Beziehung mit Rucksack

taraxacum22
ThemenerstellerIn
Dabei seit: 20.02.2022
Beiträge: 7
Hallo ihr Lieben

Bis vor ein paar Jahren war ich schon aktiv hier im Forum und habe schon einige wertvolle Anregungen erhalten. Daher wende ich mich in einer für mich unbefriedegenden Zeit an euch...

Meine Situation
Nach 27 Jahren Partnerschaft vor 7 Jahren getrennt/geschieden
Neuer Partner, ebenfalls geschieden, seit 5 Jahren, zusammen wohnend seit knapp 3 Jahren
Ende Jahr verkündet mein Ex-Mann, dass er wieder heiratet

Ich bin neben der Spur, scheine mit der Situation nicht klar zu kommen. Fragen tauchen auf...hätte ich besser auf mich hören sollen (ich fühlte mich noch nicht parat und liess mich doch darauf ein)? Bin ich noch immer nicht parat? Will ich überhaupt eine Beziehung? Spiele ich mir etwas vor?...

Die Unterschiede zwischen meinem Partner und mir sind mit dem gemeinsamen Alltag immer deutlicher geworden. Im Moment kann ich gar nicht sagen, was ich überhaupt liebe an ihm. Ich sehe nur das mich Störende. Es ist mir bisher nicht gelungen, mich voll und ganz auf die Beziehung einzulassen....oder doch?

Wir sind in einer Paarberatung und werden demnächst auch gemeinsam eine Aufstellung machen. Ich komme nicht weiter, drehe an Ort, fühle mich gefangen in meinem Gefühlen, ....all das hat körperliche Auswirkungen.

Ich freue mich über Inputs, wie ich für mich Klarheit gewinnen kann.

Lg, taraxacum

goodie
Dabei seit: 12.11.2011
Beiträge: 3251
Vielleicht kannst du aber jetzt auf deinen Partner eingehen wenn dein Ex-Partner wieder heiratet. Oder hast du noch nicht abgeschlossen mit der „alten“ Ehe?

„Es gibt keinen Weg zum Frieden, denn Frieden ist der Weg."

Mahatma Gandhi
Arcencielle18
Dabei seit: 25.06.2004
Beiträge: 183
Ich kann mir vorstellen, wie schwierig deine Situation ist. Du hattest mit deinem Ex-Mann während 27 Jahren eine Beziehung, und das prägt einen sehr stark. Das hat bestimmt einen Einfluss auf nachfolgende Beziehungen .
Du hast dich am Anfang der Beziehung mit deinem neuen Partner nicht vollkommen parat gefühlt und jetzt, im Moment wo dein Ex wieder heiratet, wird dir vielleicht bewusst, dass mit dieser Partnerschaft wirklich etwas nicht so ganz stimmt für dich. Wenn dir die Paarberatung nicht weiterhilft wäre vielleicht eine individuelle psychologische Unterstützung hilfreich um herauszufinden, woher deine unguten Gefühle herkommen, und was du wirklich brauchst, damit es dir besser geht.

Ich kann dir nachfühlen. Ich habe mich vor knapp 5 Monaten von meinem Mann getrennt, nach 30 Jahren Beziehung. Er hat die Paarberatung verweigert, deshalb gehe ich seit 2 Jahren regelmässig alleine in eine Psychotherapie, und das tut mir enorm gut. Aber ich fühle mich auch noch nicht bereit für eine neue Beziehung .
taraxacum22
ThemenerstellerIn
Dabei seit: 20.02.2022
Beiträge: 7
Vielen Dank für eure Inputs.

Ich glaube, die Info über die Heirat hat bei mir einiges mehr ins Rollen gebracht, als ich rein kognitiv vermutet hätte.
Eine zweite Heirat käme für mich auf gar keinen Fall in Frage. Es geht einfach nicht für mich, zweimal zu heiraten. Das passt nicht in mein Wertebild. Manchmal kommt es mir wie ein Verrat an unserer Ehe vor. Mir ist bewusst, dass dies völlig schräg und jeglicher Vernunft ist. Dennoch ist dieses Gefühl da.
Wenn ich das weiterspinne komme ich zum Schluss, dass auch eine zweite Beziehung für mich (moralisch) eigentlich ein no go ist.Ja, da stehe ich mir wohl selbst im Weg icon_frown.gif. Und da komme ich mir natürich ganz schön schäbig und gemein gegenüber meinem Partner vor! Das ist nicht fair ihm gegenüber. Und es macht mich traurig, hilflos...und auch ein bisschen wütend. Ich bin ihm sehr dankbar, dass wir darüber reden können. Er ist ein wirklich guter Freund.....für eine neue Liebe scheint es bei mir keinen Platz zu haben.
Und ja, mit meiner Therspeutin werde ich wieder Termine vereinbaren.
fraulein
Dabei seit: 26.10.2003
Beiträge: 1583
So, jetzt habe ich mich hier auch noch eingelesen icon_smile.gif

Ich bin auch der Meinung, dass die Ankündigung deines Ex-Mannes, dass er wieder heiratet, dich aus der Bahn wiirft. Selbst sagst du, dass für dich keine zweite Ehe in Frage käme (man heiratet nur einmal) und vielleicht empfindest du dies jetzt als einen Verrat an dem, was ihr hattet.

Obwohl ich in diesem Punkt anders denke als du (ich würde wieder heiraten), mag ich mich erinnern, dass es mir auch kurz einen Stich gab, als mein Ex mir mitteilte, dass er wieder heiratet. Es ist eine weitere Endgültigkeit, obwohl man vernunftmässig doch alles abgearbeitet zu haben glaubt.

Steht man sich nicht meist selbst im Weg?
Vielleicht - und das muss ich mir jetzt auch gleich selbst sagen - vielleicht muss man sich bewusst sein, dass es KEIN no-go ist, wieder eine Beziehung zu haben, wenn man sich auch bewusst ist, dass eine erneute Beziehung nicht eine Wiederholung oder Verbesserung der ersten Beziehung ist oder zu sein hat (auch in der Wertigkeit).
Man ist eine Beziehung in einem anderen Alter eingegangen, hat eine Menge an Erfahrungen (Rucksack) dabei, den man beim ersten Mal nicht hatte, steht grundsätzlich an einem anderen Punkt des Lebens und hat andere - womöglich höhere - Ansprüche. Also kann man eigentlich nur beurteilen, wie man sich im JETZT fühlt.
Wie man auch innerhalb der Familie oder unter Freunden verschiedene Arten der Beziehungen pflegt, gilt das wohl auch für Liebes-/Lebensbeziehungen: man kann sie nicht werten und vergleichen und es gibt nicht nur DIE eine Beziehung.

Man kann sich sehr gut im Kreis drehen mit seinen Gedanken icon_smile.gif

Partner, 4 Kinder mit teilweise Schwiegerkindern, aktuell 2 Enkel icon_smile.gif
Stricken, Lesen und immer wieder an meinem Lieblingsplatz sitzen und den Bäumen zuhören.


Partner, 4 Kinder mit teilweise Schwiegerkindern, aktuell 2 Enkel :-)
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Frankfurtbabes
Dabei seit: 25.03.2022
Beiträge: 1
Gelöscht

Babes
goodie
Dabei seit: 12.11.2011
Beiträge: 3251
Ändern kannst du es ja doch nicht, versuche damit klar zu kommen und gönne ihm die neue Ehe. Es ist nichts falsches dran. Auch du kannst wieder heiraten wenn dir danach ist. Dein neuer Partner denkt er denn wie du betreffs Heiraten und so?

„Es gibt keinen Weg zum Frieden, denn Frieden ist der Weg."

Mahatma Gandhi
taraxacum22
ThemenerstellerIn
Dabei seit: 20.02.2022
Beiträge: 7
Vielen Dank für euer Mitdenken, eure Rückmeldung, eure Anregungen.

Ja, da ist zu meinem Ex-Mann eindeutig noch mehr Verbundenheit als mir lieb ist icon_confused.gif Das ist mir bewusst - und wird mir in Krisensituationen (wir hatten gerade einen Todesfall in der Familie) noch mehr vor Augen geführt. Genau so ist mir aber auch klar, dass die Beziehung zu Ende ist. Ich muss das akzeptieren - irgendwann wird mir das auch gut gelingen (im Moment wohl noch nicht so ganz).

Gleichzeitig ist daneben mein Partner. Ich fühle mich von ihm nicht getragen. Er tut ganz viel für mich, ich weiss, dass er mich liebt. Ich hingegen, bin mir meiner Gefühle nicht sicher. Wir sprechen darüber und fragen uns, ob wir uns allenfalls etwas vor machen? Sind wir einfach gute Freunde?

Auch das Wort Trennung wurde ausgesprochen. Es tönt für mich erleichternd - gleichzeitig ist es mit viel Schmerz verbunden. Auch mit Schuldgefühlen, Mitleid. Mein Partner will (noch) nicht gehen. Er will um unsere Beziehung kämpfen. Das tönt für mich nicht liebevoll...eher im Sinn von "ich will das haben".

Ich glaube, ich will es nicht mehr haben.....und das tut weh!
fraulein
Dabei seit: 26.10.2003
Beiträge: 1583
Liebe taraxacum

Bist du schon weiter gekommen?

Kurz nachgefragt: Du schreibst "ich fühle mich von ihm (neuen Partner) nicht getragen" - was heisst das für dich?

Ich verstehe deine Aussage, dass "kämpfen um eine Beziehung" für dich nicht liebevoll wirkt. Ich sehe darin mehr die Aussage "Ich will noch nicht aufgeben".

Deinen Weg siehst du doch bereits, wenn du deinen letzten Kommentar durchliest - du möchtest die Beziehung beenden. Du würdest dich leichter fühlen. Irgendwo hoffst du vielleicht, dass dein Partner es gleich sieht und (endlich) einer Trennung zustimmt. Der Schmerz wäre nicht weniger, aber es wäre ein gemeinsamer Entscheid, der dir ein besseres Gefühl gibt. Dazu ist er aber aktuell nicht bereit.

Loslassen - dein grosses Thema, scheint mir. Vergangenheit loslassen, Gegenwart loslassen...
und dann bereit sein, diesen Schritt (der Trennung) zu machen und die Verantwortung zu übernehmen. Hinzustehen und sagen: ich WILL so nicht. Denn mit "glauben" etwas zu wollen oder nicht wollen, kommt man nicht weiter. Manchmal heisst es TUN und diese Verantwortung übernehmen. Mit allen Konsequenzen.

Aus so einer Situation kommt keiner, egal ob einvernehmlich oder nicht, ohne Verletzung der Gefühle heraus. Einer wird etwas mehr leider als der andere. Ob er es dann zugibt oder nicht. Vielleicht ist da irgendwo auch der Gedanke, dass du einen Partner verlierst, aber den guten Freund nicht verlieren willst?

Was ist die Therapie für dich: der Versuch, euch zu finden oder die Begleitung für die Trennung?


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taraxacum22
ThemenerstellerIn
Dabei seit: 20.02.2022
Beiträge: 7
Hallo zusammen

Gestern hat mein Partner die Zusage für eine Wohnung erhalten.

Wir haben uns vor gut einem Monat zur Trennung entschieden. Wir haben uns beide zu sehr verbogen umd sind zu viele Kompromisse eingegangen.

Ich fühle mich gut dabei, freue mich, dass er eine für sich passende Wohnung gefunden hat und wünsche ihm, dass er sich dort so richtig wohlfühlt. Und ich werde mich so einrichten, damit ich wieder gerne nach Hause komme 🙂.

Lg, taraxacum