Berufswahl - Lehrstelle...

Colette78
ThemenerstellerIn
Dabei seit: 18.11.2018
Beiträge: 5
Hallo zusammen,

ich könnte ein wenig Schwarmwissen, bzw. einen Aufsteller gebrauchen. Unsere Tochter ist 17, wird in einem halben Jahr 18. Intelligent, wir würden sagen ein normaler Teenie. Die Sek Zeit war teils schwierig, sie erlebte einerseits Mobbing, Lehrer machten nichts auf unsere Anfragen hin und schoben das Problem uns zu. Die Schulleistungen sackten ab. Sie flüchtete sich in die virtuelle Welt, null Bock Stimmung. Immer wieder versuchten wir sie zu ermutigen und zu stärken, mein Mann und ich. Nach Rücksprache mit einer Psychologin auf Druck der Lehrerin war der Kommentar der Psychologin: die Lehrerin bräuchte einen Psychologen, wir hätten eine ganz normale Teenie Tochter - was auch unser Bauchgefühl war. Nun gut, für einen Beruf konnte sie sich nicht aufraffen, wir versuchten es alle mit Druck, ohne Druck...einfach alles. Sie log...wir kontrollierten es nach, es kam raus, sie hätte nichts gemacht. Dann, wir haben ihr wie auch die Lehrer unterschiedliche Möglichkeiten vorgelegt, von weiterführende Schule, über Lehre, über Auslandsaufenthalt, was sie dann auch tat. Dort erlebte sie Mobbing über die Austauschmutter, von dem wir lange nichts mitbekamen...schlussendlich nahmen wir sie wieder heim. Sie war traumatisiert. Wir konnten es kaum glauben, als sie uns erzählte, was abgegangen ist. Es ging ihr ein halbes Jahr danach sehr schlecht, da mein Mann und ich beide berufstätig sind und noch jüngere Geschwister da sind...versuchten wir alles, um sie wieder ins Lot zu bringen. Mein Mann reiste dann mit unserer Tochter nochmals in die Gegend um dies abschiessen zu können, was dann auch noch mit Hilfe eines Therapeuten gelang. Auch beim RAF flog sie aus dem Programm, weil sie es einfach nicht in den Griff kriegte, aber immerhin ging es ihr psychisch besser, dass konnten wir sehen. Danach steckten wir sie in eine Privatschule, um wieder herausgefordert zu werden und auch an der Lehrstelle zu arbeiten. Nun, wir haben immer wieder nachgefragt, sie hat uns immer wieder gesagt, dass es am laufen sei, wir haben bei den Lehrern nachgefragt, es sei am Laufen. Wir haben aber schon länger den verdacht, dass es eben nicht läuft. Auf unser Nachprüfen fand sie dann weder das Bewerbungsmail noch den Brief auf ihrem Computer - ich bin halt ein Chaot, meinte sie nur. Ich habe dem Lehrer geschrieben, er schrieb mir zurück, dass wir reden sollten, er hätte auch nie etwas gesehen, auch wenn sie ihm dies versprochen hätte. Es läuft immer wieder so...banghead.gif
In den letzten Wochen ist sie am Compi gesessen, hat für die Schule und die Bewerbung gearbeitet, wie sie uns gesagt hat. Tatsächlich ist sie in der Schule im Gegensatz zur Sek sehr motiviert und bringt ziemlich gute Noten. Ich bin mit ihr nochmals heute Morgen Berufe durchgegangen als Alternative, sie hat einen Lieblingsberuf, den sie machen will, habe heute morgen nochmals mit ihr Plan B und C aufgestellt. Es darf nicht sein, dass sie die Frist wieder verpasst eine Lehrstelle zu finden, das ist nun schon zwei Mal passiert!
Das verrückte daran ist, unser jüngeres Kind macht alles selbständig, ohne Probleme...so haben wir unsere Kinder erzogen. Diese hat schon fast eine Lehrstelle, hat alles selbständig teils mit wenig Hilfe selber organisiert....und ich frag mich einfach, was könnten wir noch anders machen, was machen wir falsch...dass es seit Jahren so ein Krampf ist. Einfach laisse fair....können wir nicht, wir haben Unterhaltspflicht und wenn sie nicht mehr zur Schule geht...das tut ihr nicht gut. Aber diese Privatschule ist einfach nur sehr teuer....habt Ihr Tipps...ein paar aufmunternde Worte?icon_rolleyes.gif
Con71
Dabei seit: 08.01.2016
Beiträge: 60
Wir haben die Bewerbungen zusammen am Compi erstellt, durchgelesen, daran herumgefeilt, ausgedruckt. Ich habe gesehen, wir er die Unterlagen zusammengestellt hat, ins Couvert und Briefmarke drauf.
Es wäre unmöglich gewesen, dass ich nicht bemerkt hätte, wenn er keine Bewerbungen verschickt hätte. Mein Sohn brauchte auch diese Begleitung, nicht weil er keine Bewerbung schreiben wollte, sondern weil er unsicher war, ob alles so richtig und fehlerfrei ist. Unsicherheiten können sogar beim Couvert anschreiben entstehen, es ist einfach noch nicht alles so klar wir für uns. Wir haben übrigens absichtlich die altmodische Art der Postbewerbung gewählt. Mit mehrfachem Erfolg.

Hat sie in ihrem Wunschberuf schon mehrfach geschnuppert ? Oft ergeben sich aus den Schnupperlehren die ersten Bewerbungsmöglichkeiten. Es gibt einfach nichts anderes, als dass Du Dich mit Deiner Tochter hinsetzt und die Bewerbungen erstellst und dabei bist, bis die Unterlagen weg sind. Viel Glück.


[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 18.11.2018 um 14:54.]
fraulein
Dabei seit: 26.10.2003
Beiträge: 1646
Als erstes: nicht vergleichen mit dem anderen Kind, das alles gut abwickelt..... aber ich weiss, schwierig.

Ich denke, deine Tochter braucht weiter Hilfe. Entweder strikte durch dich: gemeinsam Lehrstellen auswählen, anschreiben, wegschicken. Oder dich erkundigen, wo man externe Hilfe dafür bekommt, die vielleicht besser angenommen wird.

Deine Tochter hat einiges durchgemacht, aber sie hat jetzt auch ständig erlebt, dass man ihr wenig klare Ansagen gemacht hat, sondern bemüht ist, dass es ihr besser geht. Ihr muss bewusst sein, dass das von IHRER Seite auch Mithilfe bedeutet.

Mein Sohn hatte ähnliches während der Lehre und es war die Hölle für mich. Er wurde buchstäblich durch die Lehre geschleift (waren 4 Jahre Ausbildung und nach ca. 2 1/2 Jahren gab es ernsthaftere Schwierigkeiten). Nach Beendigung der Lehre hat er dann nicht gearbeitet, konnte das nicht. Bis wir ihn soweit hatten, dass wir ihn zu einem Arzt bringen konnten. Er hatte an Depressionen gelitten und als diese angegangen wurden (hat auch seine Zeit gedauert, bis er Einsicht gezeigt hat), wurde die Situation leichter und er hat seinen Weg gefunden.

Ich hatte noch eine weitere Tochter mit ständig Problemen in der Lehre (zeigte sich bei ihr mit Krankheiten), auch mit Mobbing und zur Folge waren das 2 Lehrabbrüche und Neuanfänge. Hier haben wir eben auch irgendwann klar gesagt: jetzt ziehst du es durch oder es gibt keine Unterstützung mehr von uns. D.h. Lehre wieder abbrechen heisst, kein Geld mehr von uns. Dann wäre Regale auffüllen oder Strassen kehren oder was auch immer angesagt gewesen. Ihr musste auch klar werden, dass wir nur zum Unterhalt verpflichtet sind, wenn sie eine Ausbildung macht. Nicht, wenn sie nichts tut. Und jetzt ist sie auf gutem Weg, endlich die Ausbildung abzuschliessen.

Mein Resümee also: Klare Ansage und nochmals Hilfe durch Arzt/Therapeut und evtl jemanden, der ihr bei Bewerbungen hilft. Aber es nützt nichts, wenn deine Tochter eine Ausbildung anfängt, die aber aus irgendwelchen Gründen dann nicht durchzieht. DAS ist dann nochmals Stress pur.

Alles Gute.

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 18.11.2018 um 19:04.]
goodie
Dabei seit: 12.11.2011
Beiträge: 3372
Ich denke auch dass sie diese Begleitung braucht. Meine jüngere Tochter ist auch so. Wir stecken im Moment auch in der Lehrstellensuche. Sie hat es oft nicht hingebracht dass sie selbstständig gesucht hat. Ich musste immer dabei sein und ihr helfen. Sie ist auch so ein kleiner Chaot und wenn ihr etwas nicht so behagt dann macht sie einfach zu.
Ich hoffe dass sie nächste Woche einen positiven Entscheid bekommt für ihre Wunsch-Lehrstelle. Wär auch für mich gut, weil mich das auch sehr belastet.
Falls sie nichts findet hat sie noch das 10. Schuljahr als Rückversicherung. Dort haben sie Berufscoach usw.....

Wäre das evt. auch was für Deine Tochter? Beim BiZ bieten sie doch das an, oder es gibt auch sonst Berufscoach. Die kosten zwar aber vielleicht erfährt sie von einer Neutralen Stelle wie das laufen sollte.

Dass sie so viel schlimmes erlebt hat ist natürlich nicht so toll und das tut mir richtig leid für deine Tochter.


„Es gibt keinen Weg zum Frieden, denn Frieden ist der Weg."

Mahatma Gandhi
Colette78
ThemenerstellerIn
Dabei seit: 18.11.2018
Beiträge: 5
Danke für Eure Antworten, ja wir haben sie abgeklärt, es ist definitiv keine Depression vorhanden. Und ja, sie ist schon im 10. Schuljahr resp. im 11. wo sie nun an einer Privatschule noch zusätzliche Unterstützung vom Lehrer hat dies zu machen. Wobei sie ihn höchstwahrscheinlich eben gelinkt hat. Er hat ihr, wie wir auch klare Ansagen gemacht, aber sie konnte sie umgehen. Es tut mir gut Eure Berichte, Erfahrungen zu lesen, die machen Mut. Ich hatte nun übers Wochenende email Kontakt mit dem Lehrer. Auch wir sind nochmals mit ihr hingesessen, haben klare Anweisungen erarbeitet und sie musste nochmals eine Liste erstellen. Ja, sie hat einen Traumberuf, hat nun schon eine Bewerbung (innerhalb eines Jahres!) geschickt und eine Absage kassiert. Uns hat sie immer wieder erzählt und dem Lehrer, dass sie mehrere am Laufen hat. Uns ist auch klar, dass wenn sie eine Lehrstelle hat es erst richtig anfängt und es nicht so sein sollte, dass es immer ein Krampf ist...ich denke, sie ist einfach unsicher, was sie erwartet und dann macht sie zu. Wir versuchten sie zu stärken und ja, sie hat Schnuppertage gemacht und war begeistert....ich hoffe einfach weiter....wir bleiben dran...
GabrielaA
Dabei seit: 18.10.2002
Beiträge: 5613
Ganz ehrlich war ich immer absolut involviert in die Lehrstellen Suche meiner Söhne (18+20).

Der Jüngere hatte sehr viele Berufswünsche und wollte schon früh schnuppern gehen. Er wurde von der IV Berufsberatung abgeklärt und unterstützt. Trotzdem haben wir immer die Bewerbung zusammen angeschaut und zusammen eingepackt und meistens habe ich es zur Post gebracht (rein logistisch).

Unsere Söhne mussten halt schon Bewerbungen schreiben, nur fürs Schnuppern und beide haben in der Schule das gelernt.

Der Jüngere hatte oft mit der Logopädin zusammen Schnupperlehrstellen gesucht oder Vorstellungsgespräch geübt, er durfte auch während der Schulzeit telefonieren, etc.

Gleiches beim Ältesten. Er schrieb bloss 2 Bewerbungen für die Lehrstelle, wobei der die eine schon als Muster zum Üben in der Schule schrieb. Zum Schnuppern schrieb er auch nur eine Bewerbung, das in dem Betrieb, wo er später die Lehre machte. Bei ihm ging einfach alles viel einfacher.

Auch der jüngere Sohn hatte es nicht so einfach. Da er ein leichtes Defizit hat/te wurde er schon im voraus aufgrund dessen abgelehnt. Es hiess mal, so einen wie er können sie nicht gebrauchen. Sie wollen jemanden, der rumrennen und anpacken könne. Sie haben ihn nie gesehen, und das kann er problemlos.

Ich kann mich den anderen nur anschliessen. Bewerbungen muss sie euch zeigen, und zwar komplettes Dossier. Das wird zusammen eingepackt und du bringst es zur Post bzw. zusammen.

Sie hat keine leichte Zeit hinter sich. Aber eben, sie braucht auch klare Strukturen und Ansagen. Es scheint, als müsste sie streng überwacht werden, dann tut es auch.

Viel Glück euch allen.
Jobeva
Dabei seit: 24.08.2018
Beiträge: 4
Deine Tochter braucht euere Unterstützung. Ich würde mit Ihr die Dossiers machen, und Briefen schreiben. Auch damit jetzt kein Zeit verloren geht.

Wir haben bei alle drei die Dossiers gemacht, da die Schule zum Teil zu Spät ist.....Um eine FaGe lehre anzufangen in August 2019, hast man sich bis September 2019 Beworben können in Kanton Zürich.....

In der 2e Sek, haben die Schnuppern lehre Angefangen, und habe sehr oft Diskussionen mit die Schule gehabt, weil die Kindern schon wieder nicht in die Schule waren, sondern beim Schnuppern gewesen sind.... Mit Erfolg; allerlei haben nach der 3de Sek eine Lehre gehabt.... Mein Jüngste hat sein Vertrag schon in August gehabt.

Mach deine Tochter Mut, es ist nicht das Ende wenn eine Bewerbung abgesagt wird..... Sie soll viel mehr Bewerbungen schreiben....Und dann findet auch Sie eine Lehrstelle.....Viel Erfolg!