Einzelkind - oder die Frage nach dem 2?

linlar*
Dabei seit: 01.11.2007
Beiträge: 982
Wir haben 2 Kinder, zuerst ein Mädchen, 27 Monate später ein Junge. Obwohl sie jetzt bereits fast 13 und 10 1/2 J. alt sind, machen sie noch immer relativ viel zusammen, vor allem in den Ferien. Und gegen aussen halten sie zusammen, auch wenn sie oft streiten (hauptsächlich im Schulalltag, da lassen sie daheim "Dampf" ab). Als sie klein waren, haben sie wirklich immer zusammen gespielt. Ich denke auch wenn jetzt die Interessen immer mehr auseinandergehen, werden sie sicher später auch immer noch froh sein, einander zu haben.

Ich selber habe eine 15mt ältere Schwester, die als Kind immer mein Vorbild und meine beste Freundin war, und einen 8 J. jüngeren Bruder. Wir haben es immer noch gut zusammen, auch wenn wir uns zeitweise nicht mehr so oft sehen. Ich hätte mir nie vorstellen können ein Einzelkind zu sein, oder auch "nur" ein Kind zu haben, am liebsten hätte ich eine grosse Familie gehabt. Meine Kinder haben in letzter Zeit auch oft gesagt, sie hätten gern noch ein kleines Geschwister, sie konnten sich sogar auf ein Brüderchen einigen icon_wink.gif (Sie wissen zwar, dass es nicht möglich ist und ich habe jetzt mit 41 eigentlich auch abgeschlossen).

Ich kenne einige Familien mit Einzelkindern (geplant oder ungeplant), die meisten Einzelkinder wünschen sich zu irgendeinem Zeitpunkt Geschwister. Aber es ist halt auch oft situationsbedingt und sicher auch für viele die perfekte Lösung.

Wenn es von der Familiensituation her passt und die Bedingungen für ein zweites Kind stimmen, würde ich das Herz entscheiden lassen (danach muss es dann ja auch noch klappen icon_wink.gif) Wenn du nicht ganz sicher bist ob ja oder nein, wieso nicht einfach drauf ankommen lassen? Wahrscheinlich sogar die bessere Lösung als lange Vor- und Nachteile abzuwägen und dann schliesslich gezielt zu "üben"...?

Noch ein Nachtrag, ich habe deine Frage nochmals gelesen und du schreibst ja, dass du eher "contra" bist, da alles momentan für dich passt. Versuch doch mal dir vorzustellen, wie es evtl. in 2, 5, oder 10 Jahren aussieht (mit Einzelkind oder mit zwei)? Oder zu unterscheiden, ob eher nur dein Kopfgefühl nein sagt, oder auch dein Bauch/Herz?


[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 14.08.2013 um 15:17.]

Leben und leben lassen
Vilu
Dabei seit: 18.07.2002
Beiträge: 2027
Ich habe jetzt die anderen Antworten nicht gelesen, möchte kurz meine Erfahrungen schildern.
Wir haben uns bewusst für ein Einzelkind entschieden, wir hatten mehrere Gründe die zu diesem Entscheid führten.
Unser Sohn ist nun 12,5 Jahre alt und ich würde sagen, glückliches Einzelkind. Er vermisst kein Geschwister. Meine Meinung ist, dass die Kinder vor allem dann ein Geschwister vermissen, wenn die Eltern selber darunter leiden bzw. sich nach einem weiteren Kind sehnen. Ist es für die Eltern jedoch richtig, "nur" ein Kind zu haben, dann ist es auch für das Kind normal.
Unser Sohn hat das Glück, dass es im Quartier viele gleichaltrige Kinder hat. Er darf wenn immer möglich abmachen, auch Kinder auf Ausflüge mitnehmen. Zudem ist er sehr sozial und kann auf andere zugehen, das habe ich auch bei anderen Einzelkindern beobachtet. Sie müssen das ja auch, sonst sind sie oft allein.
Ich selber hatte einen 4,5 Jahre älteren Bruder. Wir haben fast nie zusammen gespielt. Auch jetzt haben wir Kontakt, aber eher distanziert. Gemeinsame Unternehmungen gibt es eigentlich auch nicht. Sicher ist es schön, einen Bruder zu haben, doch wenn ich etwas Wichtiges zu besprechen habe oder es mir schlecht geht, dann ist v.a. mein Mann für mich da. Vielleicht hatte ich auch daher nicht das Gefühl, ein Kind brauche unbedingt ein Geschwister.
Meine Devise lautet: Ein Kind soll man nur dann planen, wenn man es sich auch wirklich selber wünscht. Und nicht weil man das Gefühl hat, das Kind brauche ein Geschwister. Denn ob sich die beiden dann verstehen, weiss man eh nie. Und was wenn das 2. behindert ist und man für das 1. kaum mehr Zeit hat usw.? Höre also auf DEIN Herz, ob du noch ein Kind möchtest oder nicht. Du und dein Mann werden danach für dieses Kind viele Jahre verantwortlich sein, nicht das Geschwister.
Alles Gute so oder so!

Leben und leben lassen
KlaraM
Dabei seit: 01.03.2013
Beiträge: 1770
"Vilu" schrieb:


Meine Devise lautet: Ein Kind soll man nur dann planen, wenn man es sich auch wirklich selber wünscht.



Absolut, zu 100 %. Mir fehlt wohl einfach die Vorstellungskraft, warum man sich kein zweites Kind wünscht, wenn man sich ein erstes gewünscht hat. Dass Leute sich keine Kinder wünschen, kann ich nachvollziehen, aber sich nur ein Kind wünschen? Ich gehöre halt zur Kategorie "grundsätzlich Kinderwunsch" und dann überlegt man sich, was alles dagegen spricht, also der Bauch sagt ja, die Vernunft oder die Umstände manchmal nein. Aber ein Wunsch-Einzelkind?
nessi76
Dabei seit: 26.09.2007
Beiträge: 1075
KlaraM
auch wir hatten den wunsch für "nur" ein Kind. Ich kann Dir aber nicht genau sagen wieso icon_wink.gif Für uns war das von anfang an klar mit einem Kind und wir sind glücklich damit.
Wieso entscheidet man sich für 2 oder 3 oder noch mehr Kinder??? ich glaube das kann niemand so genau sagen.

Schlussendlich ist es doch am wichtigsten das jede Familie für sich das Richtige findet icon_biggrin.gif sonst wirds doch langweilig wenn es nur Einzelkindfamilien gibt oder nur solche mit 2 Kindern, oder?
KlaraM
Dabei seit: 01.03.2013
Beiträge: 1770
"nessi76" schrieb:

Schlussendlich ist es doch am wichtigsten das jede Familie für sich das Richtige findet icon_biggrin.gif sonst wirds doch langweilig wenn es nur Einzelkindfamilien gibt oder nur solche mit 2 Kindern, oder?


Genau!
KlaraM
Dabei seit: 01.03.2013
Beiträge: 1770
"nessi76" schrieb:


Wieso entscheidet man sich für 2 oder 3 oder noch mehr Kinder??? ich glaube das kann niemand so genau sagen.



Weil man das Glück bereits erlebt hat, das ein Kind in die Familie bringt, und dies gern weitere Male erleben würde. Weil man weiss, dass jedes weitere Kind dieses Glück steigert. Weil man vernarrt ist in sein Wunderkind und sich fragt, wie das nächste Wunder wohl wird - ähnlich oder ganz anders? Und wie beim ersten Kind: weil man sich liebt wie verrückt und sich nach gemeinsamen Kindern sehnt.
Irgendwann hört man dann auf mit Kinderkriegen, weil die Gegenargumente der Vernunft lauter werden, weil die Ressourcen schwinden, aber der Kinderwunsch, der ist eigentlich immer noch da, einfach leiser und mit den Jahren verschwindet er wohl ganz. Obwohl ich nie bereue, aufgehört zu haben, frage ich mich doch ab und zu, wie wohl ein weiteres Kind geworden wäre, wie wohl das Leben ausgesehen hätte mit einem Familienmitglied mehr. Ich bin sicher, die Familie wäre um ein Mitglied REICHER, was nicht bedeutet, dass wir jetzt arm wären. Die Aussicht auf Glück ist der Ursprung des Kinderwunsches.
Tatarina
ThemenerstellerIn
Dabei seit: 12.01.2013
Beiträge: 104
Danke euch allen für die guten Beiträge. KlaraM, das hast du sehr schön geschrieben, wirklich - nur muss ich irgendwie sagen, fühle mich so nicht betroffen; ich habe wirklich nicht das Verlangen, das Sehnen nach einer 2. SS, einem 2. Kind. Wie auch Nessi und Vilu schreiben, habe da auch verschiedene Gründe dafür. Die Würfel sind noch nicht endgültig gefallen, aber wie hier viele schreiben, habe ich nun schon verstanden, dass es nicht darum geht, unserem Sohn ein Geschwister zu "besorgen", es muss wirklich mehr dahinter stecken, und daran zweifle ich bei mir nach wie vor.
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Co-71
Dabei seit: 29.05.2012
Beiträge: 168
Wir sind auch eine glückliche und gewünschte Ein-Kind-Familie. Wir hatten eigentlich gar nie das Problem, das Leute das nicht verstanden oder nach einem zweiten "drängelten". Ich denke, das kommt daher, dass wir einfach absolut zufrieden sind und das auch ausstrahlen. Unsere Entscheidung ist für uns richtig, auch wenn ein weiteres Kind nicht falsch oder abgewiesen worden wäre. Auch unser Sohn ist ein glückliches und sehr soziales Kind, es kommt kaum jemandem in den Sinn, dass an uns dreien was fehlt.

Und ausserdem ist er jetzt schon 11 Jahre alt, da fragt eh keiner mehr nach dem zweiten, denn dass wäre ja dann wieder nicht Standard icon_smile.gif
Vilu
Dabei seit: 18.07.2002
Beiträge: 2027
@KlaraM
Wieso NICHT ein Wunsch-Einzelkind? Verstehe ich nicht. Ich kann doch mit EINEM Kind auch alle Phasen eines Kindes erleben, dazu brauche ich nicht 2 oder 3.
Mein Wunsch war es, das "Wunder" von Schwangerschaft und das Aufwachsen eines Kindes zu erleben. Obwohl bei uns das Risiko, ein Kind mit gesundheitlichen Problemen zu bekommen, beträchtlich erhöht war. Das Glück ein zweites Mal herauszufordern - dazu fehlte mir der Mut.

Anfangs sagten wir, 1 oder höchstens 2 Kinder. Als das erste gesund und munter auf der Welt war, war für mich schnell klar. Wir sind komplett. Auch heute habe ich dieses Gefühl noch. Unser Sohn möchte ausdrücklich keine Geschwister. Er hatte nie das Verlangen. Wahrscheinlich, weil es für uns so selbstverständlich war EIN Kind zu haben.

Dass es für das Einzelkind keine Vorteile hat, stimmt so nicht. Es hat alles Vor- und Nachteile. Ein Einzelkind muss kein kleines Geschwister zu seinen Kollegen mitschleppen, so wie es mein älterer Bruder jeweils musste... oh, wie hat er es gehasst, dass ich immer mit wollte zum Tschutten. Oder dass er am Sonntag mit mir in den Skikurs musste: 6 Uhr aufstehen, dann wurde ihm schlecht im Car und Skifahren hat er sowieso gehasst. Aber er musste, weil meine Eltern mich nicht alleine gehen lassen wollten. Er musste auf mich viel Rücksicht nehmen, gerade auch weil ich als Kind nicht gesund war und immer beaufsichtigt werden musste.

Wir kennen viele Familien, die haben Kinder mit total unterschiedlichen Interessen, eben so wie wir früher. Das eine liebt wandern, das andere hasst es. Oder das Jüngste ist zu klein für etwas, das Älteste hat schon keinen "Bock" mehr... Und die anderen müssen dann auch verzichten.
Zudem - auch wenns jetzt materialistisch ist - kann man sich mit einem Einzelkind vieles leisten, was mit mehreren nicht möglich wäre. Ich bin so ehrlich und sage: Ich geniesse das!

Unser Sohn kann auf Ausflüge einen Kollegen "nach Wunsch" mitnehmen anstatt eine kleine nervige Schwester - ist doch schön icon_wink.gif

Leben und leben lassen
KlaraM
Dabei seit: 01.03.2013
Beiträge: 1770
"Vilu" schrieb:


Er musste auf mich viel Rücksicht nehmen, gerade auch weil ich als Kind nicht gesund war und immer beaufsichtigt werden musste.
(...)
Und die anderen müssen dann auch verzichten.
Zudem - auch wenns jetzt materialistisch ist - kann man sich mit einem Einzelkind vieles leisten, was mit mehreren nicht möglich wäre. Ich bin so ehrlich und sage: Ich geniesse das!



Ich sehe es als Vorteil, wenn man als Kind lernt, Rücksicht zu nehmen oder zu verzichten, nicht als Nachteil. Genau das, was du aufzählst, ist der Egozentrismus, der sich fast automatisch einstellt.

Wie gesagt, natürlich kann ein Einzelkind genauso glücklich aufwachsen wie ein Kind mit Geschwistern und der Entscheid zu weiteren Kindern sollte sicher nicht auf diesem Gedanken entstehen. Ich wehre mich aber entschieden gegen die Behauptung, das Einzelkind-Dasein habe auch Vorteile für das Kind. Ich glaube eher, dass diese kurzfristigen Vorteile langfristig Nachteile sind.

Mein Vater ist krank. Das ist einer der Momente, wo ich sehr froh bin, habe ich Geschwister. Geschwister, Tanten, Onkel, Cousins und Cousinen sind eine Konstante im Leben, ob jetzt viel Kontakt oder streckenweise weniger, sie bleiben immer das, was sie sind und irgendwie sind sie immer da, wie ein Gerüst. Freundschaften können das auch, machen sie aber nur in Einzelfällen. Oft kommen sie und gehen sie mit den Lebensabschnitten oder den Berufs- und Wohnortswechseln. Die Verwandtschaft jedoch bildet eine Konstante, die man auch nicht so einfach aufkündet, wenn man mal sauer ist, sondern mit der man sich auseinander setzt. Ausnahmen bestätigen die Regel in allen Beispielen. Ist es sehr unerfreulich, kann man den Kontakt zum Geschwister später auch abbrechen. Hat man keins, hat man auch keine Wahl. Ich kenne auch viele mit sehr engen Geschwisterbindungen. Ich hoffe sehr, dass sich meine Kinder auch dereinst durch ein ganzes Leben begleiten. Die Geschwisterbeziehung ist die längste Beziehung überhaupt.