Und plötzlich war er da - wie aus dem Nichts - der intensive Wunsch nach Kind Nr. 3

mom-of-two
ThemenerstellerIn
Dabei seit: 25.09.2018
Beiträge: 1
Hallo zusammen

Zum ersten Mal kann ich mich in der realen Welt mit praktisch niemandem zu einem bestimmten Thema austauschen, daher erstelle ich nun zum allerersten Mal einen Beitrag in einem Forum (gelesen habe ich schon einige - insbesondere in der ersten Schwangerschaft icon_wink.gif).

Mein Mann und ich (37J.) sind seit fast 13 Jahren zusammen und haben zwei wundervolle Töchter (4J. und 2J.). Ursprünglich wollten wir beide mal drei Kinder, mein Mann ist dann aber nach Nr. 1 schon rasant zurück gerudert, da er es unglaublich anstrengend findet (obwohl ich mich hauptsächlich um die Kinder kümmere - auch am Wochenende und er fast täglich "Zeit für sich" hat – ich kann es nicht so ganz nachvollziehen, aber ich bin ja schliesslich auch kein Mann 😉icon_wink.gif. Für ihn war/ist icon_cry.gif klar, zwei sind mehr als genug, nie und nimmer gibt's ein drittes.

Gleich nach der Geburt von Nr. 2 konnte ich mich mit dem Gedanken an "nur" zwei Kinder gar nicht anfreunden und ich dachte mir, er ändert seine Meinung dann schon noch (Wunschdenken par excellence icon_redface.gif). Aber nach ein paar Monaten (unsere "grosse" war ja damals auch noch ziemlich klein und hat uns das erste Jahr echt nicht einfach gemacht) ging ich mit meinem Mann einig: zwei sind genug. Und das obwohl ich den Wechsel von 1 auf 2 tatsächlich nicht annähernd so anstrengend fand wie den von 0 auf 1 (hat mich selbst auch sehr überrascht, aber das ging eigentlich ganz flott und wir waren wieder im Tramp). Das Schwangersein fand ich persönlich jetzt nicht sooooo toll muss ich ganz ehrlich gestehen und ich hatte leider auch zwei Mal komplette Horror-Geburten - das muss ich niieeee mehr haben - dachte ich. Hach und wieder mal ein ganz klein wenig Zeit für mich wär doch auch ganz toll - dachte ich. Ooooh, nur noch ein, zwei, vielleicht drei Jahre und dann kann ich wieder nächtelang durchschlafen, suuuuper - dachte ich. Im Job (ich arbeite 50%) läufts gerade toll und die Kinderbetreuung durch meine Mutter (mit gaaaanz wenig Hilfe von meinem Vater) ist ein wahrer Segen - das gebe ich doch nicht auf, dachte ich (meine Mutter hat sehr deutlich gemacht, dass sie sich nicht um ein drittes Kind auch noch kümmern wird). Mein Mann hat schon Recht (alles spricht gegen ein weiteres Kind, wir sollten das Schicksal nicht herausfordern, wir haben zwei gesunde Mädchen, was will man mehr? Ich bin schon 37 und somit eine Risikoschwangere, Kinder rauben einem die Freizeit, manchmal auch den letzten Nerv und ausserdem sind da ja auch noch die Finanzen, Kinder kosten viiiiel Geld und nicht zu vergessen, wer mehr als zwei Kinder bekommt ist spinnt doch sowieso irgendwie). Ausserdem läuft gerade alles toll, wir sind in einer totalen Komfortzone angelangt, ist doch spitze - dachte ich. Aber vor dieser Komfortzone gab es auch einige Momente in denen ich dachte: OMG die Energiereserven sind auch nicht mehr das was sie mal waren. Ein weiteres Kind wäre wirklich zu viel und dann nochmals ganz von vorne anfangen - wir reden hier von Jaaaahren icon_rolleyes.gif – nieee wieder dachte ich. Merk es Dir, falls wider Erwarten zu einem späteren Zeitpunkt doch wieder ein Kinderwunsch aufkommen sollte – merk es Dir ganz gut, Du willst das nicht mehr, Du hast damit abgeschlossen - dachte ich – gaaaaanz gut einprägen wollte ich mir das!banghead.gif

Und dann, ganz unverhofft kam er - BAM wie eine Ohrfeige - der Wunsch nach Nr. 3. icon_eek.gif Das hat mich selbst völlig überrascht - ich hatte mit dem Kinderkriegen abgeschlossen - EHRLICH. Ich habe das auch überall so kommuniziert und alle waren froh, dass ich nun selbst auch zu der einzig wahren Einsicht gekommen bin, dass zwei Kinder genug sind und alles andere völlig unverantwortlich wäre (obwohl unsere Wohnung gross genug wäre, wir es finanziell wohl meistern würden, wir ja eh schon praktisch alles haben und nur wenig neu anschaffen müssten - ok das liebe Auto, das auch von meinem Mann gerne als zusätzliches Gegenargument angebracht wird, müssten wir natürlich wechseln, aber mal im Ernst, ist das echt ein legitimes Argument gegen ein Kind????).
Nun gut, ich war also einsichtig, aber nicht nur das, ich denke ich war tatsächlich auch davon überzeugt und dann.... Ja, dann feierte unsere kleine Maus ihren zweiten Geburtstag und ich hatte das Gefühl es war gestern, als wir aus dem Spital entlassen wurden. icon_rolleyes.gif (Wie? Was? Wo? Ich? Nein… Nein! Auf gar keinen Fall! Nicht mit mir! Oder doch? Was wäre denn so schlimm daran? Eigentlich nichts…. Hmmm…. Doch, könnte ich mir eigentlich ganz gut vorstellen. Ja, das wäre machbar und nicht nur das es wäre toll, super toll, das Beste überhaupt. Oh doch, ich hab’s mir anders überlegt: ich will! Und wie ich will! Wie konnte ich nur jemals nicht mehr wollen? Das wird super, ich kann diesmal ganz bewusst schwanger sein (das letzte Mal ist das irgendwie völlig an mir vorbeigerauscht – da dachte ich ja noch nicht daran, dass es das letzte Mal sein könnte), die grosse ist ja dann schon im Kindergarten und die Kleine kommt in die Spielgruppe, ich habe locker Kapazität und ausserdem geht ja alles soooo wahnsinnig schnell vorbei – auch allfällige Einschränkungen etc.). Plötzlich fand ich es gar nicht mehr so komplett unverantwortlich... Immer wieder kreisten meine Gedanken fortan um das Thema und nach und nach wichen ALLE Bedenken. Alles was ich zuvor als unüberbrückbare Hindernisse betrachtet habe, fand ich plötzlich gar nicht mehr so schlimm und konnte mir gar nicht mehr vorstellen, warum mir vor nicht allzu langer Zeit alle Gegenargumente so plausibel erschienen. Klar, wir müssten uns wieder ganz neu organisieren, sicher auch Einbussen in Kauf nehmen, aber ist es das nicht allemal wert?

Nun gut, ein kleiner Hoffnungsschimmer blieb: vielleicht gibt sich das Ganze wieder und ich kann irgendwie wieder zu der vorherigen Einsicht gelangen... Nur wie??? icon_eek.gif

Mittlerweile wünsche ich mir - und ich kann das immer noch nicht glauben - tatsächlich nichts mehr als ein weiteres Kind. Ich wollt ja eigentlich schon immer drei, habe ich mir meine tolle Einsicht vielleicht nur eingeredet? Wie kann ich nur meinen Mann davon überzeugen (und ja ich weiss, man sollte ihn nicht überzeugen wollen/müssen, aber das ist mir mittlerweile eeeegal)? Oder noch besser wie schaffe ich es, dass er das Gefühl hat er sei selbst auf die tolle Idee gekommen? icon_wink.gif Es ist wirklich zum Heulen, dass ich mir von anderen vorschreiben lassen muss, wie viele Kinder für mich vernünftig sind icon_evil.gif. Mein Mann hat Angst um seine Freizeit und die Finanzen (wollen wir den Standard 1 : 1 so beibehalten, sind wir auf mein Gehalt angewiesen), meine Schwiegereltern wissen sowieso immer alles am Besten (obwohl sie sich NULL engagieren und selbst übrigens unvernünftigerweise auch drei Kinder haben banghead.gif) und meine Mutter möchte endlich ihr wohlverdientes Rentnerdasein geniessen (das verstehe ich voll und ganz, da will ich auch nicht im geringsten im Weg stehen, es gibt ja auch noch Kitas etc, gar kein Thema, meine Mami ist die allerbeste als Mami und als Grossmami und sie ist die grösste Hilfe überhaupt und macht das sooooo wunderbar, da geht mir immer wieder total das Herz auficon_biggrin.gif). Also für meinen lieben Göttergatten würde sich ja nicht sooooo viel ändern - wenn wir mal ganz ehrlich sind und was es meine Schwiegereltern kümmert ist mir auch schleierhaft. Nun ja, eigentlich finde ich - zugegebenermassen vielleicht nicht sehr objektiv - ICH müsste hier am meisten Entscheidungsgewalt haben.

Also, ich bin offen für jegliche Tipps, wie ich meinem lieben Mann meinen grossen Herzenswunsch begreiflich machen kann icon_smile.gif(Kommunikation ist nicht so unsere Stärke muss ich eingestehen). Vielleicht vergeht ja mein Kinderwunsch auch wieder....? Bis jetzt fühlt es sich noch nicht so an, aber wer weiss. Vielleicht sind das meine Hormone? Die biologische Uhr (die doofe)? icon_rolleyes.gifVielleicht ist das so ein evolutionstechnischer Urinstinkt (sich vermehren wollen), dem man heutzutage gar nicht mehr in dem Ausmass nachgeben muss?

Im Moment bin ich auf alle Fälle total im Dilemma – wie konnte es nur soweit kommen? Teilweise bin ich den Tränen nahe, wenn ich nur schon daran denke. Also irgendwie muss das hormonell gesteuert sein, alles andere macht gar keinen Sinn.

Ja jetzt...., bin ich am Ende meiner schier endlosen Ausführungen (Entschuldigungicon_redface.gif) und meines Lateins sowieso. Tut auf alle Fälle gut, sich das mal alles von der Seele zu schreiben. icon_wink.gif

VIELEN DANK für Eure Geduld und eventuell Tipps icon_smile.gif
nanny72
Dabei seit: 21.05.2006
Beiträge: 945
Bevor ich Kinder hatte, dachte ich, das ich 4-5 Kinder möchte. Wollte auf keinen fall ein einzelkind. Nach dem zweiten habe ich mir dann aber keine gedanken darüber gemacht, ob und wann das dritte, da die beiden andern doch ziehmlich anstrengend waren. Bis ich dann ungeplant schwangr wurde.
Kurz nach der geburt des dritten, wusste ich nicht, ob ich irgendwann noch eines will oder nicht.
Dann kahm eine fahse, wo ich mir sicher war, das ich auf keinen fall, weitere Kinder möchte, (wo ich gedacht habe, es währe besser, keine Kinder zu haben, in der heutigen Zeit)
Und dan plötzlich bäm, war der wunsch nach einem 4 da.
Habe mich dagegen entschieden, zum einen wollte mein (ex)mann kein weiteres, zum anderen, hat auch sonst vieles dagegen gesprochen
Es muss im ende für Dich / Euch stimmen
kate71
Dabei seit: 07.08.2012
Beiträge: 236
Ou, das hätten vor etwa 14 Jahren genau meine Worte sein können!

Wir hatten viel darüber geredet und irgendwann beschlossen, es ein halbes Jahr zu versuchen und schauen was passiert...
wenn ja, freuen wir uns, wenn nein, wäre uns der Abstand aufs Zweite zu gross geworden und wir auch nicht jünger. Dann wär das auch ok gewesen.


Unser Jüngster und Dritter ist unterdessen 12 Jahre alt und das Trio hat sich bestens bewährt...
aber wenn mein Mann nicht mitgezogen hätte, hätte ich mir wohl eher einen Hund zugetan icon_lol.gif

Du wirst um Kommunikation nicht darum herum kommen... auch um Abschied von deinem Wunsch zu nehmen oder vielleicht auch zu merken, dass es gut so ist, wie es ist oder um deinem Mann die Perspektive aufzuzeigen und und und...

Alles Liebe
C
fraulein
Dabei seit: 26.10.2003
Beiträge: 1572
Hallo mom-of-two

Der Auslöser war wohl die Feststellung, dass deine Kleinere nun eben nicht mehr so klein ist. Auch in einer Kita sind sie mit zwei nicht mehr in der Babygruppe und so musst du von einer bestimmten Phase Abschied nehmen. Ich denke, das ist dir hier (un)bewusst ins Gesicht gesprungen.

Du erlebst nun, wie die Ratio alles ins vernünftige Licht rückt und das Emotionale locker dagegen halten kann. Wenn es eben nur um dich gehen würde.

Die Entscheidung für oder gegen ein Kind kann im Idealfall von beiden Partnern gleich getragen werden. Oft ist der Wunsch beim einen stärker als beim anderen. Wer ist nun das Zünglein an der Waage? Wer trifft die Entscheidung?

Die kann euch keiner abnehmen. Denkst du, du kannst deinen Mann PRO überzeugen, wo du doch jetzt auch der Meinung bist, du kannst nicht CONTRA überzeugt werden? Kaum.

Beleuchte doch deine Gedanken mal von dem Aspekt des Abschied-Nehmens. Von einem Wunsch, von einer biologischen Uhr, von einer bestimmten Zeit (Babyzeit der Kinder) und sei dir bewusst, dass egal, ob man 1 oder 5 Kinder hat: es gibt immer Zeiten, wo man eine Phase hinter sich lässt, Abschied nimmt und dafür eine neue beginnt. Spielgruppe, Kindergarten, Schule, Oberstufe, Lehre, Auszug.......

Alles Gute für deinen Weg.
Scheri
Dabei seit: 22.12.2014
Beiträge: 396
Die Thematik des Abschieds, welche fraulein beschreibt, gefällt mir grundsätzlich sehr.
Ich persönlich spreche eher von Phasen. Ich lebe mein Leben in verschiedenen Phasen. Aktuell ist es das Leben mit drei jugendlichen Söhnen und meiner Partnerin (ihrer Mutter). Die Söhne orientieren sich immer mehr nach "aussen" und bereiten sich bewusst und unbewusst auf ihr eigenständiges Leben vor. Das gibt mir und auch meiner Partnerin viel Raum, um eigenen Bedürfnissen nachzugehen und sich auch schon mit der Frage auseinander zu setzen, wie wir denn die darauffolgende Phase gestalten möchte.
Ein weiterer Vorteil finde ich bei der Orientierung an Phasen, dass ich die Prioritäten, welche den entsprechenden Phasen zugute kommen besser setzen und danach leben kann, da ich zum Beispiel in der Kleinkinderphase so nicht das Gefühl haben musste, "draussen" etwas zu verpassen.

Aber jetzt zum Hauptthema:
Nicht dass meine Aussagen dein Dilemma mildern könnten...

Bezüglich, dass das Leben mit Kindern anstrengend ist: Unsere Erfahrung ist, dass es mit zwei und drei Kindern nicht anstrengender wurde als nur mit dem ersten. Wir sind entspannter geworden, die Interaktionen unter den Kindern ergibt auch eine grosse Entlastung für die Betreuer. Die Familie mit drei (und mehr) Kindern wird auch schnell abwechslungsreicher, da es zwischen den Geschwistern nicht "nur" DIE eine Beziehung gibt.
Für mich ist die wesentliche Frage, ob man nochmals bereit ist, z.B. die Phase der Kleinkinder neu zu beginnen und um weitere drei Jahre zu verlängern oder ob man lieber eine Phase sauber abschliesst und sich mit Freude auf die darauffolgende einlassen möchte.
Ich finde es toll, wenn die Kinder aus Herzenslust entstehen und nicht nur aus Ratio.
Für mich heisst mehr Kinder nicht zwangsläufig, dass das Leben teurer werden muss. Es ist gut auch möglich, mit den gleichen Resourcen ein genauso wertvolles Leben zu leben.

Bezüglich deinem Mann würde ich ihn unterstützen, sich mehr auf sein Herz einzulassen, an sein Herz zu appellieren.
Ich musste meiner Frau auch gut zureden bis sie mir dann zum 30. meinen dritten Sohn geschenkt hat.
Die allermeisten Väter und Mütter wachsen sowieso in die Familienverhältnisse hinein und können sich später gar nichts anderes mehr vorstellen... icon_wink.gif