Wie fühlt sich Liebe an......

fraulein
ThemenerstellerIn
Dabei seit: 26.10.2003
Beiträge: 1638
Seit bald 20 Jahren kenne ich einen Mann, mit dem ich damals auch eine kürzere Affäre hatte. Er hat mich gnadenlos verdorben für andere Männer icon_smile.gif, denn obwohl er auch frisch getrennt war, war er aufmerksam, fürsorglich, zärtlich, grosszügig und ein wahrer Gentleman. Ueber kurz oder lang hab ich mich dann auch verliebt. Aber es war eben nur eine Affäre, da unsere Lebenssituationen damals nicht zusammenpassten.

Ueber die Jahre haben wir einander nie ganz vergessen, war er wieder Single, so haben wir uns einfach zum Essen getroffen und es war immer, als wäre es eben erst letzte Woche gewesen, dass wir zusammen aus waren. An Geburtstagen und Weihnachten geschrieben, ich hab mal wieder Fotos von Kindern oder Enkeln geschickt.

Kurz gesagt: er war/ist ein absolut wertvoller Mensch für mich. Und ich bin das auch für ihn.

Nun haben wir uns im Frühling dieses Jahres zum Essen getroffen und uns einmal mehr super unterhalten. Kurz danach hat er mich sogar an meinem Geburtstag überrascht mit Blumenstrauss und Kuchen. Tja, was soll ich sagen: seit da treffen wir uns fast jedes Wochenende. Meist im Lauf von Samstag nachmittag treffen wir uns und verbringen die Zeit bis Sonntag abend gemeinsam.

Grundsätzlich bin ich jemand, der sich eine Beziehung wünscht und was wir zwei da haben, kommt dem sicher nah. Wir kennen einander seit fast 20 Jahren, lernen uns aber erst jetzt richtig kennen. Merken, dass wir nicht sehr viel gemeinsam haben und doch können wir gemeinsame Zeit gut miteinander verbringen. Wir sprechen oft im Scherz davon, dass wir wie ein altes Ehepaar sind, denn wenn wir zusammen sind, fühlt es sich wirklich so an, als wären wir das schon viele Jahre..... und genau das ist jetzt mein (Luxus-)Problem. In meiner Vorstellung verliebt man sich auch in meinem Alter noch, hat Schmetterlinge im Bauch, hat Sehnsucht, Hormone spielen verrückt etc. Jetzt ist alles sehr vertraut, ruhig und ja, wie schon ewig zusammen. Und ja, ich kann sagen, dass ich ihn wirklich gern hab.

Ich weiss, dass er mehr in mich verschossen ist, mehr Sehnsucht und Schmetterlinge hat und er weiss, dass ich nicht an diesem Punkt bin wie er. Wir reden da offen darüber. Auch, dass wir rausfinden wollen, wieviel wir beide an Nähe und Zusammensein vertragen (ein ganzes Wochenende von Freitag abend bis Sonntag abend schreckt uns beide noch ab icon_smile.gif aber wir planen auch mal gemeinsame Ferien als Härtetest. Ein Wochenende ohne dass wir uns sehen, käme mir auch schon seltsam vor, aber wäre für mich schon noch gut zu verkraften, er tut sich schwerer damit.

Eigentlich (ja, dieses Wort sagt ja schon einiges) läuft doch alles sehr gut, wenn da eben nicht die Frage in meinem Kopf wäre: wie fühlt sich eine (neue) Liebe an? Müssen es Schmetterlinge sein? Wie lange kann/will man sich Zeit lassen, das herauszufinden? Seh ich das zu romantisch?

Aber eines ist mir eben auch klar: ich kann und will auch nicht monatelang in einer Verbindung leben, in der ich nicht sagen kann: ich liebe dich. Denn so wie es ist, fühle ich mich auf eine Art emotional gebunden und doch bin ich es nicht in der Art, die ich mir (romantisch) vorstelle.

Ich weiss, eine Entscheidung kann mir keiner abnehmen. Möglicherweise findet sich die auch von alleine, weil ich mich (auch wieder) verliebe. Aber jetzt kann ich weder auf die eine noch auf die andere Seite eine Entscheidung treffen und die Frage bleibt:

Wie fühlt sich Liebe an?
Mmmocca
Dabei seit: 11.09.2013
Beiträge: 127
Bei meinem Mann hatte ich nie Schmetterlinge im Bauch, habe die Verliebtheitsphase quasi übersprungen und bin grad bei Freundschaft und Liebe gelandet. Seit 21 Jahren geht das – mit vielen Höhen und relativ wenigen Tiefen – so.
Wir haben auch nicht viele gemeinsame Hobbies im Alltag, sind aber ähnliche Typen und hatten die gleichen Ziele im Leben.

Ich finde, du kannst gut mal die Vernunft walten lassen und eine Liste schreiben mit Pro und Kontras.

Viel Glück!
yucca
Dabei seit: 08.02.2007
Beiträge: 3059
Ob es für eine Beziehung im Alter, noch Schmetterlinge braucht, kann ich nicht sagen. Ist es nicht so dass man im Alter eher gefestigt, bodenständig und erfahren ist? Eher Sicherheit und Zuverlässigkeit braucht?
Ich bin 31. Jahre mit meinem Mann zusammen, davon 30. verheiratet ohne Streitereien, Affären oder Ehebruch. Gemeinsame Hobbys haben wir keine. Ich kann mich aber 100% auf meinen Mann verlassen und er sich auf mich. Wir ergänzen uns gegenseitig und führen eine gefestigte Beziehung.

Ich könnte mir vorstellen dass deine verliebt sein Phase in eine Vertraut sein Phase gewechselt hat, da ihr einander ja schon über 20 Jahre kennt.
Wenn dir aber, der Gedanke an ein langes Wochenende schon mühe macht, ist er vielleicht auch nicht (mehr) der richtige. Vielleicht findest du es heraus, wenn ihr euch einige Zeit nicht seht?

Auch aus Steinen, die in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.
fraulein
ThemenerstellerIn
Dabei seit: 26.10.2003
Beiträge: 1638
@Mmmocca
Ja, diese Pro-/Kontra-Liste haben wir wohl beide im Kopf icon_smile.gif Summa sumarum ist es dann so, dass wir einfach sagen, dass wir eben nicht soviel gemeinsam haben, aber die Zeit zusammen geniessen.

Die Freundschaft haben wir wirklich seit Jahren, aber wird Liebe daraus? Die Liebe zum Menschen hab ich ja, aber die zum Mann?

@Yucca
Ich neige dazu, dass wir uns mehr sehen müssen, um rauszufinden, wieviel Alltag und gemeinsame Zeit wir vertragen. So 1.5 - 2 Tage geht ja ganz gut icon_smile.gif Aber wie ist es, wenn es mal 2.5 Tage sind? Oder dann eben Ferien, obwohl die ja auch eine Art Ausnahmezustand sind.

Ja, Sicherheit und Zuverlässigkeit ist sicher für mich etwas wichtiges. Hat dann für mich aber etwas von "Vernunftehe" und so praktisch ich auch veranlagt bin, ich bin eben auch Romantiker icon_smile.gif


Alltag erleben wäre wichtig. Die Distanz Zürich-St. Gallen ist nicht alle Welt, aber dennoch gross genug, dass man nicht so einfach beim anderen übernachtet, wenn am anderen Tag wieder gearbeitet werden muss. Was auch die Frage aufwirft: wenn wir zusammenbleiben, beschränkt sich das bis zur Pensionierung auf eine Wochenendbeziehung? Gemeinsames Ziel: 2032 zusammenziehen? icon_smile.gif Irgendwo wünschte ich mir, ich könnte eben den Kopf abschalten und einfach Leben.

Ich befürchte, ich bleibe noch ne ganze Weile in diesem Dilemma ... Vielen Dank für eure Inputs.
pluto
Dabei seit: 23.10.2002
Beiträge: 2323
Liebe. Ein unordentliches Gefühl
Schon der Titel sagt sehr viel zu deiner Frage aus. Liebe ist ein Mischgefühl in das ganz viel Verschiedenes hinein fliesst und je nach Situation einzelne Faktoren daraus ein ganz anderes Gewicht haben. Gerade in Eurer Situation von alter Bekanntheit vermischt sich Verliebtheit und Vertrautheit schon zu Beginn und fühlt sich daher auch anderst als erwartet an.

Ich kann dir das Buch von Richard David Precht nur empfehlen, ich habe seine Bücher gelesen noch vor der grosse Hipe los ging.

Anmerkung für die Redaktion:
Das ist keine Werbung, sondern wirklich ein gut gemeinter Tipp icon_wink.gif

Der denkende Mensch ändert seine Meinung. (F.N.)
goodie
Dabei seit: 12.11.2011
Beiträge: 3389
Am Anfang waren schon Schmetterlinge da, aber jetzt nicht mehr. Aber ich denke die sind nur anfangs da, hattest du anfangs keine Schmetterlinge bei ihm?

Ich denke ihr müsst es einfach mal ausprobieren. Mal in die Ferien gehn oder ein Werkend zusammen weg.

Pluto wie gehts denn, schon lange nix mehr gehört, d.h ich hab dich mal gesehen an der Schlagerparade, aber ich hab dich gar nicht erkannt. Meine Freundin schon 😂😂

„Es gibt keinen Weg zum Frieden, denn Frieden ist der Weg."

Mahatma Gandhi
nanny72
Dabei seit: 21.05.2006
Beiträge: 1033
Liebe fängt dort an, wo das verliebt sein aufhört

Das habe ich einmal auf einem Schild gelesen
Und es stimmt. Denn wieviele gibt es, die in der Verliebtheit s Zeit, das Gefühl haben, es sei die große Liebe, die liebe ihres Lebens? Und wen die Schmetterlinge weg sind, bleibt nichts mehr von der liebe
Von daher kann es von Vorteil sein, wenn nicht gleich von Beginn an, die "grossen" Gefühle da sind.

Falls es für dich eine Option ist, mit ihm eine feste Beziehung einzugehen, mit zusammen Zuziehen und allem drum und dran, dann ist es sicher ratsam, ihn besser kennen zu lernen. Zu schauen, ob ihr die selben Interessen habt, die selben Vorstellungen und Erwartungen ans Leben, Beziehung, an die Zukunft.
Auch mal Ferien zusammen verbringen.
Ist einer oder sogar beide, je nach Situation, bereit umzuziehen, um eine gemeinsame Zukunft zu Planen?
nanny72
Dabei seit: 21.05.2006
Beiträge: 1033
Liebe ist etwas was wächst. Etwas das sich verändert, bis zu einem gewissen Grad.

Liebe ist, wenn man nicht zuerst seinen eigenen Vorteil im Auge hat, sondern das beste für den anderen möchte / sucht. Wenn man füreinander da ist. Sich gegenseitig hielft.
fraulein
ThemenerstellerIn
Dabei seit: 26.10.2003
Beiträge: 1638
@goodie
Nö, absolut keine Schmetterlinge... einfach Wohlfühlen. Eben seit Jahren kennen.. g

@Nanny
Jesses.. wir witzeln übers heiraten, zusammenziehen etc. Aber nö, das ist jetzt nach so kurzer "neuer" Zeit absolut kein Thema. Und da ginge es bei einem Umzug dann auch noch um Jobwechsel etc und neuen Job als 50plus ist dann noch ne Herausforderung der besonderen Art.

Auch nach dem einen oder anderen Wochenende mehr bin ich keinen Schritt weiter . So spontan würde ich meine Gefühle einfach als "angenehm" umschreiben, aber ob das genug ist?..... Weitersehen.. smile.

@Pluto
Vielen Dank, vielleicht packt es mich mal und ich lese deine Empfehlung.
trallalla
Dabei seit: 21.10.2019
Beiträge: 1
Liebe fraulein
Dein Bericht hat mich grad im Innersten getroffen und ich muss ein paar Sätze dazu loswerden. Vielleicht bist du ja unterdessen auch schon einen Schritt weiter??
Ich bin auch ü50 und erlebe seit einiger Zeit die Schmetterlinge in extremis. Das fühlt sich fast genau gleich an wie zu Teeniezeiten: Die unendliche Sehnsucht, das Ziehen in der Brust, die totale Vereinnahmung der Gedanken… Ich hätte das auch nicht mehr für möglich gehalten! Wir kennen uns ebenfalls schon über 20 Jahre und hatten damals keine Affäre im landläufigen Sinne, aber uns heftig verliebt. Da wir aber beide schon in festen Partnerschaften waren, entschieden wir uns gegen «uns». Nun ist er, nach vorherigem sehr lockerem Kontakt, vor knapp einem Jahr plötzlich bei mir aufgetaucht und es hat wieder voll eingeschlagen, bei mir ziemlich sofort, bei ihm wohl etwas später. Ich war da schon seit 6 Jahren getrennt/geschieden/alleinerziehend (du hast mir damals mit deinem Rat auch geholfen), er ist aber immer noch in der gleichen Verbindung, unterdessen auch mit Kindern. Wir trafen uns erst nur sehr sporadisch zum Essen, schrieben uns aber die ganze Zeit. Unsere Berufe und Interessen passen fast unglaublich gut zueinander (wir hatten damals auch das Gleiche studiert) und ich staune oft nur, dass es so etwas überhaupt gibt… Und wir hatten eben auch eine gemeinsame, vertraute Geschichte. Nun, im Sommer haben wir auf seine Initiative hin öfters etwas zusammen unternommen, es wurde sehr romantisch und gefährlich... Wir versuchten immer wieder, auf die rein freundschaftliche Basis zurückzukommen, aber das ist wohl gar nicht mehr möglich. Vor ein paar Wochen haben wir «Entzug» vereinbart, aus Rücksicht auf seine Familie/Ehefrau, und wir verkehren nur noch sporadisch schriftlich und leiden beide. Er will sich nicht trennen und hat mir diesbezüglich auch nie irgendwelche Hoffnungen gemacht. Meine Situation ist also anders als deine, aber auch nicht einfach icon_cry.gif
Was ich damit zu deinem «Thema» sagen will: Ich wünschte mir auch wieder eine stabile Partnerschaft, könnte mir diese aber ohne anfängliche Verliebtheit nicht vorstellen. Ich bin auch der festen Überzeugung, dass sich mit der Liebe, die sich auf die Dauer einstellt, die Verliebtheit immer ein bisschen erhalten soll (und man natürlich etwas dafür tun muss!), wenn die Verbindung Bestand haben soll. Nur noch Liebe ohne Kribbeln ist zwar schön, würde mir aber nicht reichen. Und die «Gefahr» ist gross, dass man sich dann eben doch richtig «auswärts» verliebt. Ich weiss nicht, was ich in deiner Situation tun würde, weil eben jede Beziehung einzigartig ist und man sich nie ganz in den/die andere/n versetzen kann. Gib dir/euch noch eine Chance oder auch mehrere – nur du allein spürst mit der Zeit, was sich richtig anfühlt.
Lieber Gruss tralla(lla)