Woraus schöpft ihr Kraft für eure langjährigen Partnerschaften ?

Scheri
ThemenerstellerIn
Dabei seit: 22.12.2014
Beiträge: 399
Woraus schöpft ihr Kraft für eure langjährigen Partnerschaften ? Was hält euch zusammen, was entfremdet euch voneinander ?

Wir alle werden immer wieder mit Eltern konfrontiert, die sich entscheiden, die gemeinsame Liebesbeziehung zu beenden.

Meiner eigenen Erfahrung nach, weiss ich um die grosse Bedeutung der aktiven Beziehungspflege und des sich Zeit und Aufmerksamkeit schenken für jede anstehende Schwierigkeit. Aber auch um das bewusste geniessen jeder zwischenmenschlicher Schönheit die entstehen kann.

Deshalb sind dies für mich immer wieder spannende Fragen.
bubble36
Dabei seit: 31.01.2003
Beiträge: 730
Unsere Kinder sind nun älter und wir stehen aktuell vor der Situation, dass wir vermehrt ohne Kinder sind, und wir die Beziehungspflege sehr in den Vordergrund rücken. Das hat was schönes.
Ich finde halt, jede Phase hat seine Zeit. Wir hatten nicht immer Zeit/Energie in die Beziehungspflege zu investieren. Die Beziehung kam manchmal zu kurz, weil die Kinder für uns Priorität hatten.

Ich kenne meinen Mann schon sehr lange, und wir haben vieles durchgemacht. Jeder hatte seine Krisen und brauchte seine Zeit herauszufinden was nötig ist, damit das Leben wieder Freude macht.
Ich bin keine Mensch der immer eine Konstanz hat, ich entwickle mich, und mal rückt etwas in den Hintergrund, ein anderes mal etwas mehr in den Vordergrund. IJe älter ich werde, desto mehr konzentriere ich mich auch wieder auf meine Hobbys und Freunde.
Das gibt mir Kraft und gleicht mich aus undwirkt sich auf die Beziehung aus.
Für eine lange Beziehung finde ich es wichtig, dem anderen Raum zu lassen sich zu entwickeln. Sich auf Neues einzulassen und zu wachsen.


Blue64
Dabei seit: 20.08.2003
Beiträge: 1456
Hm - also bei uns ist es eher umgekehrt: aus unserer Partnerschaft schöpfen wir Kraft für den Alltag.

Wir beide haben eine extrem gute Kommunikationsbasis und wir beide sind, was die Grundmauern einer für uns guten Beziehung angeht, auf exakt gleicher Wellenlänge. Das hilft uns sehr, unsere Partnerschaft getrennt zu halten vom Eltern-sein. Und wir suchen uns immer wieder gemeinsame Ziele, somit verhindern wir, dass wir irgendwann nur mehr nebeneinander herleben anstatt miteinander zu leben.



Ich denke, also bin ich hier falsch !
Scheri
ThemenerstellerIn
Dabei seit: 22.12.2014
Beiträge: 399
Die Fähigkeit, sich in seiner Partnerschaft gut austauschen zu können (gute Kommunikationsbasis), dass jeder von seinem Partner immer wieder erfährt, dass er einen in seiner Lebenswelt verstehen will und dies auch immer wieder gut gelingt, ist aus meiner Erfahrung sicher eine sehr zentrale Ressurce in der Partnerschaft.

Sehr interessant finde ich auch die Aussage von bubble:
"Für eine lange Beziehung finde ich es wichtig, dem anderen Raum zu lassen sich zu entwickeln. Sich auf Neues einzulassen und zu wachsen".

An dieser Entwicklung sind wir seit ein paar Jahren dran, was sich nicht immer als einfach entpuppt. Gerde weil sich die individuellen Entwicklungen weder synchron noch unbedingt in die gleiche Richtung entfalten.
Darum ist/war es für meine Partnerin nicht immer einfach loszulassen, wenn ich das Bedürfnis nach Freiraum habe, um mich in meiner individuellen Entwicklung zu entfalten.
Inzwischen lebe ich recht in Frieden mit dem Wissen, dass Veränderungsprozesse ihre Zeit brauchen. Aktuell bin ich auch zufrieden mit meinen Freiräumen, vorallem auch darum, weil sich ein neues Vertrauen in der Beziehung etablieren konnte, dass Öffnung der Beziehung nicht bedeutet, dass man auseinanderdriftet. So wie das aktuell zu gelingen scheint, bringt diese Öffnung einen neuen Wert in unsere Beziehung.




goodie
Dabei seit: 12.11.2011
Beiträge: 3235
Es ist wahrlich nicht einfach eine Partnerschaft so lange aufrecht zu erhalten. Wir hatten auch gerade unseren 18. Hochzeitstag. Ich denke Höhen und Tiefen haben alle, wichtig finde ich dass man immer wieder zueinander findet. Für mich ist es immer noch mein Traummann und ich liebe ihn genau so wie er ist. Ich hab nicht das Bedürfnis ihn zurecht zu biegen oder ihn einzuengen. Umgekehrt macht er es bei mir auch nicht.
Was Blue geschrieben hat mit der Kommunikationsbasis finde ich auch wichtig nur das mit dem Elternsein und Partner sein, haben wir etwas verlernt. Da haben wir noch Nachholbedürfnis. icon_redface.gif

„Es gibt keinen Weg zum Frieden, denn Frieden ist der Weg."

Mahatma Gandhi
GabrielaA
Dabei seit: 18.10.2002
Beiträge: 5446
Mein Mann und ich sind nun 25 Jahre zusammen und hatten unsere Höhen und Tiefen. Es gab schon Zeiten, wo wir uns trennen wollten und dies sogar ernsthaft in Erwägung zogen. Ich bin ein Mensch, der nicht so schnell aufgibt und immer wieder versucht, Lösungen zu finden. Das ist uns Gott sei Dank auch gelungen.

Wir haben auch unterschiedliche Hobbies. Ich mache gerne Sport, wofür ich oft meinen Mann nicht begeistern kann. Wir würden zwar gerne beide skifahren, aber für meinen Mann wird dies aus einem bestimmten Grund zur Tortur. Früher habe ich gelitten, war enttäuscht, traurig. Ich versuchte ihn mit allem möglichen Mitteln, inkl. massivem Druck, dazu zu bringen, uns doch zu begleiten. Ja, es ist schade, dass wir dieses geliebte Hobby nicht (oft) zusammen ausüben können. Nur habe ich gelernt, dass es nichts bringt, ihn zu drängen. Im Gegenteil, es macht alles nur noch schlimmer. Wirklich Verständnis für seine Gründe, seine Situation habe ich nicht. Doch mich darüber aufzuregen oder zu streiten bringt nichts. So gehe ich halt alleine skifahren oder wenn möglich mit den Kindern. Die Hoffnung, dass es ihm wieder mal besser geht und wir gemeinsam solche Aktivitäten geniessen können bleibt weiterhin bestehen.

Ganz wichtig finde ich eben auch, dass wir uns gegenseitig vertrauen können. Wir erzählen einander auch immer alles. Wir lassen einander viel Freiraum. Ich gehe öfters übers Wochenende, manchmal ganz alleine, in unser Ferien Häuschen. Für mich ist es wichtig, dass Abmachungen oder Versprechungen möglichst eingehalten werden.
Vilu
Dabei seit: 18.07.2002
Beiträge: 2006
Mein Mann und ich sind inzwischen auch 25 Jahre zusammen, hatten auch gute und weniger gute Zeiten aber trennen wollten wir uns nie.
Wichtig ist uns ein Geben und Nehmen, Toleranz, eine gute Balance zwischen Freiheit und Gemeinsamkeit, die für beide stimmt. Vertrauen und Offenheit. Und ganz wichtig: Humor!

Also eigentlich habe ich jetzt gar nicht so das Gefühl, dass Beziehung wirklich so "harte Arbeit" ist. So ganz kann ich diesen Satz nicht nachempfinden.

Ich muss also nicht irgendwoher die Kraft für unsere Partnerschaft schöpfen. Das Wissen, meinem Mann jederzeit vertrauen zu können, immer auf seine Unterstützung zählen zu können und zu wissen, dass er mich auch liebt, gibt mir Kraft.

Ich frage mich ehrlich grad, ob zwei wirklich so gut zusammenpassen, wenn man anderswo Kraft für die Partnerschaft schöpfen muss.

Leben und leben lassen
Co-71
Dabei seit: 29.05.2012
Beiträge: 168
Ich bin froh, dass du das schreibst Vilu....auch ich brauche nicht Kraft für die Beziehung, sondern die Beziehung gibt mir Kraft für alles, was mir im Leben begegnet. Es kann sein, dass ich mal einen Rat meiner Freundin brauche, aber sonst....als harte Arbeit sehe ich das ebenfalls nicht. Da ist die Liebe, Respekt, Rücksicht, Freiheit geben und nehmen, viel Humor und viele Dinge mehr, die eine Beziehung ausmachen. Eine positive Einstellung und ein JA zu seinem Leben lassen Dich gelassener sein.
Scheri
ThemenerstellerIn
Dabei seit: 22.12.2014
Beiträge: 399
"Vilu" schrieb:

Ich muss also nicht irgendwoher die Kraft für unsere Partnerschaft schöpfen.


Ich gebe zu, die Eingangsfrage ist nicht treffend formuliert. Mit "woraus schöpft ihr Kraft für eure Langjährigen Beziehungen" meine ich vielmehr aus welcher Qualität eurer Beziehung schöpft ihr Kraft ? Was hält euch zusammen ?
Du z.B. beschreibst es u.a. mit "einer guten Balance zwischen Freiheit und Gemeinsamkeit".
Find ich auch treffend. Und wie schon geschrieben bin ich mit meiner Bezehung mit diesem Thema noch an einem Entwicklungsprozess.
Scheri
ThemenerstellerIn
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Beiträge: 399
"Vilu" schrieb:

Ich frage mich ehrlich grad, ob zwei wirklich so gut zusammenpassen, wenn man anderswo Kraft für die Partnerschaft schöpfen muss.


Diese Frage, ob zwei wirklich so gut zusammenpassen find ich bei Paaren mit gemeinsamen Kindern nicht wirklich relevant, denn die Familie ist Realität. Soll man sich denn trennen, wenn man nach vielen Jahren immer mehr realisiert, dass man in vielen Bereichen unterschiedlich ist und nicht alles immer so gut zusammenpasst ?
Ich meine nein, mindestens in unserem Fall, wo wir auch immer noch auf konstruktive Weise unsere Themen angehen können und eine starke Verbindung zueinander haben. Familie ist das grösste Projekt, das ich je gelebt habe.

Du sprichst ja auch von guten und weniger guten Zeiten in eurer 25 jährigen Beziehung. Liegt ja auf der Hand.