Will ich überhaupt Kinder?

Ady
Dabei seit: 20.04.2016
Beiträge: 11
Hi Blue64,

Ein Kind ist kein Selbstfindungsprojekt und auch kein Lückenfüller.


Hm ohweh, kam das so rüber, als ob ein Kind das für mich wäre? Okay klar, da steht:

Aber vielleicht ist es auch genau das, was ich in meinem Leben (noch) gebrauchen kann.


Aber damit sage ich ja nur, dass ein Kind auch mehr Lebensglück für einen selbst bedeuten könnte... ist das nicht der Grund, wieso die meisten Menschen Kinder kriegen?

Manche behaupten gar, dass ein Kind die Beziehung auf eine höhere Ebene stelle. Das z. B. würde ich eher bestreiten - andere Ebene ja, höhere Ebene nicht zwangsläufig. Eine Freundin von mir hat ihre Tochter sogar bekommen, weil sie und ihr Partner meinten, dass das bloße Zusammenleben noch nicht alles sein könne ...

Aber ein Selbstfindungsprojekt ist es für mich keinesfalls. Eher frage ich mich ja, ob ich die Erfahrung überhaupt machen möchte, Mutter zu werden, und habe sie mir nun mit ja beantwortet. Meine Selbstfindungsphase hatte ich während des Studiums und später nun auch in meinem Beruf. Ich meinte eher, ob ein Kind mein Leben noch bereichern könnte. Und wenn du mir den Tipp gibst, es zu lassen, schliesst das nicht auch sehr viele Frauen ein, die aus den Gründen "Selbstfindung" und "Lückenfüller" Mütter geworden sind?

Welche Gründe sind deiner Meinung nach gute, um ein Kind zu bekommen? Und jetzt sage aber nicht - Fortpflanzung und Stammhalter! icon_wink.gif

Viele Grüsse,
Ady
GabrielaA
Dabei seit: 18.10.2002
Beiträge: 5615
@Ady: Du schreibst, "...andererseits will ich mir die Erfahrung auch nicht verwehren. Stellt ein Kind alles auf den Kopf? - ja! Aber vielleicht ist es auch genau das, was ich in meinem Leben (noch) gebrauchen kann. "

Was ist, wenn genau das Gegenteil auftritt? Wenn du nach kurzer Zeit merkst, dass du dein altes Leben zurück willst? Was dann? Kind hat leider kein Rückgabe Recht, noch kann man es weiter verkaufen oder umplatzieren, wie ein Tier oder Gegenstand.


"Für mich würde es daher schon reichen, wenn ich ein gesundes Kind bekäme"
Und wenn es nicht gesund ist? Oder später eine Krankheit hat oder durch einen Unfall behindert wird - und und und?

Sich für ein Kind zu entscheiden sollte schon mehr sein, als ein "Ausprobieren", ob Frau eine gute Mutter wird, ob es das war, was im Leben gefehlt hat. Ich hatte schon immer den Wunsch, Kinder zu haben. Aber ich war bereits Ende 20, als unser erstes Kind, wunschgemäss, zur Welt kam. Mein Leben hat sich geändert, aber das war mir bewusst. Nur die vielen schlaflosen Nächte - bzw. die kurzen Nächte - machten mir viele Jahre lang schon zu schaffen. Wie genoss ich es, wenn mein Mann mal an einem Wochenende um halb sechs aufstand, um etwas mit dem Kind/den Kindern zu unternehmen.

Unser Zweitgeborener schlief sehr lange fast jede Nacht bei uns. Beide waren bis zur Pubertät Frühaufsteher.

Heute geniesse ich es, dass ich auch mal alleine ein paar Tage wefahren kann, oder gemeinsam mit meinem Mann ein Wochenende verbringen kann. Aber ich denke auch mit einer gewissen Wehrmut an die Zeit zurück. Bevor sich ein Paar entscheidet, ein Kind zu zeugen, sollte es sich ernsthaft Gedanken machen, ob es dies auch in "schlechten Zeiten" möchte. Ob es bereit ist, vieles aufzugeben, was bisher selbstverständlich war.
Spargel_2
Dabei seit: 26.10.2007
Beiträge: 1417
GabrielaA: sehr gut geschrieben...

Nehme jeden Tag wie er kommt!
Blue64
Dabei seit: 20.08.2003
Beiträge: 1456
Ady, ich ganz persönlich sehe das Kinderkriegen schlicht und einfach als beschenkt werden!

Wer schon einen Grund braucht, ein Kind zu kriegen, der sollte noch einmal über die Bücher!
Denn eines sollten diese Möchte-gern-Eltern wissen: dieses neue Leben, das man in die Welt stellt, hält sich weder an die mütterlichen noch väterlichen Vorstellungen von Kinderglück und Familie!

Und wer nicht bereit ist, seinen Alltag auf den Kopf stellen zu lassen, wer nicht bereit ist, sich selbst mal für lange Zeit aus dem Fokus zu nehmen ("Bringt MIR das Kind nicht mehr Lebensgefühl?" ), der sollte es wirklich bleiben lassen!

Denn wie GabrielaA es so eindrücklich beschrieben hat: Kinder halten sich nicht an DEIN Lebensglück. Du bekommst eines eventuell geschenkt, darfst es eine bestimmte Zeitspanne begleiten und geniessen und es dann mit Tränen in den Augen loslassen in sein eigenes Leben!


[Dieser Beitrag wurde 2mal bearbeitet, zuletzt am 09.06.2016 um 06:37.]

Ich denke, also bin ich hier falsch !
Scheri
Dabei seit: 22.12.2014
Beiträge: 399
Ich bin froh, ist unser erstes Kind einfach so zu uns gekommen, (ich war knapp 25 bei der Geburt) ohne dass ich mir gross Gedanken gemacht hätte. Nur mit der Grundhaltung zum Leben, dass das das Natürlichste auf der Welt ist.
Als Geschenk habe ich alle drei Söhne empfunden. Den Dritten Sohn bekam ich sogar zu meinem 30. Geburtstag (8 Tage vorher), auch dieses Kind ungeplant. Bei uns war nur der Mittlere geplant, was ich nie mit gewünscht/nicht gewünscht gleichsetzen würde.
goodie
Dabei seit: 12.11.2011
Beiträge: 3341
Ady das Leben mit Kinder ist nicht wirklich planbar, du musst einige Abstriche machen. Wenn du bereit bist dein jetziges, bequeme und einfache Leben für einen kleinen Menschen mit einem eigenständigen Charakter aufzugeben, dann probier es einfach. Du weisst es eh erst dann wie es ist, wenn du selber welche hast.


„Es gibt keinen Weg zum Frieden, denn Frieden ist der Weg."

Mahatma Gandhi
Ady
Dabei seit: 20.04.2016
Beiträge: 11
Hehe, genau so meinte ich das eigentlich. Mir ist schon klar, dass es auch kein Zuckerschlecken werden kann und man ein Kind dann auch nicht wieder zurückgeben kann. Und wer sagt eigentlich, dass mein Leben jetzt gerade bequem ist? Das ist es eher nicht, also gebe ich da nicht viel auf.

Nur den Kinderwunsch zu haben, das würde mir als Antrieb für alles was folgt, nicht reichen. Es ist doch einfach nur der Anfang von allem. Aber ich gebe zu, ich habe auch geschrieben, dass ich nie den großen Kinderwunsch hatte bisher. Für mich war immer klar: Kinder haben wollen und Kinder erziehen wollen sind nämlich ein verschiedenes Paar Schuhe.

Ich beobachte so viele Frauen, die bestimmt mal einen Babywunsch gehabt haben, aber mit ihren Sprösslingen nicht gut umgehen oder sie ignorieren. Da fragt man sich schon: reicht das? Und betrachten diese Frauen ihre Kinder eigentlich als Geschenk?

Und wenn man ein Kind als Geschenk betrachtet, ist das im Grunde nichts anderes als zu sagen: es bereitet mir Freude, es gehört zu meinem Lebensglück. Und es gibt viele Frauen, die hart dafür arbeiten müssen, dieses Geschenk überhaupt zu bekommen.
Wie gesagt, meinte ich auch gar nicht, dass ich ein Kind für mein Lebensglück brauche oder für meine Selbstfindung. Ich habe nur erwähnt, dass es auch zum eigenen Lebensglück beitragen könnte bzw. eben eine Bereicherung sein kann. Ich glaube, das streitet keiner ab.

Aber ihr habt recht mit der Rückfrage: was ist, wenn das nicht so ist? Wenn man ein Kind nicht als Bereicherung wahrnimmt. Hm, das ist eine Frage, die man sich vorher ohne die Erfahrung schlecht beantworten kann. Ich habe mal einen Artikel gelesen, wo es um Mütter ging, die sich rückblickend auch vorstellen konnten, doch kinderlos zu bleiben. Wenn man sie aber fragte, ob sie ohne ihre Tochter oder ihren Sohn leben könnten, verneinten sie das. Das heißt, auf die Erfahrung Mutter zu werden und zu sein, hätten sie doch durchaus verzichten können, aber das Kind, das sie bekommen und erzogen haben, wollten sie nicht in ihrem Leben missen. So scheinbar ambivalent kann das sein ....
goodie
Dabei seit: 12.11.2011
Beiträge: 3341
Ady gibt natürlich auch Frauen die unfreiwillig Kinder bekommen oder in einer ganz schlimmen Situation leben, verlassen wurden und einfach überfordert sind und auch solche die Kinder unter falschen Voraussetzungen bekommen um eine Liebe zu kitten oder was auch immer. Und solche die Kinder als Prestige-Objekt haben.......
Aber diese Mütter mit Leib und Seele sind denke ich mal schon der grösste Anteil.icon_redface.gif
Vor allem bleiben die ja nicht so herzig und klein sondern wenn sie dann mal in die Pubertät kommen schwierig und vielleicht auch aggressiv weil die Eltern die Lust verloren haben weil sie mit den Kindern nicht mehr klar kommen.

„Es gibt keinen Weg zum Frieden, denn Frieden ist der Weg."

Mahatma Gandhi
lirumlarum122
Dabei seit: 18.09.2013
Beiträge: 206
"Ady" schrieb:

...Ich beobachte so viele Frauen, die bestimmt mal einen Babywunsch gehabt haben, aber mit ihren Sprösslingen nicht gut umgehen oder sie ignorieren....

Soso, wo beobachest du denn diese vielen Frauen? Bist du auch einer von denen, die mich mit einem Kopfschütteln strafen, wenn ich mein täubelndes Kind ignoriere? Oder es ständig überreden wollen etwas auszuziehen, weil die blöde Mami es doch viel zu warm angezogen hat?
Spargel_2
Dabei seit: 26.10.2007
Beiträge: 1417
Tja, ich würde meine drei Kinder nie mehr missen wollen. ABER: wenn ich vorgängig gewusst hätte, was mich bei unserem ersten Kind erwartet, dann hätte ich KEINE Kinder bekommen.
Ich stehe dazu, dass mich meine Tochter bis zum Rand eines Nervenzusammenbruchs brachte. Ich könnte echt ein Buch schreiben. Die ersten fünf Jahre waren alles andere als toll.
Wenn ich damals meine Eltern (im Nachbarhaus) nicht gehabt hätte... Ich glaube, es wäre echt nicht gut raus gekommen.

Ich habe Rat bei der Kinderärztin eingeholt. Am Ende unseres Gespräches hat sie gemeint, dass unsere Tochter ihre rebellische Zeit eben jetzt schon einzieht. Jedes Kind mache in der Regel eine solche Phase durch, die meisten halt in der Pubertät. Jetzt ist sie in der Pubertät. Sie pubertiert zwar auch, aber es ist nicht annähernd so schlimm wie ihre ersten fünf Lebensjahre.

Es ist einfach nicht planbar, wie die Kinder sind. Es ist nicht immer alles rosig. Die Kinder leben nicht nach Plan. Die Kinder haben eine eigene Persönlichkeit, die sich entwickelt.
Man kann die Kinder bestmöglichst begleiten, aber schlussendlich steht jedes Kind auf eigenen Beinen.

Ich glaube, dass es wirklich besser ist, wenn wir vorgängig nicht alles wissen.

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 25.06.2016 um 19:42.]

Nehme jeden Tag wie er kommt!