Sterilisation mit Quinacrine

monavetterli
ThemenerstellerIn
Dabei seit: 10.05.2016
Beiträge: 23
Ich war mit meinem Freund in Wien auf einem Städtetrip. Dort besuchten wir das Museum für Verhütung und Schwangereschaftsabbruch. Sehr interessant fanden wir die Sterilisation mit Quinacrine. Dabei werden der Frau in der ersten Zyklushälfte eine Anzahl Quinacrinepresslinge in die GB eingeführt mittels eines dünnen Plastikröhrchens (etwa so wie beim Platzieren einer Spirale). Die Presslinge lösen sich völlig auf und verursachen eine gezielte Entzündung der Eileiter, was zu erheblichen Narben an den Eileitern führt. Innerhalb weniger Wochen klingt die Entzündung wieder ab und dann wird nach einem Monat nochmals die gleiche Entzündung provoziert, was wiederum zu starker Vernarbung führt. Diese klebrige Vernarbungen lassen die Spermien dann machtlos und sie sterben ab. der Perlindex liegt deutlich unter 1. 6 Wochen nach Auslösen der ersten Entzündung ist die Methode wirksam.
Wir fragten uns, weshalb die Methode in den Industrieländern überhaupt nicht populär ist, wo die Kosten für den Eingriff doch erheblich günstiger sind als bei der hier angewendeten Methode (nur ca. 10%). Ich denke hier an auf Fürsorge angewiesene Frauen, geistig Behinderte oder fallweise Heiminsassen oder Flüchtlinge etc.. Weiss jemand mehr über diese Methode und deren Verbreitung?
hanni6
Dabei seit: 25.03.2004
Beiträge: 669
Warum diese Methode nicht populär ist? Ich vermute, weil sich nicht daran verdienen lässt und auch aus diesem Grund:

"Mepacrin ist nicht als Arzneimittel zugelassen. In verschiedenen Ländern kann es mit einer Sondergenehmigung der Behörden im Einzelfall für Protozooeninfektionen in der Human- und Tiermedizin eingesetzt werden".

Ich habe noch nie von dieser Methode gehört und möchte deshalb auch nicht darüber urteilen. Sie tönt für meine Ohren aber ziemlich abenteuerlich - ich würde weder mich noch meine Tochter freiwillig einer solchen Behandlung aussetzen. Warum empfiehlst du sie ausgerechnet den genannten Personengruppen?
barbarar
Dabei seit: 12.04.2014
Beiträge: 48
Ich kannte diese Methode auch nicht und habe mich ein wenig eingelesen. Offensichtlich durchläuft sie Tiefs und Hochs. In den 60-er und 70-er Jahren war sie verbreitet in Afrika, Südamerika und Südostasien. Dann kann man eher wieder von ihr ab. Und in den 90-er Jahren fand sie wieder mit verfeinerter Technik eine gewisse Verbreitung. Aber den ganz grossen Durchbruch hat sie eigentlich nie erreicht. Wirklich populär soll sie in Vietnam gewesen sein. Der Einsatz von Entzündungen zur Verhütung kommt ja beispielsweise auch bei der Kupferspirale vor, wo die dauernde Abgabe von Kupferionen eine gezielte Entzündung verursacht. Alles in Allem scheint die Quinacrinemethode aber doch interessant zu sein. Vor allem ist sie kostengünstig und kam deshalb vorwiegend in Schwellenländern zur Anwendung. Nachteilig finde ich jedoch, dass die Sicherheit verhältnismässig tief liegt gegenüber der chirurgischen Sterilisation, was dann bei Versagen eine Abtreibung notwendig macht. Also eher etwas für Frauen, die Abtreibungen gegenüber positiv eingestellt sind. Allerdings muss man sich fragen, ob die noch billigere Methode des chinesischen Stahlrings, der keine starke Entzündung der Eileiter zur Folge hat, nicht vorteilhafter ist. Dieser wurde Frauen nach der Erstgeburt gleich gesetzt ohne Rückholfaden, damit er nur vom Facharzt gezogen werden kann. Aber auch dieser hat nur einen der Quinacrinemethode vergleichbaren eher hohen Pearlindex. Aber es ist ja hinlänglich bekannt, dass die Abtreibungskliniken in China weit verbreitet und auch kompetent sind und ihre Dienstleistungen sehr günstig anbieten. Immerhin 13 Mio. Abtreibungen im Jahr!
Mönlim
Dabei seit: 13.07.2016
Beiträge: 12
Ich kenne die Methode nicht. Für die verantwortungsvolle Frau ist nur die für sie geeignete sicherste Methode die einzig richtige. Bei der hier beschriebenen kriegen ja die Eileiter einen Dauerschaden und weisen dadurch Spermien ab. Sollte also von der Idee her gut sein und SS verhindern. Mich würde die momentane Entzündung nicht gerade begeistern.
bnicolic
Dabei seit: 07.12.2016
Beiträge: 32
Macht sicher Sinn in Ländern der Dritten Welt, um der Bevölkerungsexplosion einen Riegel zu schieben, aber auch in den Industrieländern, wo der Staat aus welchen Gründen auch immer die Kosten übernehmen müsste, wenn eine Sterilisation angezeigt ist. Es macht Sinn in solchen Fällen die kostengünstigste Lösung zu wählen, auch wenn in dem Fall die Frauen dann etwa 6 Wochen lang nach dem Eingriff noch Schmerztabletten nehmen müssen wegen der vorübergehenden Eileiterentzündung. Danach ist aber alles super.