Jobsuche mit Kind als Akademikerin

KlaraM
Dabei seit: 01.03.2013
Beiträge: 1770
Schade, dass die meisten Beiträge komplett am Thema vorbei zielen.
Es geht für einmal nicht um Familienmodelle oder Vereinbarkeit von Beruf und Familie, sondern um die tatsächliche Diskriminierung von Eltern im Arbeitsmarkt. Insbesondere von Müttern. Die Erwartung, dass Frauen, wenn sie denn mal Mütter sind, nicht mehr gleich leistungs- und belastungsfähig sind, führt oft auch zu Frauendiskriminierung, zum Beispiel bei der Einstellung oder der Zuteilung von höher qualifizierten Aufgaben (Beförderungen etc.). Also nicht nur während der Mutterschaft, sondern oft schon in jungen Jahren in der Annahme, dass die junge Arbeitnehmerin vielleicht bald schwanger werde. icon_frown.gif Ich denke, eine grosse Zahl von Diskriminierung in Zusammenhang mit dem Geschlecht passiert heute in der Form von Diskriminierung von Müttern oder werdenden Müttern.

Die eine Frage ist, wie man diese beschränkten Möglichkeiten selber erlebt hat und wie man damit umgeht (wie bei Kaye). Die andere, wie die Gesellschaft dagegen ankommt.

Selber habe ich keine Diskriminierung aufgrund von Elternschaft erlebt, weil ich während vieler Jahre zu Hause blieb und erst zu einem Zeitpunkt wieder einstieg, als meine Kinder so gross waren, dass kein Arbeitgeber sie mehr als "Tolgen im Lebenslauf" beziehungsweise als leistungsmindernden Faktor anschaut. Im Gegenteil, in meinem Beruf ist es eher ein Plus, eigene Kinder zu haben. Die Wahl bezüglich Familienmodell, die wir getroffen haben, war eine freie Wahl, die aber natürlich auch von gesellschaftlichen Normen geprägt ist. Das ist aber nicht dasselbe wie eine Diskriminierung in der Arbeitswelt. Natürlich könnte man sagen, dass die fehlende Betreuungsstruktur mich dazu zwang oder die Erwartung, dass wenn mein Mann ins Ausland versetzt wird, seine liebe Frau sofort bereit ist, mitzuziehen und seine berufliche Laufbahn zu unterstützen. Also auch fehlende Möglichkeiten oder Erwartungshaltungen als Form der Diskriminierung. Ich habe dies aber nicht so empfunden und sehe dies deshalb in meinem Fall nicht als Diskriminierung.
Nuvole
Dabei seit: 02.06.2007
Beiträge: 1730
Selber bin ich nie ganz ausgestiegen, arbeite aber bis heute "nur" mit reduziertem Pensum. Mein Mann und ich haben zusammen nie mehr als 120 % gearbeitet. Na gut, Überstunden nicht eingerechnet. icon_smile.gif

Vielleicht bin ich da typisch: mir ist Arbeitsqualität wichtiger als Karriere. Dass es bei uns im Team sehr gut läuft und ich für mein reduziertes Pensum viel Verantwortung übernehmen kann, ist mir wichtiger, als den nächsten Schritt zu tun.

Dafür kann ich mich neben dem eigentlichen Beruf in verschiedenen Bereichen engagieren. U. a. überlege ich mir die Übernahme eines politischen Amtes.

Daneben bin ich noch in der Ausbildung tätig und da begegnen mir reihenweise Wiedereinsteigerinnen, die froh sind, endlich wieder etwas gefunden zu haben und dabei alles schlucken. Und dann mit der Zeit merken, dass sie lohnmässig ziemlich schäbig eingestuft worden sind. Das sind für mich die wahren "Tolggen"!
KlaraM
Dabei seit: 01.03.2013
Beiträge: 1770
@Nuvole

Da stimme ich dir zu: Längere Unterbrüche in der beruflichen Laufbahn aufgrund von Mutterschaft gelten bestimmt als Tolggen im Lebenslauf. Und bevor jetzt alle an die Decke springen: Gemeint ist (wie im Artikel) der Lebenslauf, mit dem man sich bewirbt.
Mit wenigen Ausnahmen, zu denen mein Beruf zum Glück gehört. Allerdings gehöre ich auch nicht zu den hoch qualifizierten Arbeitnehmern, trotz Studium.

Ich denke, gerade bei Hochqualifizierten ist der Berufsweg lang und ein gewisser Fahrplan oft vorgegeben, wie Kaye das beschrieben hat. Mutterschaft, geplante Mutterschaft oder im schlimmsten Fall nur schon die Tatsache, dass man eine junge Frau ist und eine Mutterschaft möglich wäre, können da zum Handicap werden.
Honimaloni
Dabei seit: 02.11.2016
Beiträge: 1
Der Artikel hat mich einmal mehr aufgewühlt und aber auch gestärkt in meinem Empfinden.

Als Mutter von einer einjährigen Tochter suche ich nun schon seit Monaten nach einem Job. Und um es gleich zu klären: Ich hatte in der Position als Projektleiterin einen befristeten Vertrag. Das Projekt endete während meines Mutterschaftsurlaubs.

Seit einem halben Jahr bin ich auf Jobsuche und kann bald ein Lied davon singen was für merkwürdige Fragen man als Mami bei einem Vorstellungsgespräch gestellt bekommt.
Und leider sind es oftmals Frauen, auch Mütter, welche die seltsamsten Fragen stellen. Die Solidarität unter Frauen in der Geschäftswelt lässt auch bei Vorstellungsgesprächen sehr zu wünschen übrig.

Ich bin 32 Jahre alt und habe in meinem Fach viel Erfahrungen sammlen können und würde weiterhin gerne auf meinem Beruf arbeiten. Ich bin noch nicht bereit, "irgendetwas" zu arbeiten damit ich beschäftigt bin. Ich möchte gerne noch ein wenig gefordert werden, etwas lernen und an meine Grenzen stossen können...
hamaya
Dabei seit: 23.10.2014
Beiträge: 22
"Honimaloni" schrieb:

Seit einem halben Jahr bin ich auf Jobsuche und kann bald ein Lied davon singen was für merkwürdige Fragen man als Mami bei einem Vorstellungsgespräch gestellt bekommt.
Und leider sind es oftmals Frauen, auch Mütter, welche die seltsamsten Fragen stellen. Die Solidarität unter Frauen in der Geschäftswelt lässt auch bei Vorstellungsgesprächen sehr zu wünschen übrig.


Das ist wahr. Ich kenne ein Anwältin für Arbeitsrecht und die erzählt auch Sachen von Personalerinnen......da muss man sich schon oft an dem Kopf fassen.

Viel Glück dir noch!