Abstimmung Embryotest vor Implantation

Blue64
Dabei seit: 20.08.2003
Beiträge: 1456
GabrielaA, ich denke, es geht nicht um das "perfekte Baby", es geht darum, wenn eine erbliche Genmutation vorhanden ist, sollte es erlaubt sein zu überprüfen, ob diese weiterverebt wurde oder nicht!
Denn oft wissen eben diese Eltern bereits von den Altvorderen, was es heisst mit der einen oder anderen "Behinderung" auf die Welt gekommen zu sein und niemand von uns "Gesunden" hat meiner Meinung nach das Recht, Massstäbe zu setzen, was jemand auszuhalten hat und was nicht!

Ich denke, also bin ich hier falsch !
linlar*
Dabei seit: 01.11.2007
Beiträge: 982
Bei der Abstimmung geht es um eine Verfassungsänderung. Die geplante Verfassungsänderung sieht vor, dass neu so viele menschliche Eizellen ausserhalb des Körpers der Frau entwickelt werden, als für die medizinisch unterstützte Fortpflanzung notwendig sind. (vorher: nur soviele als ihr sofort eingepflanzt werden können).

Das bedeutet, dass anstatt wie bisher drei pro Behandlungszyklus, neu bis zu 12!! Embryonen entwickelt werden. Man merke: PRO Behandlungszyklus! (Meist gibt es derer mehrere). Das Tiefgefrieren von Embryonen ist heute verboten. Zukünftig soll dies erlaubt sein, und die überschüssigen Embryonen müssen nach 10 Jahren entweder aufgetaut, sprich vernichtet, oder von der Forschung "verbraucht" werden.

Die Bundesverfassung hält heute unmissverständlich fest: "Der Mensch ist vor Missbräuchen der Fortpflanzungsmedizin und der Gentechnologie geschützt" (Art.119 Abs.1) Mit der geplanten Verfassungsänderung gibt es jedoch keinen Embryonenschutz mehr. Es können theoretisch beliebig viele Embryonen erzeugt und für medizinische Zwecke missbraucht werden.

Dies stellt ein grosser Schritt hin zur schrankenlosen Reproduktionsmedizin dar, das zeigen auch die weitergehenden Forderungen, die bereits im Raum stehen, z.b. die Herstellung von Retterbabys, die Eizellspende, die Leihmutterschaft oder die Embryonenspende.

Wollen wir das alles wirklich? Also für mich ein GANZ BESTIMMTES N E I N!


Leben und leben lassen
Tapa
Dabei seit: 19.05.2015
Beiträge: 7
Als Mutter von einem Kind mit Trisomie21 weiss ich, dass kein Testergebniss das Glück und das innere Wachstum voraussagen kann. Ich finde es schade, dass sich die Gesellschaft der möglichen Bereicherung durch besondere Menschen verschliesst.
Blue64
Dabei seit: 20.08.2003
Beiträge: 1456
Tapa - Aber wer hat das Recht festzulegen, ob Eltern z.B. mit einer Erkrankung Trisomie 13 oder 18 klar kommen?

Ich ziehe den Hut vor all den Eltern, die es können, aber es fällt mir im Traum nicht ein, jene, die es nicht können, zu verurteilen!

... und Leihmutterschaft, Eizellenspende haben nicht wirklich was mit dem perfekten Baby zutun - eher mit den Umstand, dass zuviele Frauen sich sehnlichst ein Kind wünschen!

Und das Thema "Retterbaby" gehört für mein Empfinden garantiert nicht aks Thema in die Politik! Aber es sollte Eltern, die sich dafür entscheiden, nicht kriminalisieren!

Ich denke, also bin ich hier falsch !
robine1
Dabei seit: 23.08.2012
Beiträge: 225
"GabrielaA" schrieb:

@robine1: Du schreibst, dass kinderlose Paare schon genug durchmachen, die brauchen kein behindertes Kind. was ist denn, wenn eben dieses Kind doch nicht gesund ist? Wenn es ein Defizit hat, welches durch keine Tests ersichtlich war? Wenn es sich nicht richtig entwickelt?
Nie laufen, sprechen, sitzen, etc. kann?

Nein Gabriela.. das schreibe ich so nicht.. es geht weniger darum, ob und wie man mit einem behinderten Kind umgehen kann.. es geht vor allem darum, dass man nach zig missglückten Befruchtungen nicht noch unnötige Aborte erleidet... das ist für mich der Punkt..
Moderator Florian
Dabei seit: 11.05.2015
Beiträge: 67
«Alles tun, weil alles geht?»

In der letztjährigen Novemberausgabe des «wir eltern»-Hefts war unter diesem Titel ein ausführlicher Beitrag zum Thema Präimplantationsdiagnostik. Den Artikel findet ihr unter http://www.wireltern.ch/artikel/alles-tun-weil-alles-geht-1087
Moderator Florian
Dabei seit: 11.05.2015
Beiträge: 67
Grade nach Hause gekommen und in der heute erschienenen Annabelle einen Artikel zum Thema gefunden: http://www.annabelle.ch/leben/gesundheit/wunschkind-k%C3%BCnstliche-befruchtung-interview-barbara-bleisch-38228

KlaraM
Dabei seit: 01.03.2013
Beiträge: 1770
Bei bekannten Erbkrankheiten bin ich klar dafür. Sonst eher nicht.

Nehmen wir das Beispiel Hämophilie. Die Mutter ist Trägerin, vererbt von ihrem Vater. Die Chance, die Krankheit weiterzuvererben, liegt bei 50 %. Eine Tochter wäre nur Trägerin, aber der Sohn wäre krank. Wäre eine Implantation geplant, warum nicht einfach testen und ein gesundes Embryo einsetzen?
GabrielaA
Dabei seit: 18.10.2002
Beiträge: 5615
Es ist doch bei allem so: Leider wird immer wieder Missbrauch getrieben. Würden wir die Abstimmung annehmen, so KÖNNTE eben auch noch viel mehr damit gemacht werden, als nur eine Erbkrankheit ausgeschlossen werden.

Wo ist die Grenze? Das Gesetz sagt nicht, dass nur Erbrankheiten beispielsweise ausgetestet werden dürfen, deshalb bin ich immer noch von einem NEIN überzeugt.
Blue64
Dabei seit: 20.08.2003
Beiträge: 1456
Wer betreibt wann wo Missbrauch??

GabrielaA, die Präimplatationsdiagnostik ist in allen europäischen Ländern ausser Litauen und Schweiz erlaub, d.h. all' diese Länder betreiben Missbrauch?

Und weil z.B. 1 von 10 das Mögliche zu weit ausreizt, wird es unisono für alle verboten - das findest du gerecht?

Heute nützen die, die Geld haben, die Diagnostik eh schon: die fahren einfach ins benachbarte Ausland!






Ich denke, also bin ich hier falsch !