SIE stellte sich so sehr unter Druck, SIE war so wütend auf sich selber, dass sie "schon wieder versagt hat". Das war eine ganz schwere Zeit für uns alle. Weder wir Eltern noch die Lehrer hatten sie je "zusammengeschissen" deshalb, es war sie selber. Doch, das gibt es und wertet daher Eure Kinder nicht ab.

GabrielaA
Dabei seit: 18.10.2002
Beiträge: 5615
@KlaraM: Richtig, Vergleiche gehören dazu. Nur wie?
Wenn Mutter 1 Mutter 2 fragt: "Krabbelt dein Kind auch schon, mit 8 Monaten?" Mutter 2 antwortet: "Was, dein Kind krabbelt erst jetzt mit 8 Monaten? Meines zieht sich bereits an den Möbel hoch, läuft ein paar Schritte selbst, etc" empfindet ich das als abwertend.

Wenn hingegen Mutter 2 erklärt, ihr Kind krabble auch schon, es würde sich sogar bereits an Möbel hochziehen, kommt das viel weniger wertend rüber.

Ich habe dies selber jahrelang mit erlebt. Dabei war unser Erstgeborener ein Kind, das alles eher früh konnte (im Kleinkindalter).
Aus diesem Grunde mied ich eine Weile lang, Treffen oder Aktivitäten mit solchen Müttern.

Dafür ist er heute noch klein. Oftmals musste ich mir Sprüche anhören, was seine Körpergrösse angeht. Einmal kam eine Mutter von mehreren Kindern zu uns. Sie musterte unseren Sohn und sagte: "hej, du musst dich endlich beeilen mit Wachsen, sonst ist meine Jüngste bald grösser als du" (die Jüngste ist etliche Jahre jünger).

Darauf gab ich zurück: "Die Grösse ist nicht alles im Leben. Bei uns herrscht halt das Moto: Klein aber o ho."
Globi
Dabei seit: 30.07.2008
Beiträge: 2815
@Schmetterling

Da habt ihr aber Glück mit dem Schulhaus und der Lehrperson! Hier ist das absolut nicht willkommen. Etwas in der Schule holen geht höchstens, wenn man grad sofort bemerkt hat, dass z.B. die Mahti in der Schule blieb. Aber erst nach einer Stunde wäre sowas nicht möglich gewesen. Da war dann Improvistionsgabe gefragt icon_biggrin.gif Und ja, man wird kreativ icon_smile.gif
Chiquilla
Dabei seit: 24.11.2003
Beiträge: 158
Ich finde Sport, Pfadi, Musikstunden, etc. haben nichts mit Vorzeigekindern zu tun, sie sind ein wichtiger Ausgleich zum Schulalltag und es hilft Ihnen den Kopf zu lüften und den "Dampf" abzulassen auch ist es fürs Soziale gut. Was und wieso es die Anderen machen ist mir egal, einzig wichtig ist für uns, unsere Gründe zu wissen. Bereits als meine Kids kleiner waren, musste ich merken, dass multikulti Kindern höhere Massstäbe auferlegt bekommen und man viel schneller auf uns zeigt als sonst... egal was sie gerade wieder angestellt hatten. Zum Glück habe ich mich noch nie dem Diktat anderer unterworfen oder mich unterkriegen lassen.

Betreffend "Vorzeigeobjekt" verhält es sich doch wie mit allem im Leben... wir wären glücklicher, wenn wir uns nicht ständig mit dem was der Andere hat, macht, kann und wir nicht, vergleichen würden.

Die Kinder sind individuelle Geschöpfe, der Eine lernt einfach der Andere nicht, der Eine ist technisch begabt der Andere eher weniger, der Eine hat hohe Sozialkompetenzen und der Andere muss noch daran arbeiten.... ist handwerklich geschickt oder hat zwei linke Hände..... wo kämen wir hin wenn wir alle die gleichen Begabungen hätten? Logisch also dass solche Vergleiche hinken!! Ich bin überzeugt, dass jeder Mensch etwas ganz gut kann, eine spezielle Begabungen hat.

So ist das Wichtigste was ich versuche zu machen, meine Kinder zu bestärken, an sich zu glauben, ihr Selbstbewusstsein zu stärken, sie zu animieren, nicht klein beizugeben, wenn sie glauben Mathe oder Franz.... liege ihnen nicht... ich versuche sie beim Lernen zu unterstützen und helfe ihnen Strategien zu entwickeln. Ja es ist eine Herausforderung an uns Eltern, immer wieder neue Ideen und Strategien dafür zu finden icon_wink.gif Aber ich bin überzeugt, dass es sich lohnt denn ich habe auch erst in der Lehre gemerkt, dass ich mathematisch und auch sprachlich ziemlich begabt bin.... es ist darum nie zu spät.... nie sollen sie sich einfach mit etwas zufrieden geben, sie sollen lernen für das was sie wollen zu kämpfen auch wenn sie versuchen nach den Sternen zu greifen... das ist ja das Gute an unserem System, wenn man etwas wirklich will, kann man eigentlich alles erreichen......

Haben all eure Kollegen das Gymi und ein Studium abgeschlossen um Erfolg zu haben? Nein? Wieso machen wir uns das nicht tagtäglich klar…. und nehmen dies als Ansporn unser Kind in seinem individuellen Weg zu bestärken? Denn ob mit Gymi oder Sek A, B oder C, wird es einen wertvollen Teil an unsere Gesellschaft leisten und seinen Weg machen. Es ist schön wenn die Kinder spüren können, dass die Eltern ihnen etwas zutrauen und an sie glauben.


la SENCILLEZ es la forma de la verdadera GRANDEZA