Pubertätsurlaub

Moderatorin Hanna
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Blogbeitrag von Nathalie Sassine am 14. Oktober 2015
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Während wir immer noch über einen Vaterschaftsurlaub nach der Geburt diskutieren, empfehlen uns Experten, einen Elternurlaub zu nehmen, wenn unsere Kinder am schwächsten sind: Während der Pubertät.

Genau das. Sagt die Wissenschaft. Nachdem wir das Mantra «die ersten drei Jahre sind die wichtigsten im Leben eines Kindes» über Jahre auswendig gelernt haben, kommt jetzt eine Studie (http://www.prb.org/Publications/Articles/2015/parental-time.aspx) raus, die besagt, dass das am Verhalten eines Kindes rein gar nichts – oder nur in seltenen Fällen – ändert. Das andere Ergebnis der Studie ist dafür umso logischer: Die schwierigste Zeit im Leben eines Kindes ist die Pubertät. Konkret: Mehr Zeit mit den Eltern bedeutet «weniger Verhaltensprobleme, bessere Leistungen in Mathe (!!), weniger Drogenkonsum und weniger Straftaten.»

Wieso das so ist? Der präfrontale Cortex, der sozusagen die Exekutive des Gehirns bildet, ist noch nicht fertig entwickelt. Ihr Gehirn badet in Dopaminen und bildet wie verrückt synaptische Verbindungen, weshalb sie dazu neigen, Belohnungen aus Risiken zu erwarten, die schlicht unrealistisch sind. Oder anders gesagt: Wie ein Ferrari mit schwachen Bremsen. Würdet ihr diesen nicht auch unter Beobachtung haben wollen? Eben.

Für berufstätige Eltern – und seien wir ehrlich, vor allem Mütter – ist es besonders gemein, dass die Kids uns ausgerechnet dann noch mehr brauchen. Gerade, als wir uns vielleicht wieder eine Karriere aufgebaut haben, wieder einen Job machen könnten, der uns wirklich gefällt oder unser eigenes Business endlich wirklich gut läuft, sollten wir wieder mehr zu Hause sein. Nur, wie stellen wir das an? Einen erneuten Mutterschaftsurlaub einführen? Na, viel Glück damit! Auf Teilzeit zurückstufen? Wenn das geht, unbedingt! Und wenn ihr jetzt denkt, «aber mein Teenager will mich ja gar nicht in seiner Nähe haben!»: Stimmt nicht. Umfragen bei jungen Erwachsenen besagen genau das Gegenteil: Sie wünschen sich, ihre Eltern hätten mehr Zeit für sie.

Was denkt ihr? Brauchen Teenies mehr Aufmerksamkeit als Säuglinge? Oder hört das sowieso nie auf, bis sie erwachsen sind, egal welches Alter?
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Du kannst den Blog auch auf der «wir eltern»-Website lesen unter:
http://www.wireltern.ch/artikel/blog-pubertaetsurlaub

Blue64
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Beiträge: 1456
Ich weiss noch, wie meine Pubertät verlief und wie einsam ich mich fühlte.

Nein, Teenager brauchen nicht mehr Aufmerksamkeit als Säuglinge - sie brauchen einfach eine andere. Wie auch die "Trötzler", die "Schulanfänger", etc. : unsere Kinder brauchen immer unsere Aufmerksamkeit, einfach jeweils ihrem Status quo angepasst.

Ich erlebe meine zwei Pubertätsneulinge als ungemein "kämpfend": mit sich, mit der Umwelt, mit den Eltern, mit den Freunden, mit der grad aktuellen Peer Group, ausgeliefert ihren schwankenden Emotionen. Und wie ein Seismograph versuche ich jeden Tag aufs Neue diese Emotionen auszumachen und zu deuten.
Und ich erlebe, wie sie den Drang nach draussen haben und doch froh sind, ein drinnen zu haben, Eltern, die fest verankert zur Stelle sind, egal wann und wo. Ich finde, d a s ist derzeit für sie das Wichtigste. Zu wissen, dass man Ausflüge ins Erwachsenenleben machen kann und bei "Gefahr in Verzug" sofort ins schützende Nest kann, ohne an Ansehen zu verlieren. Dafür brauchen sie uns Eltern derzeit und ich bin froh, darf ich das miterleben.

Aber sie brauchen uns Eltern auch für nervenaufreibende Diskussionen, weil sie die wahnwitzigsten Argumente testen wollen und müssen, weil sie Standpunkte vertreten, wo sich bei mir sämtliche Nackenhaare aufstellen und ich trotzdem diese Auseinandersetzungen ernst nehmen muss und mich diesen Diskussionen stellen muss.






Ich denke, also bin ich hier falsch !
second2
Dabei seit: 01.06.2012
Beiträge: 815
Ich kann da ganz klar nicht mitunterschreiben, dass die Pubertät die schwierigste Zeit sein soll.

Meine Teenies (12 1/2, 15) sind toll, und ich möchte auf keinen Fall ins Kleinkindalter zurückkommen!

Ich hätte mehr Zeit gebraucht, als sie klein waren, denn die jahrelangen Nächte mit wenig bzw. unterbrochenem Schlaf fand ich viiiieel schlimmer als mal eine kleine Emotionsschwankung im Teeniealter. Da schnaufe ich einmal ruhig durch, und das kommt von alleine wieder richtig hin. Die vielen Stunden Schlaf, die mir fehlten, als sie klein waren, die kamen hingegen nie von alleine zurück ...

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HealthFreak
Dabei seit: 18.12.2015
Beiträge: 7
Ein guter Artikel. Stimmt übrigens, es ist aber ganz im Allgemeinen (!) empfehlenswert, besonders während der Pubertät viel Zeit mit dem Kind zu verbringen. icon_smile.gif