Verlassene Eltern

yucca
ThemenerstellerIn
Dabei seit: 08.02.2007
Beiträge: 3028
@nanny72
Wie kann es soweit kommen dass man als Mutter das eigene Kind so verachtet? Ich kann so etwas nicht fassen und nachvollziehen. Wie kann man das eigene Fleisch und Blut so diskriminieren, dass es zum Abbruch kommt. Was läuft da schief?
Meine Kinder sind 20 u. 18 beide waren lang mein Lebensinhalt, heute sind sie selbständig und gehen ihren eigenen Weg. Trotzdem sind wir da wenn sie uns brauchen. Ich könnte mir nicht vorstellen dass ich sie verstossen oder verachten könnte.

Auch aus Steinen, die in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.
hanni6
Dabei seit: 25.03.2004
Beiträge: 669
@yucca

Diese Eltern lehnen in Wirklichkeit nicht ihre Kinder ab, sondern sich selber.

„Die Schatten, welche wir in uns ablehnen, projizieren wir ins Aussen auf andere Menschen und bekämpfen sie dort. Wir übertragen unsere eigenen ungelösten Themen und Konflikte auf Partner, Familie, Freunde und Arbeitskollegen.“

Der Text ist nicht von mir, aber er erklärt, was ich meine. So kann man auch das Unvorstellbare irgendwie begreifen.

fraulein
Dabei seit: 26.10.2003
Beiträge: 1633
@yucca
Mich irritiert, dass du die "Schuld" automatisch bei den Eltern suchst/siehst.

Eine Eskalation kann durchaus nur durch eine Seite erfolgen. Ein "leichtes" Beispiel: die Ende 60iger/70iger Jahre: die Hippie-Bewegung. Eine Auflehnung gegen das Etablishment, grundsätzliche Ablehnung der Werte oder Lebensart der Eltern/Vorgängergeneration. Haben diese etwa alles falsch gemacht? Kaum. Es kam jemand mit neuen Ideen, neuen Ansichten und viele folgten diesen und wieviel wurde wirklich hinterfragt?

Jemand hat einen Lebenspartner, der die Eltern des anderen ablehnt. Wieviel Einfluss hat dieser nun auf diese Person, so dass die Eltern weniger besucht werden, der Kontakt eingeschränkt wird etc? Passiert gerne mal bei interkulturellen Beziehungen.

Viele solcher Dinge passieren im Kleinen und haben dann nichts mit irgendwelchen Traumata sondern mit äusseren Einflüssen zu tun und kann dann wohl von den betroffenen (Eltern) nicht nachvollzogen werden.

Hatten wir früher mehr Respekt vor den Eltern? Zum einen ist es sicher auch eine Zeiterscheinung, welche Erziehungsregeln "normal" waren. In früheren Generationen war ein wirtschaftliches Leben ohne den Familienverbund gar nicht möglich. Finanzielle Freiheiten bieten auch andere Freiheiten. Wenn man nicht mehr auf jemanden angewiesen ist, ist es auch um vieles leichter, diesen auf die Seite zu schieben.

Wenn es um einen spezifischen Fall geht, wie dein Beispiel im Eröffnungstext, dann ist eine Beurteilung gar nicht möglich ohne die ganze Situation zu kennen.

Was das Verhalten der Eltern betrifft, alles aus dem Haus von den Kindern zu entfernen: nun ja, ein Stück weit verstehe ich es. Die Eltern sind im Schmerz, werden tagtäglich daran erinnert, was sie verloren haben, ohne wirklich zu wissen, warum. Ja, der Schritt mag sehr überzogen wirken, macht ein Stück weit für mich Sinn. Sie sind im Grunde den gleichen Schritt gegangen wie die Kinder. Sie machen den Bruch, damit sie auch weiter gehen können, ohne tagtäglich im Schmerz zu sein. Möglicherweise war es ein Versuch, die Töchter aufzurütteln.

Und zu guter Letzt: mich macht eher ein Satz von dir nachdenklich:
"Meine Kinder sind 20 u. 18 beide waren lang mein Lebensinhalt" - sollen Kinder ein Lebensinhalt sein? Was bleibt dann ohne diese? Wenn nun deine Kindern diesen Druck dein Lebensinhalt zu sein nicht ausgehalten und rebelliert hätten: würdest du da den Fehler bei dir suchen, da du ja alles für sie getan hast?
nanny72
Dabei seit: 21.05.2006
Beiträge: 1029
@yucca
Ich bin das 4 Kind, alles Mädchen, genau genommen eigentlich das 5, zwischen dem 2+3 währe noch ein Junge, der nur 2mt alt wurde
Während meine Schwester (3tes Kind) anscheinend ein Wunschkind (seitens meiner Mutter) war, was ich vor noch nicht so langer Zeit, per Zufall erfahren habe, hat sie mich von Anfang an abgelehnt, (da sie bei mir trotz Pille schwanger wurde). Was ich unbewusst immer zu spüren bekommen habe. Und später habe ich es auch direkter zu spüren/hören bekommen.
yucca
ThemenerstellerIn
Dabei seit: 08.02.2007
Beiträge: 3028
@nanny72
Diese Situation ist/war bestimmt für beide nicht einfach. Deine Mutter, weil sie ungewolt schwanger wurde und du, weil du ein ungeliebtes Kind bist. Finde das sehr traurig. Ich habe auch nich 4 Geschwister, auch wir haben nie gespürt dass uns die Eltern lieben, wir mussten sehr früh Verantwortung übernehmen, sehr viel arbeiten, da unsere Mutter dem Alkohol fröhnte und gar nich in der Lage war zu uns zu schauen. In meinen Kindheitserinnerungen sehe ich meine Mutter immer nur betrunken, torkeld, lallend und rumsitzend.
Trotz alle dem habe ich meine Mutter in den Tod begleitet.

Auch aus Steinen, die in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.
nanny72
Dabei seit: 21.05.2006
Beiträge: 1029
@yucca
Das hört man immer wieder, das Menschen, die eine schwere Kindheit hatten, durch die Eltern verschuldet, den Kontakt zu den Eltern trotzdem aufrecht erhalten, wenn auch nicht immer gleich stark.
Deswegen würde es mich interessieren, was aus Sicht der Töchter so schlimmes vorgefallen ist, das sie sich ganz von den Eltern fernhalten, das sie so einen krassen weg gewählt haben
Irgendwie habe ich den Verdacht, das der Therapeut selber ein Problem hat und eine Therapie bräuchte, daß er seinem Klient, den Bruch mit den Eltern empfiehlt, anstatt eine Versöhnung versucht zu vermitteln
glitzerfee2
Dabei seit: 26.03.2004
Beiträge: 312
@yucca
Das Resultat einer Therapie muss ja nicht zwingend Versöhnung sein. Ich habe viele Therapiestunden hinter mir. Es gibt Themen, bei denen ich Versöhnung gesucht und gefunden habe, v.a. im Bezug auf meine Herkunftsfamilie. Andere Bereiche haben wir analysiert und eingeordnet, und so Verletzungen heilen lassen. Das sind aber langwierige Prozesse, die nicht innert ein paar Wochen stattfanden.
Mit meiner Aussensicht würde ich wahrscheinlich den Therapeuten konfrontieren und ggf bei seinem Branchenverband melden. Zwischen Patient/Klient und Therapeut entsteht ja auch ein Abhängigkeitsverhältnis, das hier schamlos ausgenutzt wurde. Zum andern wissen wir ja wirklich nicht, wie die Beziehung früher war, ob die Wahrnehmung der Eltern auch mit der Realität übereinstimmt...
Traurige Geschichte auf alle Fälle....
GabrielaA
Dabei seit: 18.10.2002
Beiträge: 5638
Es war einmal eine Familie (1) mit 2 Kindern. Vater eher jähzornig, schlug doch ab und zu Frau und Kinder.

Dann als die Kinder knapp erwachsen bzw. Teenie waren, verstarb die Mutter.

Vster ertränkte den Kummer in Alk. Nur wenige Monate später stellte er den Kindern seine neue Partnerin (W) vor. Sie war AE und hatte 2 kleinere Kinder und zog dann auch zu ihm.

Seine Tochter wurde mit 21 ungewollt schwanger und verschwieg allen le die SS, bis kurz vor der Geburt. W entschied, dass für Tochter und Baby kein Platz sei in der Wohnung. Schwieger Familie nahm die beiden auf, bis sie eine Whg. hatten. W waren die Kinder von Vater 1 im Wege, auch das Enkelkind. Jahrelang warf sie seiner Tochter vor, dass sie Ihnen die SS verschwieg. Sie fürchtete auch immer, dass seine Kinder und Enkel zu viel Zeit mit ihm verbringen würde und trieb sie auseinander.

Er durfte keinen Kontakt mehr haben. Traf er mal eines seiner Kinder, bat er, dass sie ihn mal anrufen würden.

Weder seine Kinder, Enkel, noch ihre Kinder und deren Kinder haben sie seit Jahren gesehen. Briefe, Karten, sogar Geburtsanzeigen über Enkel, blieben stets unbeantwortet.

Die Eltern sind noch heute der Meinung, dass sich die Kinder bei ihnen melden müssen und Schuld an der Situation seien.
yucca
ThemenerstellerIn
Dabei seit: 08.02.2007
Beiträge: 3028
@nanny72
Ich sage ja auch dass dieser Bericht einseitig ist, weil er ja nur die Sicht der Eltern wiedergibt. Sie können ja sagen was sie wollen, kontrolliert wird es nicht. Auch wenn man die kritischen Kommis liest, findet man immer wieder rechtfertigungen vom betroffenen Vater. Er wehrt Kritik ab und geht in Verteidigung Stellung über, so nach dem Motto, wir sind die unschuldigen Opfer.


@glitzerfee2
Ich weiss dass die Therapie nicht nur wenige Wochen geht. Ich selber war 4 Jahre in Therapie. Ausschlaggebend war damals eine Erschöpfungsdepression, wo mir mein HA zu einer Therapie riet, es war gold richtig, ich bin ihm heute noch sehr dankbar dafür.

Auch aus Steinen, die in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.
yucca
ThemenerstellerIn
Dabei seit: 08.02.2007
Beiträge: 3028
@GabrielaA
Das ist der umgekehrte Fall. Eltern die den Kontakt zu den Kinder abbrechen.

Auch aus Steinen, die in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.